FeedCarlowitz (Albert von)
GeschichteBrockhaus 1882

Carlowitz (Albert von), deutscher Staatsmann, eb. 1. April 1802 zu Freiberg im Königreich Sachaan, wo sein Vater, Hans Georg von C., damals Amtshauptmann war, erhielt zuerst im elterlichen Hause, seit w1817 auf den Fürstenschulen zu Meißen und zu Grimma seine Bildung und bezog 1820 die Universität Leipzig, um sich jurist. Studien zu widmen. Seit 1824 trat er in Dresden in den Staatsdienst und wurde 1828 zum Regierungsreferendarius befördert. Auf dem letzten altständischen Landtage von 1830 zum Kondirektor der allgemeinen Ritterschaft gewählt, vertrat er bei Beratung der neuen Verfassung und den Verhandlungen über das Ablösungswerk die Interessen der Aristokratie und ing dann 1831 als Regierungsrat in gothaischen taatsdienst über, wo er jedoch schon 1834 seinen Abschied nahm, um 1836 als Regierungsrat bei der Kreisdirektion zu Zwickau einzutreten, welchen osten er bis Okt. 1837 bekleidete. In der Ersten ammer saß er als Vertreter des Hauses Schönburg auf allen Landtagen bis zu dem von 1842 —43; 9 der ward er vom König zum erblichen Mitglied der Kammer ernannt, wo er der anerkannte Führer der aristokratisch-konservativen Partei war. Im J. 1842 ward C. Vizepräsident, 1845 ärz 1848 wurde er vom König mit außerordentlichen Vollmachten nach Leipzig entsandt, wo eine ehbn das Ministerium und sein System gerichtete ebhafte Bewegung sich kundgab. Der nbefan enen Berichterstattung C. an den König über die Stimmung in Leipzig schrieb man es zu, daß der König das alte Ministerium entließ und an dessen Stelle ein liberales berief, wogegen freilich nach anderer Meinung C. Unentschlossenheit schuld daran war, in die Bewegung nicht unterdrückt wurde und in „Mimtert damals der König zur ÄAnderung des Ministeriums sich — sah. Auf dem Landtage 1849/50 griff C. als Mitglied der Ersten Kammer das Ministerium Beust wegen seiner Haltung in der Deutschen Frage, besonders seiner Lossagung von dem Dreikönigsbündnis, auf das energischste an, konnte aber einen seinen Ansichten . Wald darat Beschluß der Kammer nicht erzielen. Bald darauf ward er (nachdem er schon sch in Preuß. seine Güter in Sachsen verkauft und sich in Preußen angekauft hatte) von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zu einem der Kommissare des Verwaltungsrats der preuß.⸗deutschen Union beim Parlament zu Erfurt ernannt. Nach dessen Schluß zog er sich auf seine Güter zurück, ward aber in seiner neuen Heimat Daes Kreise Görlitz) wiederholt in das preuß. Abgeordnetenhaus ewählt, wo er sich zu der sog. altliberalen Partei hielt und namentlich in der Konfliktzeit das Verhalten des Ministeriums mehrfach bekämpfte. Auf dem ersten (konstituierenden) Reichstage des Nord— Oaubac Bundes ward C. von dem Wahlkreise Lauban-Görlitz gewählt; er sprach und stimmte für die Verfassung. C. starb in Kötzschenbroda bei Dresden, wohin er sich wegen seiner schon lange leidenden Gesundheit zurückgezogen hatte, 9. Aug. 1874. C. hat sich auch als Schriftsteller auf dem Gebiete poetischer Nachbildung des klassischen Altertums bekannt in 1844 erschien von ihm eine gereimte Übersetzung der Iliasv (2 Bde., Lpz.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 1Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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