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ErdkundeBrockhaus 1882

Enger, Stadt in der preuß. Provinz Westfalen, Regierungsbezirk Minden, Kreis und Amtsgerichtsbezirk Herford, Landgerichtsbezirk Bielefeld, 8 kKm im WNW. von Herford, in der hügeligen Ebene zwischen dem Teutoburgerwalde und dem Wesergebirge, ist Sitz eines Amts und zählt 19⁵7 meist evang. CE. in 220 Häusern (die Bauernschaft Wester-Enger, 3 km westlich, mit 350 E., welche Acker⸗(Weizen, Roggen) und Leinbau, Viehzucht, Garnspinnerei, Leinweberei, Wurstfabrikation, Cigarrenfabrikation, Garnhandel und Versand von Schinken betreiben. — Der Ort war einst Residenz Wittekinds, des Sachsenherzogs, dessen Gebeine in der 903 gegründeten, im 12. Jahrh. erbauten, später stark umgestalteten Stiftskirche in einem zierlichen got. Altaraufsatze ruhen; ein Sarkophag mit steinernem Standbildaus dem 12. Jahrh. und Inschrift wurde von Kaiser Karl IV. 1377 errichtet, aber im 17. Jahrh. stark verändert. Eugerling, die Larve des Maikäfers (s. d.), braucht zu seiner Entwickelung in den meisten Gegenden Deutschlands vier, in andern bloß drei Jahre, sodaß in diesem Falle jedes dritte, in jenem jedes vierte Jahr ein Flugjahr ist, welches letztere oft mit dem Schaltjahre zusammenfällt. So lange, die kurze Puppenruhe ausgenommen, bereitet der C. durch Benagen der Wurzeln unzähligen Kulturgewächsen den Untergang, bis endlich der Maikäfer selbst in der Flugzeit das Werk der Zerstörung durch Entlaubung der Obst⸗, Park⸗ und Waldbäume fortsetzt. Von den zahlreichen zur Bekämpfung des Maikäfers und des E. vorgeschlagenen Mitteln haben nur wenige praktischen Wert. Als solche sind zu bezeichnen: Hegung der Feinde des Käfers (Eulen, Fledermäuse und Staare) und des E. (Maulwurf, Krähe, Wiedehopf); Aufsammlung der E. hinter Pflug und Spaten; Aussetzung von Fangpflanzen zwischen Kulturgewächse. Als solche empfiehlt sich vorallen andern der Gartensalat, den der E. zu bevorzugen scheint. Wenn eine dieser Fangpflanzen rasch zu welken beginnt, so darf man Überzeugt sein, daß E. die Wurzeln benagen, und dann sich durch Ausheben der Salatstaude mittels einer Handschäufel der Fresser bemächtigen. Ferner empfiehlt u bei Beginn der Flugzeit ein für größere Landstriche rechtzeitig organisierter und konseguent durchgeführter massenhafter Fang der Käfer in der Morgenfrühe, wenn sie von der Nachtkühle erstarrt leicht von den Bäumen geschüttelt und gesammelt werden können. Am wirksamsten aber treten ungünstige Witterungsverhältnisse während der Begattungszeit dem überhandnehmen des Maikäfers entgegen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 140Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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