Emilia (lat. Aemilia) heißt der Teil von Italien, welcher sich zwischen dem Apennin, dem mittlern und untern Po und dem Adriatischen Meere, im S. von der Lombardei und Venetien, im N. von Toscana, Umbrien und den Marken ausbreitet. Ihren Namen erhielt die Landschaft von einer alten und berühmten Straße, der Via Aemilia der Römer, welche gegen 300 km weit von Placentia (Piacenza) am Po bis Ariminium (Rimini) am Adriatischen Meere führte und bereits 187 v. Chr. durch den Konsul Marcus Ämilius Lepidus angelegt ward, um die in dem cispadanischen Gallien πν Militär⸗ und Kolonisationscentren Placentia (Piacenza), Parma, Mutina (Modena), Bononia (Bologna) teils unter sich, teils mittels der bei Ariminium endenden Via Flaminia mit Rom und dem übrigen Italien zu verbinden. Diese große Amilische Straße bildet im allgemeinen noch jetzt die Grundlage des großen Straßen⸗ und Eisenbahntrakts, der von Piacenza über Parma, Reggio, Modena, Bologna, Imola, Faenza, Forli, Cesena nach Rimini läuft. Da die Kulturblüte jener Gebiete fortwährend durch die mächtige Verkehrsader bedingt blieb, so wurde dieser Teil Italiens bereits in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung in der Sprache des gewöhnlichen Lebens als die Regio viae Aemiliae, die »Landschaft der Amilischen Straßer, bezeichnet. Zu den Zeiten Konstantins d. Gr. hatte man, wie Inschriften darthun, den Namen der Straße (Kemilia) vollständig auf die Landschaft selbst übertragen, welcher Gebrauch sich durch die Longobardenzeit und das Mittelalter durch, wenn auch später nicht mehr im Munde des Volks, sondern nur als ein histor.⸗geogr. Begriff in der Sprache der Gelehrsamkeit erhielt. Eine Wiederauffrischung des alten Namens trat seit den Ereignissen von 1859 ein, indem damit die in der Losreißung von ihren ehemaligen Beherrschern bedente Provinzengruppe (Parma, Piacenza, Moena, Reggio, Bologna, Ferrara, Forli, Ravenna) ihre histor. und geogr. Zusammengehörigkeit ausdrücken wollte. Dieses ganze unter dem Namen C. begriffene Gebiet zählte 1881 — 20515 qkm 2183391 E. und gehört zu den angebautesten und bevölkertsten Teilen der ganzen Halbinsel.