FeedEisenkies
NaturlehreBrockhaus 1882

Eisenkies (Schwefelkies, oder Pyrit, von &op, d. i. sehr 6 weil er am Stahl starke Funken gibt), ein sehr häufig vorkommendes metallisches Mineral, ist die dem regulären System angehörige Modifikation des Doppeltschwefeleisens. Der E. krystallisiert in der parallelflächig-hemiedrischen Abteilung und weist einen sehr großen Reichtum von Formen auf, indem bis jetzt außer dem Würfel, Oktasder und Rhombendodekaéder nicht weniger als 9 Ikositetraéder, 4 Triakisoktasder, 25 Pentagondodekaéder und 28 Dyakisdodekaéder daran beobachtet worden sind, welche untereinander die mannigfachsten Kaombinationen liefern. Am häufigsten treten Würfel, vielfach parallel ihren abwechselnden Kanten gestreift, und Pentagondekaéder auf. Zwillinge, bei denen zwei Pentagondekaéder einander so durch⸗⸗ wachsen, daß die Kanten, welche durch den Würfel abgestumpft würden, rechtwinkelig gekreuzt erscheinen, heißen wegen ihrer Form edie Zwillinge des Eisernen Kreuzes (3z. B. von Vlotho bei Minden). Die Krystalle sind oft einzeln eingewachsen (3. B. in Thonschiefern), auch zu Drüsen und mancherlei Gruppen vereinigt, daneben finden sich häufig kugelige, traubige, nierenförmige Gestalten. Die Farbe ist speisgelb, bisweilen ins Goldgelbe geneigt, frisch mit ausgezeichnetem Metallglanz, der Strich bräunlichschwarz, die Härte 6—6,5, das spezifische Gewicht schwankt um 5. Der E. ist nicht magnetisch. Die chem. Zusammensetzung Fe S. erfordert 46,6,71 Proz. Eisen und 53,33 Schwefel; dieses Eisenbisulfur ist indessen dimorph, indem es außer dem E. auch noch rhombisch als Markasit auftritt. Zuweilen hält der E. kleine Mengen von Gold (z. B. Beresowsk im Ural) oder Silber, nicht selten auch etwas Kupfer (Rio tinto in Spanien), oder Spuren von Thallium. Von Salzsäure wird er fast gar nicht angegriffen, von Salpetersäure unter Abscheidung von Schwefel gelöst. Im Kolben gibt er Schwefel ab, und große Haufen, einmal angezündet, brennen fort. Fundpunkte der schönsten Krystalle sind unter andern: Elba, Traversella und Brosso in Piemont, Waldenstein in Kärnten, Freiberg und Potschappel in Sachsen, Großalmerode in Hessen, Dillenburg in Nassau, St. Gotthard und das Binnenthal in Wallis. Sehr oft erscheinen organische Formen, z. B. gekammerte Schalen von Ammoniten und andern Kephalopoden in E. vererzt. Der E. ist insbesondere zu einer Umwandlung in Eisenoxydhydrat geneigt, welches von außen nach innen sehr regelmäßig in die Krystalle eindringt. Wo der E. in moderhaltigen Thonen, als Nester, Schnüre und Körnchen in Braunkohlen und Steinkohlen vorkommt, da ist es nicht zweifelhaft, daß er vermittels einer durch die kohlenstoffhaltige Substanz bedingten Reduktion aus durchsickernden Eisenvitriollösungen entstanden ist. Der E. kann für sich nicht zur Darstellung des metallischen Eisens, sondern nur zur Gewinnung von Schwefelsäure, Eisenvitriol, Alaun, Schwefel benutzt werden, wobei die Rückstände als gelbe und rote Farben Verwendung finden; bei manchen Hüttenprozessen bildet er einen wichtigen Zuschlag und aus den goldhaltigen wird dieses Edelmetall extrahiert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 908Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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