Daun (Leop. Joseph Maria, Graf von), österr. Feldmarschall, Sohn des vorigen, geb. 24. Sept. 1705 zu Wien, wurde für den geistlichen Stand erzogen, aber, da er für diesen keine Neigung hatte, von seinem Vater in den militärischen achwissenschaften sehr gründlich unterrichtet und als Offizier 1718 in dessen Regiment angestellt. Noch in demselben Jahre kämpfte er unter Prinz Eugen von 431 gegen die Türken und dann in Sieilien, als Oberst 1734 und 1735 am Rhein und in Italien, als General 1737—39 gegen die Türken, wo er sich in der Whiuhm bei Krotzka auszeichnete. Den glänzendsten Ruhm erwarb er sich hiach in den Kriegen gegen Preußen. Nach der Schlacht von Mollwitz deckte er den noch bei Österreich verbliebenen Teil von Schlesien, zeichnete sich 1742 in der Schlacht bei Chotusitz aus, vertrieb die —1— aus Böhmen und bewährte sich als Führer der Vorhut lich dem Zuge Khevenhüllers nach Bayern, namentli durch die Erstürmung von Dingelfingen und die Einnahme von Landau. Im J. 1744 kämpfte D. unächst unter Feldmarschall Traun am Rhein, fahrte dann die Nachhut des nach Böhmen gegen die Preußen abrückenden Heeres und schlug die veren Schlachten bei Hohenfriedberg und Sorr befehligte er den linken Flügel des österr. Heeres und wurde noch 1745 zum Feldzen meister befördert. Der Ruf seiner Tapferkeit und Vorsicht sowie seine Verheiratung mit der Gräfin Fuchs, einem Günst-Ung Maria Theresias, verschafften ihm das uneingeschränkte Vertrauen der Kaiserin. Nach dem Frieden von Dresden zu dem in den Niederlanden — den Heere versetzt, zeichnete sich D. in den für Osterreichs Waffen unglücklichen Feldzügen von 1746 und 1747 wiederholt, unter anderm bei Dachfeld aus, kehrte 1748 nach Wien zurück und erwarb sich in den folgenden Friedensjahren große Verdienste um die Reorganisation des österr. Heeres. Außerlich dem Hofkriegsratspräsidenten Harrach unterstellt, aber durch das Vertrauen der Kaiserin in allen militärischen Fragen ausschlaggebend, verbesserte er die Bewaffnung der Infanterie, vermehrte die Artillerie und hob deren bisher vernachlässigte Ausbildung, führte das erste für das ganze Heer gültige Dienstreglement ein und veranlaßte die periodische Zusammenziehung größerer Truppenverbände in Übungslagern. Im J. 1751 errichtete er die Militärakademie zu Wiener-Neustadt und erhielt 1754 die Würde eines Feldmarschalls, sowie den hohen Orden vom Goldenen Vlies. Als erster Direktor der Militärakademie und gleichzeitigerKommandant von Wien that er viel für die Hebung der Mannszucht im Heere und der wissenschaftlichen Ausbildung des Offizierkorps; durch seinen Einfluß kamen viele tüchtige Kräfte in höhere Stellungen. Im Siebenjährigen Kriege wurde D. erst 1757 mit dem Oberbefehl betraut, erfocht die Siege von Kollin (s. d.), Breslau, Hochkirch und Maxen, Rämertage durch seine allzu große Bedächtigkeit zur Riederlage Laudons bei Liegnitz bei und wurde bei Torgau verwundet und durch Zietens kühnen Angriff geschlagen, nachdem die Schlacht bis zum Abend für die Osterreicher günstig verlaufen war. Nachdem D. in Wien wiederhergestellt worden, ubernahm er 1761 abermals den Oberbefehl, operierte in Sachsen gegen den Prinzen Heinrich von Preußen, später in Schlesien gegen König riedrich, unternahm jedoch nichts Entscheidendes mehr und wurde noch vor dem Friedensschlusse zum Präsidenten des Hofkriegsrats ernannt. D. war ein Meister in der Auswahl und Besetzung von Stellungen: König Friedrich erkannte in ihm seinen gefährlichsten Gegner. Seine große Vorsicht bewahrte ihn vor entscheidenden Niederlagen, verhinderte ihn jedoch auch an der vollen Ausnutzung errungener Erfolge. Er besaß umfangreiche technische Kenntnisse und viel naturlichen Verstand, sowie ein fast immer zutreffendes Urteil uber die ihm untergebenen Generale, deren besondere Fähigkeiten er richtig zu verwerten wußte. Nach dem Kriege widmete D. seine Thätigkeit der Verbesserung des Heerwesens, starb jedoch bereits 5. Febr. 1766 zu Wien. Die Kaiserin ehrte sein Andenken durch ein Denkmal in der dortigen Augustinerkirche, welches ihr Brustbild und die Inschrift Dem Retter des Staats, dem Wiederhersteller der Kriegszucht» trägt. Dannia, im Altertum ein Teil der ital. Landschaft Apulia, das Land zwischen dem Aufidus lietzt Ofanto) und Frento (Fortore), dem Adriatischen Meer und dem Apennin (den größten Teil der jetzigen Provinz Capitanata umfassend). Dannon (Pierre Claude Francois), ausgezeich neter franz. Gelehrter, Publizist und Staatsmann geb. 18. Aug. 1761 zu Boulogne-sur-Mer, trat 1777 in die Kongregation des Orakoriums. Obschon den geistlichen Stande angehörig, schloß er sich doch det revolutionären Bewegung an und wurde 1792 al-Abgeordneter des Depart. Pas-de-Calais in den Nationalkonvent gewählt, wo er beharrlich mit seinem Landsmann, dem berühmten Thomas Payne, die Kompetenz der Versammlung als Gerichtshof im Prozeß Ludwigs XVI. bestritt und auf Gefangenschaft des Königs während des Kriegs, dann auf Verbannung antrug. Dies und seine Verteidigung der Girondisten gegen die Partei des Bergs brachten auch ihn ins Gefängnis. Durch den Sturz Robespierres am 9. Thermidor vom Tode errettet, entwickelte er nun eine einflußreiche Wirksamkeit im Konvent, indem er sich lebhaft bei allen Gesetzentwürfen beteiligte, die eine neue Organisation des der Auflösung nahen Staats bezweckten. So entwarf er namentlich die Konstitution vom J. III. Im Rat der Fünfhundert setzte er seine Thätigkeit fort, wurde dann von der Regierung mit der Organisation der Römischen Republik beauftragt und half nach dem 18. Brumaire die Konstitution vom — entwerfen. Später trat er, nachdem er die Erhebung zum Staatsrat ausgeschlagen, in das Tribunat, aus dem ihn aber der Erste Konsul entfernte, weil er dessen Plane für die Monarchie unablässig bekämpfte. Dann wurde er Bibliothekar des Pantheons, 1804 Direktor des Archivs des Gematche Sted Körpers und 1807 des Reichsarchivs, welche Stelle er bei der Restauration verlor. Erst die Julirevolution gab ihm dieselbe kate⸗ „worauf er die Professur der Geschichte niederlegte, die er seit 1819 am Collége de France bekleidet hatte. Im J. 1818 war er Mitglied der Deputiertenkammer, in der er zur freisinnigen Opposition gehörte. Erst nach der Julirevolution wurde er wieder in die Kammer gewählt, doch zog er sich 1834 vom öffentlichen Leben zurück. D. starb 20. Juni 1840. Von seinen zahlreichen Schriften, mit denen er gewöhnlich in die Ereignisse seiner Zeit eingriff, sind zu erwähnen: Essai sur L'instruction publiques (Par. 1793), Essai sur la constitutiono (Par. 1793), worin er die Grundzüge des Gesellschaftsstaats entwickelte; Analyse des opinions diverses sur Lori-⸗ gine de PLimprimeries (Par. 1802), (Essai historique sur la puissance temporelle des papeso (Par. 1810), eine durch Freisinnigkeit und Genauigkeit der Forschung ausgezeichnete Schrift, die 1813 auf höhern Befehl vernichtet, erst 1818, freilich mit Abänderungen, und zuletzt 1828 (Par., 4 Bde.) wieder abgedruckt wurde. Auch verdankt man ihm eine vollständige Ausgabe von Rulhières (Uistoire de Panarchieè de Pologne (4 Bde., Par. 1807) und Ausgaben der Werke Boileaus, Cheniers und Laharpes. Sein Hauptwerk ist der (Cours d'études historiques (20 Bde., Par. 1839—49). Seit der Restauration war er Hauptredacteur des ournal des savantsb. Vgl. Taillandier, Documents biographiques sur M. D.„ (Par. 1841, 2. Aufl. 1847).