Elben (Otto), Politiker, Eigentümer und Herausgeber des «Schwäbischen Merkuro in Stuttgart, geb. 30. Jan. 1823 in Stuttgart, studierte in Tübingen die Rechtswissenschaften, machte größere wissenschaftliche Reisen und trat 1847 in die Redaction des „Schwäbischen Merkuro ein, dessen Leitung er 1854 übernahm. In allen Fragen der deutschen Politik, vom Beginn des schleswig-holstein. Streites bis zum Eintritt Württembergs in das Deutsche Reich und bis zu den neuesten politischen, volks virtschaftlichen und kirchenpolit. Kämpfen verteidigte C. in s einer Zeitung den nationalen Standpunkt. Als Mitglied des Reichstags 1871 — 76 für den württemb. Wahlkreis Böblingen-Leonberg-Mannebran-Vaihingen schloß er sich der nationalliberalen Partei an, und zwar zuletzt vorzugsweise dem unter von Bennigsens Führung stehenden rechten Flügel derselben. Der von ihm gestellte und 17. Mai 1873 im Reichstage begründete Antrag auf Errichtung eines Reichseisenbahnamtes als ständiger Centralbehörde ward vom Reichstage mit großer Mehrheit angenommen, worauf die Reichsregierung noch im nämlichen Jahre das Reichseisenbahnamt ins Leben rief. Der württemb. Zweiten Kammer gehörte E. 1868—82 für den Wahlbezirk Böblingen an und trat hier der demokratischen Partei mit Energie entgegen. Im Aug. 1870, unmittelbar nach den großen Siegen der deutschen Armee, überreichte er dem preuß. Gesandten in Stuttgart, Baron von Rosenberg, eine Denkschrift, worin er die Notwendigkeit nachwies, den Eintritt der süddeutschen Staaten sofort, unter dem vollen Eindruck der durch die deutsche Waffenbrüderschaft gewonnenen Schlachten und der nationalen Begeisterung, festzustellen. In den J. 187182 war E. der ständige Referent der volkswirtschaftlichen Kommission über den Eisenbahnbau und setzte in der Kammer die Gesetze über den Bau der großen württemb. und Mßenbn von SW. nach NO. (Schaffhausen und Offenburg⸗)Freudenstadt und Horb-Stuttgart-Hall-Crailsheim (Nürnberg) nach langen Kämpfen durch. Bei den Landtagswahlen von 1882 nahm E. eine Neuwahl nicht mehr an. Außer verschiedenen Broschüren polit. und volkswirtschaftlichen Euwiud veröffentlichte E. folgende Schriften: „Die Entbindung von der Instanzo (Tüb. 1846), „Populäre Darstellung der Schwurgerichte nach den Erlebnissen in Frankreich und Englando (Stuttg. 1848), Der volkstümliche deutsche Männergesangoin geschichtlicher Fassung (Tüb. 1855). lberfeld, eine der reichsten und wichtigsten Fabrikstädte Europas, an der Wupper (in 156 m Höhe) und an den Linien Aachen-Holzminden (mit den beiden Bahnhöfen E.⸗Steinbeckund E.⸗Döppersberg [Hauptbahnhof! im S. der Stadt) und Düsseldorf-Dortmund (mit den beiden Bahnhöfen E.⸗Orttenbruch und E.⸗Mirke im N. der Stadt) der Preußischen Staatseisenbahn, bildet einen eigenen Stadtkreis des Regierungsbezirks Düsseldorf der preuß. Rheinprovinz, ist Sitz eines Land⸗ (nebst Kammer für Handelssachen für die vier Amtsgerichte zu E., Langenberg, Mettmann und Solingen), Schwur⸗, Amts⸗ und Gewerbegerichts, einer Handelskammer, einer Reichsbankstelle, eines Hauptsteueramts und eines Hauptzollamts und zählt (1880) 93538 E., wovon 68731 evangelisch, 22897 katholisch und 1104 Juden. Unter den besonders benannten Wohnplätzen im Weichbild sind Arrenberg, Hahnerberg, Mirke, Nützenberg, Steinbeck und Wüstenhof. Die Stadt besitzt zahlreiche prachtvolle öffentliche Gebäude, wie das Rathaus, das Landgericht, die Post, das Gymnasium, das Realgymnasium, die Oberrealschule, eine Taubstummenschule, das Waisenhaus, Krankenhaus, Irrenhaus, die Gebäude einer königl. Eisenbahndirektion (bisher Bergisch-Märkische Eisenbahn), die neue städtische höhere Töchterschule, das Hospital des Frauenvereins, das St. Josephshospital, das Bürgerkrankenhaus und Anstalten für verlassene Kinder und auf dem Königsplatz ein künstlerisch bedeutendes Kriegerdenkmal. Die elberfelder Armenpflege ist so mustergültig, daß sie bereits von mehrern großen Städten nachgeahmt worden ist. E. hat zwei reform., drei luth., eine l reform., eine altluth., eine kath., eine 3 evang. Kirche und eine neue Synagoge. In 30 Volksschulen wird der Unterricht unentgeltlich erteilt. Die Fabrikthätigkeit der Stadt umfaßt alle Zweige der Textilindustrie auf Maschinen⸗ und Handwebstühlen, von denen die erstern überwiegen ö und besonders Stückzeuge, wie Zanella und die verschiedensten Kleiderstoffe in Seide, Halbseide, Wolle und Baumwolle liefern. Ferner sind hier bedeutende Zeugknopffabriken, Teppichwebereien, Möbel⸗ und Wagenstoffabriken, chem. Fabriken, eine der größten Kattundruckereien Deutschlands, mehrere — — Fabriken für Briefumschläge, BlechTwaren, Wagen und Peitschen. Bekannt sind die zahlreichen großartigen Türkischrotgarnfärbereien und Handlungen, zu denen ebenso bedeutende Stück⸗, Seiden⸗ Woll⸗ und Baumwollfärbereien für die hiesigen Webereien kommen. Den letztern dient auch die Seidentrocknungsanstalt und der roße Handel in allen Rohstoffen, namentlich Seide, umwoll⸗ und Wollgarn. In neuester Zeit sind — den ältern Gispiepßemen Gelomn eine große nzahl neuer Grossistenfirmen gekommen. Die Vaterländischen Feuer⸗, Hagel⸗, Lebens⸗ und Transportversicherungsgesellf sten haben in CE. ihren Sitz, ebenso eine Anzahl Banken (Bergisch-Märlische Bank, Elberfelder Bankverein), Konsumvereine und die Gewerbebank. Sehr groß ist auf allen Gebieten die Vereinsthätigkeit, so für Verschönerung der Umgebung, in musikalischer und wissenschaftlicher Beziehung (3. B. Bergischer Geschichtsverein), wodurch auch der geistige Fortschritt dem materiellen nicht nachsteht. In unmittelbarer Nähe der Stadt, an deren oberm Ende, liegt die Diemelshöhe, eine schöne, parkähnliche Anlage auf der Haardt, nördlich von der Wupper, mit einem Denkmal des heil. Suitbertus (gest. 7¹3), einem Kriegerdenkmal (seit 1872) und Rundschauturm auf der Bden . Mit Barmen (s. d.) ist C. durch eine Pferdebahn verbunden. An der Stelle, wo jetzt E. steht, befand sich im 12. Jahrh. eine Burg der Dynasten von Elverfeld, deren Herrschaft später mit Berg vereinigt wurde. Die erste Ansiedelung im Wupperthale veranlaßte das klare, zur Bleiche ganz besonders geeignete Bergwasser der Wupper, und 1532 erhielten die Ansiedler der sog. Freiheit ein Privilegium auf die Garnbleiche. Erst 1610 wurde E. die Stadtgerechtigkeit zugeteilt. Halbbaumwollene Zeuge fertigte man hier seit dem Anfange des 18. Jahrh.; die Seidenfabrikation begann 1775, die Türkischrotfärberei 1784, die anchesterweberei 1807, die Kattundruckerei 1826. Im J. 1846 waren in C. eine Baumwollmaschinenspinnerei mit 2560 Feinspindeln, 1139 Webstühle in Seide, 232 in Baumwolle, 672 in Wolle. Der Handel in E. ist überaus mannigfach und lebhaft, und die Fonds, mit denen gearbeitet wird, sind 106 bedeutend. In seinem Aufschwunge zu immer höherer Blüte, den es zur Zeit der Zollsperre nahm, ist es durch den Zollverein nur gefördert worden. Wie im ganzen Wupperthale, so machen sich auch zu E. vielfach das orthodoxe Kirchentum und der Pietismus geltend. Während die Rheinische Missionsgesellschaft ihren Hauptsitz zu Barmen hat, ist E. der Mittelpunkt der Bergischen Bibelgesellschaft. Vgl. Coutelle, E., topogr.⸗statist. Darstellung (Elberf. 1853); Langewiesche, E. und Barmen. Beschreibung und Geschichte dieser Doppelstadt des Wupperthals» (Barm. 1863), Statist. Darstellung des Stadtkreises E.v (Elberf. 1869).