FeedHermann I.
GeschichteBrockhaus 1882

Hermann I., Pfalzgraf von Sachsen und Land-Lud von Thüringen, war der Sohn des Landgrafen udwig des Eisernen und der Juditha, der Tochter des Herzogs Friedrich von Schwaben, des Vaters Kaiser Friedrichs I. Im Verein mit andern Fürsten zogen H. und sein Bruder Ludwig III. gegen den geächteten Heinrich den Löwen, der sie aber 1180 zurückschlug und ihnen auf dem Fuße nach Thüringen folgte. Infolge einer unzeitig eingegangenen Schlacht (15. Mai 1180) wurden sie von Heinrich gefangen genommen, der sie jedoch 1181, um von Kaiser Friedrich I. einen billigern Frieden zu erlangen, wieder freigab. Auf dem Reichsta Erfurt 1181 erhielt hierauf H. die pfalzgräfl. Würde in Sachsen, auf welche sein Bruder Ludwig verzichtet, und hatte seitdem seinen Sitz auf der Neuenburg an der Unstrut, dem jetzigen freiburger Schlosse, bis er nach seines Bruders Ludwig III. Tode 1190 als Landgraf von Thüringen die Wartburg bezog. Kaiser Heinrichs VI. Absichten auf Thüringen wußte er durch energische Maßregeln zu vereiteln. Mit gleicher Entschlossenheit und gleichem Glück widersetzte er sich 1194 den Anmaßungen des Erzbischofs Konrad von Mainz und des Abts von Fulda. Dadurch aber, daß er in den Kriegen nach Heinrichs Tode (1198 — 1208) bald mit Philipp von Schwaben, bald mit Otto IV. von Braunschweig im Bunde war, zog er seinem Lande so große Verwüstungen zu, daß der Erwerb von Nordhausen, Mühlhausen, Saalfeld, des Schlosses Ranis und des Bezirks an der Orla nicht für Ersatz gerechnet werden konnte. Als endlich Otto allein Kaiser war, versammelte H. eine Anzahl deutscher Fürsten und Grafen in Nürnberg, welche den vom Papste Innocenz III. ausgegangenen Vorschlag, Otto abzusetzen und Friedrich von Sicilien zu wählen, zum förmlichen Beschluß erhoben. Schon hatten darauf die Truppen Ottos IV. sich der Städte Nordhausen und Mühlhausen bemächtigt und viele von H.s Vasallen sich gegen ihn aufgelehnt, als ihn Friedrichs II. schnelles Einrücken in Deutschland rettete. Mitten unter den kriegerischen Beschäftigungen vernachlässigte H. iedoch keineswegs die Künste des Friedens. Sein Leben fällt in das goldene Zeitalter der deutschen Poesie. H.s Name selbst steht mit in den Reihen der Minnesänger, die er gern an seinem 4* aufnahm. Schon als er noch Pfalzgraf von Sachsen war, hatte er deren mehrere um sich versammelt. Ihre Zahl mehrte sich, als er seinen Sitz auf die Wartburg verlegte. Groß war H.s Einfluß auf die Poesie seiner Zeit, und die berühmtesten Sänger an seinem Hofe haben auch sein Andenken verewigt. Unter ihm fand angeblich 1207 jener berühmte poetische Wettkampf 75 der unter dem Namen des Wartburgkriegs (s. d.) bekannt ist. H. war zweimal verheiratet. Durch +* Tochter erster Ehe, Jutta, die er mit dem arkgrafen Dietrich von Meißen vermählte, wurde er Großvater Heinrichs des Erlauchten. Seine zweite Gemahlin, Sophia, eine Tochter des Herzogs Otto d. Gr. von Bayern, gebar ihm uah d seinen Nachfolger in der Regierung und Gemahl der heil. Elisabeth (s. d.), Heinrich Raspe (s. d.), Gegenkönig Konrads IV., Irmengard, die sich nachmals mit dem Grafen von Anhalt vermählte, und Agnes, die nachherige Gemahlin des österr. Herzogs Heinrichs des Grausamen von Medling, auf welche die Liebe zur deutschen Poesie übergegangen war. H. starb zu Gotha auf der Reise 25. April 1217 und wurde im Kloster auf dem Berge vor Eisenach begraben. — Hermann II., sein Enkel, succedierte in den hess. Allodien und starb 1241.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 142Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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