Livorno, Stadt im ehemaligen Toscana, nach Genua der bedeutendste Hande Splatz des Königreichs Italien, ist der Hauptort der gleichnamigen Provinz, welche auf 326,20 Alkm (1881) 121 150 C. zählt und außer der Stadt nur noch die Inseln Elba, Pianoso und Monte Cristo umfaßt. Die Stadt L. liegt am Mittelländischen Meere, ist Station der Linie Florenz-L.⸗Rom der Römischen Eisenbahnen, hat große Plätze, breite, reinliche und gut gepflasterte Straßen und wird von 2 Tramwaybahnen und von Kanälen durchschnitten, auf denen die Waren bis zu den Magazinen gelangen können. Die schönste Straße ist der Corso Vittorio Emmanuele, welche die kolossale Piazza d' Armi durchschneidend, sich mitten durch die Stadt bis zum alten mediceischen Hafen zieht. Da die Blüte L.s erst aus neuerer Zeit datiert, so fehlt es, den königl. Palast und einige andere ausgenommen, an großartigen Palästen, wie man sie in andern ital. Städten findet. Auf der Piazza Carlo Alberto erheben sich die Kolossalstatuen der Großherzoge Ferdinand III. und Leopold II. L. besitzt einen öffentlichen Garten und viele andere öffentliche Spaziergänge, worunter die Promenade von San-Jacopo und der Ardenza hervorragen. Die ganze Meeresküste ist mit eleganten Gärten, Anlagen, schönen Badeanstalten, Hotels, Villen und prächtigen Gebäuden geschmückt. Der ehemalige mediceische Hafen ist klein; viel geräumiger ist die Reede jenseit desselben. Da aber auch diese nicht mehr ausreichte, so wurde der neue, von einem ausgedehnten halbkreisförmigen Damm gebildete Molo gebaut, worin auch die größten Schiffe sicher geborgen sind. Indessen hat der Handel, der meist nach der Levante und dem Schwarzen Meere ging, seit Aufhebung des Freihafens abgenommen. Dagegen kommt L. als Seebadeort immer mehr in Aufnahme infolge seiner guten Badeanstalten, schönen Umgegend und gesunden Luft. Auf dem Platze vor dem ehemaligen mediceischen Hafen steht die kolossale Marmorstatue des toscan. Großherzogs Ferdinand I. von Giovanni dell' Opera, die auf den vier Seiten der Basis vier Bronzestatuen hat, genannt die Vier Mohren, letztere ein Meisterwerk Taccas. Die Stadt hat außer ihren vielen Pfarrkirchen auch prot., griech. und armen. Bethäuser und eine Synagoge aus dem J. 1603, ferner mehrere Theater, ein Arsenal, eine große Schiffswerft, welche eiserne Handels⸗ und Kriegsschiffe baut, und eine großartige Cisterne für die Aufbewahrung des Trinkwassers. In gewerblicher Hinsicht sind die Bearbeitung von Korallen und die Olfabrikation namentlich hervorzuheben. L. zählt (1881) 77781, als Gemeinde 97615 E. Die Stadt ist der Sitz eines Bischofs, des Präfekten für die Provinz, eines Gerichtshofs erster Instanz, derzugleich auch als Handelsgerichtfungiert, dreier Civilpräturen und einer Kriminalprätur und besitzt ein königl.technisches Institut für die Handelsmarine, ein Lyceum, ein Gymnasium und eine Unterrealschule (Scuola tecnica) und eine öffentliche Bibliothek von ungefähr 50000 Bänden. — L. war gegen Ende des 13. Jahrh. noch ein offener Flecken; erst seit der Zerstörung des Hafens von Pisa fing es an sich zu heben, besonders nachdem es 1421 an Florenz gekommen. Alessandro von Medici befestigte den Ort und baute eine Citadelle; Cosimo I. erklärte den Hafen für einen Freihafen. Seitdem hob sich die Stadt mehr und mehr, bis sie unter dem Großherzog Ferdinand I. zu Anfang des 17. Jahrh. sich zu einem bedeutenden Seeplatz emporschwang. Zur Zeit der franz. Herrschaft war L. die Hauptstadt des Departements des Mittelländischen Meers. Mit dem übrigen Toscana wurde sie 1860 von Sardinien annektiert. In der Nähe ist der Hügel von Montenero, auf welchem eine berühmte Kapelle der Madonna von Montenero sich befindet. Livre, eine franz. Silbermünze, welche ihren Ursprung zunächst aus der Libra Gallica der Karolingerzeit herleitet. Im Mittelalter berechnete man die letztere zu 20 Solidi. In dem neuern franz. Münzwesen wurde diese Rechnung beibehalten, und es gingen auf die L. 20 Sous (zu 12 Deniers), wie in Italien 20 Soldi auf die Lira. Die Livre Tournois (L. von Tours) war bis 1795 die Einheit des franz. Rechnungswesens, wurde aber dann durch den Frane verdrängt, welcher etwas besser ist, indem 80 Frs. = 81 Livres Tournois, nach welcher allgemein angenommenen Vergleichung die Liyvre Tournois 4% g fein Silber war =8 Sgr. vorige norddeutsche Währung = 28 Kr. vorige süddeutsche Süderm ½ Fl. oder 40 Neukreuzer österr. Silberwährung = + Mark oder 80 Pf. deutsche Reichsgoldwährung. ie früher in Paris geprägte Livre Parisis war 1½ Livre Tournois. In den Provinzen Hohe man noch einige abweichende Livresorten als loße Rechnungseinheiten. Außerdem ist Livre der franz. Name des Gewichtspfundes. Es existierten früher in Frankreich verschiedene Gewichtspfunde; das wichtigste war die L. des pariser Markgewichts (Poids de marc) von 2 Marcs, welche = 489,305s franz. Gramm ,790 deutsche Pfund. Bis Ende 1839 führte das halbe Kilogramm (dem deutschen Pfunde gleich) den Namen Livreusuelle. Livree (frz.), zunächst Bezeichnung der Kappen- oder Pelzmäntel, welche ehedem in Frankreich der Königan den großen aig darrech den Bannerherren und Rittern eigenhändig darreichte; dann auch Bezeichnung der Kleidung, welche der Dienerschaft unentgeltlich geliefert wurde. Als später die unentgeltliche Lieferung aufhörte, blieb doch der Name L. für die Kleidung der Bedienten bestehen. Livreeborten, s. unter Bortenweberei. Livrets d'ouvriers, s. Arbeitsbücher. Liwa oder Liva (arab.), früher Bezeichnung der Unterabteilung eines türk. Vilajets; jetzt mit dem türk. Namen Sandschak (d. i. Banner) bezeichnet. Liwuy, Kreisstadt im russ. Gouvernement Orel, am linken Ufer der Sosna und an der Eisenbahn Werchowje-L., zählt (1882) 12975 C. und hat Fabriken zu Verarbeitung des Hanfes, für Seifen und Lichter und Handel mit Getreide, Vieh und Geflügel. Lix, phöniz. Kolonie, s. u. Arisch (in Marokko). Lixuri, Stadt auf der Insel Cephalonia (. d.). Lizard-Head oder Point, die südlichste Spitze von England, Grafschaft Cornwall, im OSO. von Kap Landsend. Auf ihr stehen zwei Leuchttürme. Ljesch, türk. Stadt, s. Alessio. Ljeschij (IEsij, russ.), in den russ. Volkssagen ein Waldgespenst mit Hörnern und Menschengestalt, aber mit Bocksfüßen und ⸗Bart, das die Leute im Walde irreführt. Es hat die Fähigkeit, seinen Wuchs zu ändern; im Wald geht es so hoch wie der Wald und im Gras so hoch wie das Gras. Lievno, s. Livno. Ligota (Erleichterung), bedeutet im Russischen Privilegium, besonders Steuerprivilegium, in der Rechtssprache wird es jedoch nicht mehr gebraucht. Linbartow, Lubartow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Lublin in Polen, am Wieprz, einem rechten Nebenfluß der Weichsel, mit (1882) 3791 E., welche bedeutenden Getreidehandel treiben. Liubim, Kreisstadt im russ. Gouvernement Jaroslaw, an der Obnora, mit (1884) 2398 C., hat Fabriken für Zwirnband, Leder und Lichter. Liubitschewo, Gestüt bei Passarowitz (s. d.). Linblin, s. Lublin. Be-Lindi, Leute, dient im Altrussischen zur zeichnung sämtlicher Bewohner Landschaft. dann der niedern Klasse gegenüber den Vornehmen, den Männern (mushi); die aguten Leutes sind diejenigen, welche vor Gericht festzustellen haben, was Rechtens ist, später die, welche über jemandes Leumund zu entscheiden haben.