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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Engel, ein aus dem Griechischen stammendes biblische Anschauung versteht unter E. die Boten Gottes an die Menschen, welche seinen Willen verkündigen und seine Befehle auf Erden vollstrecken. Im Alten Testament sind es namentlich die Träger der göttlichen Offenbarung, die Heroen der israel. Volksgeschichte, wie Abraham, Jakob, Moses u. a., welche von E. umgeben und geleitet erscheinen. Engelserscheinungen bezeichnen die Wendepunkte ihres Lebens und besonders ihres religiösen Bewußtseins. Im Neuen Testament erscheinen sie überall im Dienste Christi und seines Reichs: Jesu Geburt, Auferstehung und Himmelfahrt, die Gründung der christl. Kirche und Christi erwartete Wiederkunft werden von Engelserscheinungen (Angelophanien) begleitet. Doch auch das Leben der Völker und der Einzelnen hat seine Schutzengel, welche als lichte, reine Geister und als Vorbilder der von jeder sinnlichen Trübung befreiten künftigen Vollendung vorgestellt werden (Matth. 18, 10; 22, 30; Luk. 15, 7. 10;, 20, 36). Die Ausbildung des Engelglaubens gehört dem spätern Judentum an. Während der ältere Hebraismus in dem Engel Jehovahso (Jahves) nur eine vorübergehende Personifikation des göttlichen Offenbarungswillens erblickte, bildete sich in der nachexilischen Zeit wahrscheinlich unter pers. Einflüssen die Vorstellung von einem förmlichen Hofstaat Gottes mit verschiedenen Rangordnungen dienender Geister aus. An der Spitze dieser Mächte, Herrschaften und Gewaltend, welche immer bestimmter als Mittelwesen zwischen Gott und den Menschen und als die Vermittler bei der Weltschöpfung, der Gesetzgebung u. s. w. gedacht wurden, standen die sieben Erzengel (Michael, Gabriel, Rafael u. s. w.). Auch die Cherubim, Seraphim und die Geister der Himmelskörper wurden Theologie hat diese im Neuen Testament festgehaltene und mit neuem religiösen Gehalte erfüllte Engellehre jahrhundertelang ohne weitere Fortbildung weiter gepflanzt. Nur über die Zeit, in welcher die E. geschaffen, und über die Frage, ob sie rein geistige Wesen oder mit einem Lichtkörper bekleidet seien, finden sich in der alten Kirche gelegentliche Verhandlungen, wogegen die mystischen Speku. lationen des Dionysius Areopagita (in seiner Hierarchia coelestiso) dem herrschenden Bewußtsein ebenso fremd blieben, wie die Sitte der Engelverehrung auf Grund von Kol. 2, 1s als Götzendienst abgewiesen wurde (so noch auf einem Konzil zu Laddicea im 4. Jahrh.). Aber mit dem Bilder⸗ und Heiligendienste kam allmählich auch die Anrufung der E. immer allgemeiner in Aufnahme und wurde auf dem zweiten Konzil zu Nicäg (787) kirchlich n. Die mittelalterliche Scholastik, deren estimmungen von der luth. Dogmatik mit einigen Einschränkungen reproduziert wurden, benutzte die biblischen Andeutungen eines Engelfalls, um einen vollständigen Prolog im Himmel zu der Urgeschichte und dem Falle der ersten Menschen zu entwickeln. Man handelte dabei von der Natur, dem Zustande und den Geschäften der E. Sie werden als reine, aber erschaffene und endliche Geister, als unvergänglich, unsichtbar und unräumlich beschrieben, obwohl sie sichtbar werden können und immer irgendwo sind, wenn auch ohne durch die Schranken des Raums an ihren Trot srer roßen Bewegungen gehindert zu sein. Trotz ihrer hohen geistigen und sittlichen Wolltommenheit konnten sie fallen wie die Menschen, wenngleich ihre Sünde eine rein geistige war. Die der Versuchung widerstanden, sind unwandelbar im Guten befestigt worden (agute E.v), die Gefallenen sind samt ihrem Obersten, dem Teufel, ewig verdammt. Der guten E. bedient sich Gott zu allerlei Diensten, besonders zum Schutze seiner Kirche und der Gläubigen. Während die Reformation nur die Engelverehrung als abgöttisch wieder beseitigt hatte, ist das moderne Bewußtsein mit der Vorstellung endlicher Persönlichkeiten, welche doch rein geistig, und höherer Wesen, welche doch nur zum Dienst der Menschen da sein sollten, immer tiefer zerfallen. Der Rationalismus sah in den E. die auf «bessern Sternen » fortlebenden Seelen tugendhafter Verstorbener, welche mit ihren zurückgelassenen Lieben noch immer in geheimnisvoller Verbindung stünden; der Supernaturalismus Wesen höherer Art, welche als Bewohner vollkommener Himmelskörper auf die menschlichen Geschicke einen nicht näher zu bestimmenden, aber noch weniger zu leugnenden Einfluß haben. Indessen ist durch diese Modernisierung der Engelglaube zu etwas von Grund aus anderm geworden, als er Ben Vorderwar. Der religiöse Gehalt der biblischen Vorstellung ist die konkret lebendige Anschauung der göttlichen Offenbarungsthätigkeit und Vorsehung, daher die neuere Theologie in den E. nur eine poetische Personifikation der im natürlichen wie im geistigen Leben wirksamen schöpferischen Kräfte, die in ihrer Vereinzelung aufgefaßten Erscheinungsforwen der das All durchwaltenden 1eerion Geistesmacht sieht, dagegen die Annahme persönlicher, andern Himmelskörpern angehöriger Wesen der wissenschaftlichen Hypothese, die Ausmalung eines wirklichen Einflusses dieser 4Geistero oder verklärter Verstorbener auf das menschliche Schicksal der frommen Phantasie anheimgibt. Die neueste Orthodoxie 30 auch hier die altkirchlichen Vorstellungen mögichst restauriert. Eugel (Ernst), ausgezeichneter Statistiker, geb. 26. März 1821 zu Dresden, besuchte die Schulen daselbst, widmete sich dann 1842 — 45 zu Treiberg dem Bergwesen und durchreiste 1846 — 48 Deutschland, Belgien und Frankreich. Nachdem er hierzuf seit 1848 als Sekretär bei der damals bestehenden Kommission für Erörterung der Gewerbs⸗ und Arbeiterverhältnisse im Königreich Sachsen, seit 1849 als Vorstand derselben, thätig gewesen, sandte hn das Ministerium des Innern 1850 nach Leipig, um daselbst die allgemeine deutsche Industriezusstellung zu organisieren. Noch in demselben Jahre trat er als Vorstand des zu errichtenden Statistischen Bureau in der Eigenschaft eines Ministerialsekretärs in den wirklichen Staatsdienst in, wurde 1854 zum Referendar und 1857 zum Hegierungsrat ernannt, legte aber 1858 infolge don Angriffen, die seine amtliche statist. Thätigkeit n der Ersten Ständekammer erfuhr, seine Stelle nieder und begründete zu Dresden eine Hypothekenhersicherungsgesellschaft, welchen Zweig des Vericherungswesens er überhaupt erst ins Leben rief. nach Dietericis Tode zum Direktor des Statistischen Bureau mit dem Range eines Geh. Regierungsrats nach Berlin berufen, entfaltete E. seit 1. April 1860 in dieser Stellung eine tief eingreifende und von ganz Europa anerkannte Wirksamkeit und wurde 1863 (unmittelbar nach dem vorzugsweise durch seine Bemühungen glänzend verlaufenen internationalen statist. Kongreß zu Berlin) zum Geh. Oberregierungsrat ernannt. Wegen seines Festhaltens an den Grundsätzen der freiheitlichen wirtschaftlichen Entwickelung und seiner Bekämpfung des Staatssozialismus, sowie aus Gesundheitsrücksichten nahm E. 1882 seinen Abschied und zog sich in die Nähe von Dresden zurück. E. ist der anerkannt scharfsinnigste und geistvollste deutsche Statistiker. Unter seiner Direktion hat das preuß. Statistische Bureau sofort mit den mannigfachsten und umfangreichsten und für die Theorie wie für die Praxis der Statistik bahnbrechenden Veröffentlichungen begonnen, um einerseits zur Gewinnung einer gründlichen Einsicht in die vorhandenen staatlichen und gesellschaftlichen Zustände beizutragen, andererseits um dem allgemeinen Streben nach Entwickelung der volkswirtschaftlichen Kräfte und materiellen Hilfsquellen, sowie nach Vervollkommnung der bestehenden Einrichtungen eine gehörige Unterlage und richtige Ausgangspuntte zu geben. So erschienen unter E.s Leitung außer den Mitteilungen im «Staatsanzeigerd (z. B. über die Getreidepreise, Sparkassen, Ernteergebnisse u. dgl.) die Zeitschrift des Statistischen Bureau» (seit Okt. 1860), das Jahrbuch für die amtliche Statistik des preuß. Staats v (seit 1863) und die umfangreiche Preuß. Statistiko (in zwan leben Abteilungen, seit 1861). Von C.s eigenen Arbeiten für die erwähnte «Zeitschrift v erschienen in der gleichfalls von ihm gegründeten Verlagshandlung des königl. preuß. Statistischen Bureau in besondern Abdrücken: «Die Methoden der Volkszählung (1861), «Land und Leute des preuß. Staats » (1863), «Die Beschlüsse des internationalen statist. Kongresses in seiner fünften Sitzungsperioden (1864), 4Beiträge zur Statistik des Unterrichtswesens im preuß. Staatey (1870), „Die Reform der Gewerbestatistik im Deutschen Reiche und in den übrigen Staaten von Europa und Nordamerika (1872), «Die Verluste der deutschen Armeen an Offizieren und Mannschaften im Kriege gegen Frankreich 1870 und 1871 (1872), „Der Preis der Arbeit im preuß. Staatsdienste v und «bei den deutschen Eisenbahnen» (1874 und 1876), Die moderne Wohnungsnote (1874), «Die erwerbthätigen jurist. Personen» (1875), «Die Aufgaben des Zählwerks im J. 1880 (1879), „Das Zeitalter des Dampfes» (1880), «Die tötlichen und nicht tötlichen Verunglückungen in Preußen seit 18695 (1881), „Das Rechnungsbuch der Hausfrau» (1881). Eine weithin anerkannte und ersprießlich wirkende Schöpfung E.s ist auch das Statistische Seminar zu Berlin.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 132Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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