Elektrische Maschinen (frz. machines électriques, engl. eleetrie machines) sind Apparate, welche, durch mechan. Kraft in Bewegung gesetzt, Elektricität liefern und so eine direkte Umwandlung von Arbeit in elektrische Energie ermöglichen. Demnach gehören zu denselben im weitern Sinne auch die sog. Elektrisiermaschinen (s. d.), welche durch Reibung oder Influenz Elektricität erzeugen, deren Verwendung zu technischen Zwecken aber heute noch so unbedeutend ist, daß dieselben hier nicht in Betracht kommen. Die theoretische Grundlage für die Konstruktion der eigentlichen elektrischen Maschinen, in welchen durch Induktion Ströme erzeugt werden und die seit ihrem ersten Bekanntwerden in der Technik folgenreiche Wandlungen auf fast allen Gebieten der Industrie hervorgebracht haben, bilden die Forschungen und Entdeckungen Faradays in Bezug auf die Induktionserscheinungen. (S. Induktion.) Pixii in Paris war der erste (1832), der diese Erscheinungen zur Konstruktion einer Maschine benutzte, in welcher durch Rotation eines Magnets vor zwei mit Drahtspulen bewickelten weichen Eisenkernen elektrische Ströme erzeugt wurden. Nach den Gesetzen der Induktion mußte der von diesen Maschinen gelieferte Strom bei jeder halben Umdrehung des rotierenden Magnets seine Richtung wechseln, sodaß der Schließungsdraht von einer Anzahl von Strömen, welche stets ihre Richtung wechselten, durchflossen wurde. Saxton, Clarke u. a. verbesserten die Pixiische Maschine wesentlich dadurch, daß sie den verhältnismäßig schweren Magnet feststellten und den leichtern Induktor rotieren ließen; auch war allem Anschein nach Saxton der erste, der einen sog. Kommutator anbrachte, durch welchen die Ströme gleichgerichtet wurden, sodaß seine Maschinen einen zwar fortwährend unterbrochenen Strom, sozusagen eine Anzahl von Stromimpulsen, die aber sämtlich gleiche Richtung halten, in den Schließungsdraht sendeten. Die Einrichtung des Kommutators oder Stromwenders ist aus der beistehenden schematischen Fig. 1 zu ersehen. Derselbe besteht aus zwei voneinander isolierten, halbkreisförmig gebogenen Metallschienen, an denen die mit den Zeichen und — versehenen Federn schleifen. Diese Metallschienen sind mit ihrem isolierenden Zwischenstück auf der Welle des Induktors befestigt und nehmen so an der Rotation des letztern teil. Denkt man sich die beiden Enden der Bewickelung des Induktors mit den halbkreisförmigen Metallschienen ver— Fig. 1. bunden, so wird ein in dem 2——— Induktor entstehender Strom durch die Federn in die Leitung gelangen. Der Kommutator oder die Federn sind nun so zu stellen, daß in dem Augenblick, wo der Strom im Induktor seine Richtung wechselt, auch die Federn mit den andern Metallstücken in Berührung kommen. Auf diese Weise wird, trotz der im Induktor wechselnden Stromrichtung, der in die Leitung gelangende Strom stets gleichgerichtet sein. Den libergang von diesen kleinen, richtiger als elektrische Apparate zu bezeichnenden Ausführungen zu den Maschinen, wie sie später zur Erzeugung des elektrischen Lichts aschtnen wurden, bilden die magnet-elektrischen Maschinen des Mechanikers Stöhrer in Leipzig, welcher mehrere sehr große und starke zusammengesetzte Stahlmagnete in vertikaler Stellung anordnete und dicht über den Polen derselben ein System von einzelnen miteinander verbundenen Induktionsspulen rotieren ließ. Auf der Tafel: Elektrische Lampen und Maschinen zeigt Fig. eine Magnet-elektrische Maschine von Stöhrer mittlerer Größe. Der aus mehrern Lamellen zusammengesetzte Hufeisenmagnet liegt wagerecht. In der Mitte zwischen den beiden Schenkeln desselben ist die Rotationsachse angebracht, mit welcher sich die Induktionsspulen RR drehen. Die Umdrehung dieser Achse wird durch einen Schnurlauf bewirkt, der von der größern, oberhalb der Magnete befindlichen Drehscheibe über eine kleine, auf der Achse sitzende Rolle geht; durch einen Kommutator werden in bekannter Weise die entgegengesetzten Ströme gleichgerichtet. Ein Umschalter, von Stöhrer Pachytrop genannt, gestattet, die beiden Spulen des Induktors auf Detsch dent Art zu kombinieren, je nachdem man einen Strom von großer Quantität und geringer Spannung oder umgekehrt zu erhalten wünscht.