Ellerianische Sekte oder Ellerische Rotte hieß eine schwärmerische Sekte um die Mitte des 18. Jahrh. Ihr Stifter war Elias Eller. Geb. 4. Juli 1690 in Elberfeld, ward Eller Werkführer in der Floretbandfabrik der Witwe Bolckhaus, welche er 1712 heiratete. Die Frau gehörte den schwärmerischen Separatisten an, welche in ihrem Hause Zusammenkünfte hatten. Diese besuchte auch ein —— Nähmädchen, die Bäckerstochter Anna vom Büchel, welche vorgab, Offenbarungen zu empfangen. Sie weissagte die nahe bevorstehende Aufrichtung des Reiches Gottes oder des neuen Zion (daher hießen die Anhänger Zioniten), dessen Gründer Eller als Zionsvater, sie als Zionsmutter werden solle. Obgleich Eller und die Prophetin in unerlaubtem Umgange lebten, fanden sie Beifall, besonders da der schwärmerische Prediger Schleiermacher, der Großvater des berühmten Theologen, sich ihnen anschloß. Im J. 1733 heiratete Eller die Prophetin und jetzt weissagte sie eine zweite Erscheinung Christi im Fleisch; er solle von der Weie mutter als dem mit der Sonne bekleideten Weibe (Offenb. 12,5) auf übernatürliche Weise geboren werden. Der am 4. Juli 1734 geborene Sohn wurde also als Messias begrüßt und auch sein früher Tod am 21. Nov. 1735 brachte nur wenige zur Besinnung. Die Gemeinde führte ein üppiges und ausschweifendes Leben, vor allem bei den Liebesmahlen. Deshalb nannte sie das Volk die «Freßfeinen). Als die Behörden dem Treiben ihre Aufmerksamkeit zuwandten, kaufte Eller von seinem Bruder das väterliche Gut Ronsdorf (daher der Name Rons dorfer Sekte), gründete hier einen neuen, rasch aufblühenden Fabrikort, der 1741 eine unabhängige Pfarrei, 1745 eine unabhängige Stadt wurde. Schleiermacher wurde zum Pfarrer, Eller zum Bürermeister gewählt. In dieser polit. Selbständigeit trieb die Partei eine Zeit lang ungestört ihr Wesen. Die Zionsmutter starb 1743 plötzlich während eines wüsten Liebesmahles. Schleiermacher kam zuerst zur Besinnung und bemühte sich, die ärgsten übelstände abzustellen. Das führte zu einer Spaltung, indem die Gemäßigtern ihm folgten, die andern in Peter Wülffing einen zweiten Prediger beriefen und später Schleiermacher ganz ver? drängten. Alle Bemühungen, die weltliche Behörde zum Einschreiten zu bewegen, wußte Eller zu vereiteln. Nach seinem Tode (16. Mai 1750) trat sein Stiefsohn Bolckhaus als Zionsvater, seine Tochter Sarah als Zionsmutter auf; 1754 trat Ronsdorf aus dem Synodalverbande der reformierten Kirche aus und wurde damit völlig selbständig. Damit aber begann zugleich der innere Zerfall der Sekte. Am 31. Mai 1768 trat sie mit der Wahl eines neuen Predigers Herminghaus wieder in den Verband der reformierten Kirche ein und verschwand somit. Wülffing kam nach Düsseldorf ins Zuchthaus. Vgl. Knevel, «Entdecktes Geheimnis der Bosheit der Ellerianischen Sekter (2 Bde., Marb. 1751); Engel, „Versuch einer Geschichte der religiösen Schwärmerei im Großherzogtum Bergy (Schwelm 1826); Goebel, «Geschichte des christl. Lebens in der rheinisch-westfäl. Kirche »(Bd. 2, Kobl. 1852).