Elektrizität, s. Elektricität. Elektrochemie. Als H. Davy 1806 erkannte, daß der Wirkung des elektrischen Stroms keine chem. Verbindung, so fest und unlöslich verbunden ihre Bestandteile auch erscheinen mochten, widerstehen konnte, lag für ihn die Vermutung nahe, daß die Kraft, welche die chem. Verbindungen bewirkt, keine andere wäre als die elektrische, und er suchte von diesem Standpunkte aus Licht über die chem. Vorgänge zu verbreiten. Er ging dabei von dem ganz richtigen, schon 1793 von Volta festgestellten Grundsatze aus, daß die Berührung zweier heterogener Körper die Erregung von Elektricität veranlaßt. Durch weitere Versuche glaubte er gezeigt zu haben, daß diese hem Werw so stärker hervorträte, je größer die chem. Verwandtschaft zwischen den beiden in Berührung befindlichen Körpern wäre und daß dieselbe mit der Temperaturerhöhung zunähme, weshalb sie zuletzt eine solche Stärke erreichen würde, daß die beiden Elektricitäten sich unter Feuererscheinung (Licht⸗ und Wärmeentwickelung) miteinander verbänden. Diese Theorie erklärt sehr wohl das Eintreten eines chem. Prozesses und die denselben begleitende Wärme⸗ und unter geeigneten Umständen auch Lichtentwickelung; sie gibt aber keinen Aufschluß auf die Frage, warum die Bestandteile, deren entgegengesetzte Elektricitäten sich doch im Akte der Verbindung neutralisiert haben, nach dieser Ausgleichung noch verbunden bleiben, und zwar mit einer solchen Intensität, daß keine mechan. Kraft sie zu trennen im Stande ist. Wenn sie wieder getrennt werden sollen, so müssen ihnen erst die durch die Verbindung verlorenen Elektricitäten wiedergegeben werden. Berzelius suchte später (1812) eine andere elektrochem. Theorie aufzustellen; er schrieb den kleinsten Teilchen einer jeden Substanz zwei elektrische Pole, einen positiven und einen negativen, nach Art der elektrischen Krystalle (s. Thermo-Elektricität) zu, aber die in diesen Polen befindlichen positiven und negativen Clektricitäten sollten an Intensität einander nicht gleich sein, in einer Klasse von Substanzen follte der positive Pol (elektropositive), in einer andern der negative (elktronegative) der stärkere sein. Das Verhältnis zwischen den beiden Elektricitäten sollte ferner in jeder Substanz verschieden sein; der Sauerstoff z. B. besaß nach dieser Theorie unter den elektronegativen Stoffen an dem einen Pole die meiste negative und an dem andern die wenigste positive Clektricität. Es läßt sich diese Theorie wegen ihrer größern Fügsamkeit allerdings vielen Ers cheinungen anpassen; aber der ganze Grund, auf dem sie gebaut ist, nämlich die ungleiche Stärke der Clektricität in den beiden Polen, ist etwas allen elektrischen Verhältnissen so durchaus Widersprechendes, daß diese Annahme verworfen werden muß. Auch ist diese Theorie für die weitere Entwickelung des Verhältnisses zwischen dem chem. Prozeß und der Clektricität ohne erheblichen Nutzen gewesen. Wenn ein elektrischer Strom durch eine leitende Flüssigkeit (angesäuertes Wasser, im Wasser gelöste oder im Feuer geschmolzene Salze) geht, so wird dieselbe zersetzt, und sie leitet überhaupt nur, insofern sie zersetzt wird. Faraday nannte (1832) den Akt der elektrochem. Zerlegung Elektrolyse (s. d.). Bei derselben erscheinen die einfachen Stoffe am negativen Pol Gathode), wenn sie positiv elektrisch sind, dagegen am positiven Pol (Anode), wenn sie sich negativ elektrisch verhalten. Hiernach sowie auch nach ihrem sonstigen chemischen Verhalten sind die wichtigern chemischen Grundstoffe in folgende clettrochemische Reihe geordnet worden: (—) Sauerstoff, Schwefel, Stick⸗ ö toff, Chlor, Brom, Jod, Phosphor, Arsen, Chrom, Bor, Kohlenstoff, Anttmon, K iesel, Wasserstoff, Gold, Platin, Palladium, Quechsilber, Silber, Kupfer, Wismut, Zinn Blei, Nickel, Eisen, Zink, Mangan, Aluminium, Magnesium, Calcium, Strontium, Baryum, Lithium, Natrium, Kalium (N1). In dieser Reihe erscheint jedes chem. Element dem voranstehenden gegenüber als positiv, mit dem nachfolgenden aber als negativ elektrisch. Trotz dieses relativen elektrischen Verhaltens der Grundstoffe bezeichnet man jene, welche gegen das negative Ende der Reihe hin liegen, vorzugsweise als negativ elektrisch; umgekehrt heißen die am positiven Ende der Reihe stehenden chem. Elemente die positiv elektrischen. Bis zum F. 1861 galt das Kalium als der elektropositivste Stoff; als jedoch in jenem Jahre das Rubidium und Cäsium entdeckt wurden, schloß mand aus ihrem elektrischen Verhalten, daß sie elektropositiver als das Kalium seien. Die elektrochem. a Reihe stellt auch eine auf indirektem Wege gefundene Reihe der Clektrischen Spannung (s. d.) für die gegenseitige Berührung der betreffenden Grundstoffe vor. Weil die in der elektrochemischen Reihe geordneten Grundstoffe im allgemeinen sich um so begieriger miteinander chemisch verbinden, je weiter sie auseinander liegen, so galt dieselbe bei den Elektrochemikern auch als Reihe der chem. Verwand!⸗ schaft oder Affinität (s. d.). Diese Affinitätsskala erleidet jedoch so viele und wesentliche Abweichungen, daß sie keineswegs verläßlich ist.