Chinagrün od. chinesisches Grün, u., das einzige bei Licht ISLIOTHEK unveränderliche Grün, erst seit 1855 in Europa fabrizirbar, auch unter dem Namen grüner Indigo bekannt, inChina LoO-Kao genannt, hat keine chemische Aehnlichkeit mit dem Indigo, sondern ist ein mit Thonerde und Kalk verbundener Farbstoff, eine Art von Lack, stammt von zwei verwandten Straucharten der Gattung Kreuzdorn (Rhamnus), nämlich Kh. utilis und Rh. chlorophorus. Jene enthalten in allen Theilen einen grünen Farbstoff, besonders in der Rinde, den man in China durch Abkochungen auszieht und in Baumwollengarn auffängt. Dieser Lack hat die Form einer trockenen Pomeranzen⸗ od. Citronenschale. Auf der Oberfläche spielter miteinem blaugrünen Schein, im Bruch ister purpurgefeuert, dem Indigo ähnlich, doch etwas matter. Reibt man ihn an einem harten Körper, so verschwindet dieser Glanz, während er sich beim Indigo sehr vermehrt. Auf ein Blatt weißes Papier gerieben, hinterläßt er eine bläulichgrüne Spur. Das Chinagrün ist eine gleichartige Masse und gewinnt bei künstlichem Licht an Feuer und Schönheit, während die unter Zusatz von Gelb erzielten grünen Farben beim Kerzenlicht nur blau sind, wenn das Blau eine Kyaneisenverbindung ist, und ins Schwärzlichgrüne fallen, wenn das Blau Indigo ist. Von obigen zwei Sorten des chinesischen Grün ist die eine löslich, die andere aber unlöslich im Wasser. Nimmt man eine Auflösung von Alaun (schwefelsaure Kali-Thonerde) mit destillirtem Wasser zu 5 Grad der Säurenwäge, so lösen sich von der ersten Sorte 66 Prozent, von der zweiten Sorte 60 Prozent. Die zweite Sorte giebtaber nicht die schönen Farbentöne wie die erste Sorte. Das chinesische Grün ist in Alkohol u. in Aether unlöslich. Fast alle mit Wasser verdünnten Säuren vermehren die Löslichkeit des chinesischen Grüns etwas, aber alle, mit Ausnahme der Essigsäure, verschlechterndie grüne Farbe mehr od. weniger. Das Zinnchlorür bringt sogleich eine Orangefarbe hervor, die vom Kalkwasser bald wieder auf Blaugrün zurückgebracht wird. Die Alkalien, die Ammoniaksalze u. vorzüglich das essigsaure Ammoniak vermehren die Löslichkeit des chinesischen Grüns beträchtlich. Aber die Lösungen, welche Garn u. Baumwolle gut färben, färben die Seide nicht. Neuerdings hat man denselben Farbstoff bei uns auch aus der Rinde des meinen Kreuzdorn (R. catharticus) hergestellt.