FeedEismaschinen
TechnikBrockhaus 1882

Eismaschinen (frz. congélateurs, glacières; engl. freezers, ice-making machines), Maschinen ü oder Apparate zur künstlichen Wldune von Eis.. Nach der Art, wie die die Cisbildung ewirkende Kälte hervorgebracht wird, teilt man diese Maschinen in drei Gruppen, und zwar wird die Kälte erzeugt 1) durch Auflösen von Salzen, 2) durch Verdunsten von Flüssigkeiten, 3) durch Wiederausdehnung zusammengepreßter Gase. Die einfachsten Apparate sind die der ersten Gruppe, bei welchen das zur Eiserzeugung dienende, mit Wasser gefüllte Gefäß in einen mit einer Kältemischung gefüllten Behälter gebracht wird. Hierzu brauchbare Kälte⸗⸗ mischungen und die durch sie bewirkten Temperaturerniedrigungen sind beispielsweise: 5 Teile Salmiak, 5 Salpeter, 19 Wasser 24 R. 1 » Soda, 1 Salpeter, 1 Wasser. . 29 v 1 »Salmiak, 1 Wasse+r 1 »Eis gestoßen, 1 Kochsalz... 214 » Schnee, 10 Kochsalz, 5 Salmiak, 12 »Eis, 5 Kochsalz, 5 salpetersaures Die wohlfeilste und in Konditoreien, Haushaltungen u. s. w. am häufigsten benutzte Mischung ist Schnee oder zerstoßenes Eis mit Kochsalz. Zur Erzeugung von Eis in großen Quantitäten sind Kältemischungen ihrer Kostspieligkeit wegen nicht zweckmäßig. Bei den Maschinen der zweiten Gruppe, in denen, wie schon erwähnt, die Kälteerzeugug durch Verdunstung erfolgt, beruht der Vorgang auf der Thatsache, daß bei dem Übergang einer Flüssigkeit in den dampf⸗ oder gasförmigen Zustand eine bedeutende Wärmemenge gebunden wird. Geht die Verdunstung ohne Wärmezuführung von außen vor sich, so muß die ganze für die Vergasungsarbeit erforderliche Wärme der Temerat selbst entzogen werden und es sinkt die Temperatur derselben um so mehr, je niedriger ihr Siedepunkt liegt. Der gebildete Dampf oder das frei gewordene Gas kann entweder durch Absorption wiedergewonnen oder durch Druck wieder zu einer Flüssigkeit verdichtet und nochmals verwendet werden. Man unterscheidet hiernach E. mit Absorption und solche mit Kompression. Bei erstern wird das Gas aus der Absorptionsflüssigkeit durch Erwärmung ausgetrieben und in einem zweiten Gefäß durch Druck und Abkühlung zu einer Flüssigkeit verdichtet, um sodann durch Herstellung eines Vakuums zur raschen Verdunstung gebracht zu werden, wobei so viel Wärme gebunden wird, daß das Wasser, welches nur durch eine dünne Metallwand von der verdunstenden Flüssigkeit getrennt ist, zum Gefrieren kommt. Das entstandene Gas wird von der Absorptionsflüssigkeit wieder aufgenommen, um von neuem in den Kreisprozeß einzutreten. Bei den Kompressionsmaschinen wird das gebildete Gas durch eine Pumpe abgesaugt und in einen Kondensator gedrückt, wo es sich durch Abkühlung und Druck zu einer Flüssigkeit verdichtet, um dann in das Verdunstungsgefäß zurückgeleitet zu werden. Am gebräuchlichsten sind die Ammoniak-⸗Eismaschinen und von diesen die Carreschen E. Eine Ammoniakmaschine der einfachsten Form zum Gebrauch in Haushaltungen, Laboratorien u. s. w. ist in nebenstehender Abbildung, Fig. 1, dargestellt. Bei derselben ist A der Kessel, B der Eisbildner, C ein eisernes Kühlgefäß. Die Eiserzeugung zerfällt hier in zwei verschiedene Operationen: die Erzeugung von flüssigem Ammoniakgas und die Ver⸗ Fig. 1. dunstung desselben, wodurch Kälte, resp. Eis erzeugt wird. Indem der bis zu drei Vierteln seines Fassungsraums mit einer Auflösung von Ammoniak gefüllte Kessel durch ein Holzkohlenfeuer erhitt wird, entweicht das Ammoniakgas und wird im Eisbildner dadurch flüssig, daß es bei hohem Druck von dem den Eisbildner umgebenden Wasser abgekühlt wird. Sobald jedoch der Kessel vom Feuer genommen und an Stelle des Eisbildners in das Kühlwasser gestellt ist, wird der im erstern herrschende Druck aufgehoben, das flüssig gewordene Ammoniak verdunstet und tritt in den Kessel zurück. Durch die Verdunstung des Ammonials wird die zur Verwandlung des im Cisbildner enthaltenen Wassers in Eis nötige Kälte hervorgebracht. Mit diesen Maschinen kann man je nach deren Größe 1—3 kg Eis in einer bis zwei Stunden erzeugen. Die Carrésche Eismaschine wird in Deutschland von den Firmen Vaaß u. Littmann in Halle a. S. und Oskar Kropf u. Comp in Nordhausen, in Frankreich von Mignon u. Rouart in Paris gebaut. In Fig. 2, welche diese Maschine schematisch darstellt, ist ein aufrechtstehender Cylinderkessel, der die wässerige Ammoniafflüssigkeit enthält; mit B ist die Feuerung bezeichnet. Das Ammoniakgas geht durch das Rohr F in den Kondensator 6, dessen Schlangenröhren durch das aus dem Reservoir H zulaufende Wasser gekühlt werden. Das hier zur Flüssigkeit verdichtete Ammoniakgas fließt durch einen Regulator L, welcher nur Flüssigkeit, aber kein Gas durchläßt, und durch das Rohr Mnach dem Behälter O, um von diesem aus in die vertikal gestellten Schlangenröhren des Gefrierkastens verteilt zu werden. Um eine rasche Kälteübertragung zu vermitteln, ist der Kasten mit Chlorcalciumlösung gefüllt. Das bei der Verdunstung des flüssigen Ammoniaks entstandene Gas gelangt in das Absorptionsgefäß T. ist das sog. Temperaturwechselgefäß, Wein Kühlcylinder; durch die Pumpe wird die im Absorptionsgefäß wiederbelebte Ammoniaklösung nach dem Kessel zurückgedrückt. Von den obengenannten deutschen Firmen ist diese Maschine insofern verbessert worden, als die direkte Feuerung durch Dampfheizung ersetzt ist. Eine solche Maschine mit einer Leistung von 500 kg Eis pro Stunde kostet circa 34000 Mark; die Produktionskosten pro 100 kg Eis sollen sich auf 40 Pf. belaufen. Eine Ammoniak-Kompressionsmaschine neuerer Konstruktion ist die in den letzten Jahren in Ausnahme gekommene Lindesche E. Die Maschinen, bei wel-Met an Stelle von Ammoniak Athyläther oder Methyläther angewendet wird, haben keine große Verbreitung gefunden; es gehören hierher die von Perkins, Harrison und Siebe. Bessere rerG. haben Raoul Pictet u. D5115 in Paris mit ihrer Schwefligsäureanhydrid-Eismaschine erzielt. Zu der dritten Gruppe, bei welchen Eis durch Wiederausdehnung komprimierter Gase erzeugt wird, gehört die Maschine von Franz Windhausen in Braunschweig (s. Fig. 3). Bei dieser Maschine wird die Luft in einem dem Cylinder einer Dampfmaschine ähnlichen Behälter A mittels Kolbens unter Abkühlung verdichtet, dann in den Eiserzeuger atsdoh und aus diesem zur Beschleunigung der Ausdehnung durch den im Pumpencylinder B arbeitenden Kolben wieder fortgesaugt. Es ist hier D der Entwässerungscylinder; Eund E sind die Kühler. Neuerdings spritzt man auch während des Zusammendrückens der Luft zur Abtühlung derselben Wasser in den Cylinder ein. Die unter einem Druck von 2— 4 Atmosphären verdichtete und hierdurch erhitzte Luft wird auf +30 C. abgekühlt; bei ihrer Wiederausdehnung auf eine Atmosphäre erzeugt dieselbe eine Temperatur von —25 bis —70 C. Die Windhausensche E. ist die einzige Luftexpansionsmaschine, welche größere Verbreitung gefunden hat. In England werden Maschinen dieser Art nach Kirks, in Frankreich nach Giffard u. Armengauds Patent gebaut. Trotz des hohen Anschaffungspreises der E. fin den dieselben, namentlich in größern Brauereien, ausgedehnte Verwendung, da man mit ihrer Hilfe nicht nur in milden, eisarmen Wintern vor der

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 917Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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