Enghien (Ludw. Ant. Heinr. von Bourbon, Herzog von), der einzige Sohn des Prinzen Heinrich Ludwig Joseph von Condé (s. d.), geb. zu Chantilly 2. Aug. 1772, war der Zögling des Abbeé Millot. Schon 1789 verließ er Frankreich, trat 1792 in das Emigrantenkorps, das sein Großvater, der Prinz Condé, am Rhein gesammelt hatte, und kommandierte 1796—99 die Avantgarde desselben. Aus Zuneigung zur Prinzessin Charlotte von Rohan-Rochefort ging er 1801 nach Ettenheim im Badischen, vermählte sich heimlich mit ihr und lebte daselbst als Privatmann. Der Erste Konsul Bonaparte hatte um 1804 in den Bekenntnissen eines gewissen Querelle, sowie in dem vom Gewürzkrämer Philipp ausgelieferten Briefwechsel Michauds und Marguerites mit den königl. Prinzen einige Andeutungen gefunden, daß letztere einen Plan entworfen, sich des franz. Throns zu bemächtigen, daß Pichegru, die Herzöge von Polignac u. a. an der Spitze der Unternehmung ständen und daß England sie unterstütze. Durch einen Spion ward überdies dem Staatsrate Réal, der die Untersalshe dieser Verschwörung zu führen hatte, die falsche Nachricht mitgeteilt, daß E. in Begleitung des Generals Dumouriez öfters geheime Reisen mache. Bonaparte glaubte nun sich des Herzogs bemächtigen zu müssen, aus dessen Papieren er näheres Licht zu erhalten hoffte. Daß er mit der Verletzung des deutschen Bodens sich eines Bruchs des Völkerrechts schuldig machte, kümmerte i hn nicht. Der General Ordener ward nach Straßburg geschickt und ließ von hier aus 14. März durch Gendarmen die Lage des Hauses, welches der Herzog in Ettenheim bewohnte, auskundschaften, in der darauf folgenden Nacht dasselbe durch 3—400 Mann umringen und den Herzog mit acht Begleitern nach Straßburg entführen. Am Morgen des 18. wurde die Reise mit dem Herzog nach Paris fortgesetzt. Als man 20. März gegen Abend vor den Thoren der Hauptstadt ankam, fand man den Befehl vor, den Gefangenen nach Vincennes zu bringen, wo er nach einem Konsularbeschluß, dem 7 Cambacérès anfangs widersetzte, durch eine ilitärkommission gerichtet werden sollte. Präsident der Kommission, die sich am Abend des 20. zu Vincennes versammelte, war der General Hullin; neben ihm machte 19 vor allem Savary (s. d.) zum Mitschuldigen der Mordthat. Anfangs unschlüssig, fällte das Kriegsgericht um 4 Uhr morgens das Todesurteil, weil E. eingestand, daß er die Waffen gegen Frankreich getragen habe, und daß er von England monatlich 150 Guineen bekomme; während er doch den Verdacht der Teilnahme an der Verschwörung George Cadoudals (s. d.), der seine Verhaftung bewirkt hatte, völlig entkräftigte. Schon eine halbe Stunde darauf ließ Savary das Urteil im Graben des Schlosses durch Gendarmes d'élite vollziehen. Nach der Angabe Fleurys de Chaboulon, des Kabinettssekretärs Napoleons, war letzterer, zumal da seine Gemahlin und ihre Tochter Hortense, auch Cambacereés und Berthier die dringendsten Vorstellungen über die Nutzlosigkeit der Verurteilung E.s machten, noch schwankend, als schon die Todesnachricht ankam. In der That konnte er auch ein so schnelles Verfahren nicht erwarten, da er Real befohlen hatte, den Herzog zu verhören. In seinen Mémoireso beschuldigte Napoleon Talleyrand, daß er ihm den Brief E.s erst nach der Brier desch gegeben habe; allein C. hat keinen Brief geschrieben. Savarys Schrift Sur la catastrophe de M. le Duc d'Enghien (Pax. 1823) warf auf Talleyrand den Verdacht der Teilnahme; doch dieser wußte sich bei Ludwig XVIII. zu rechtfertigen. Dupin hat die Aktenstücke bekannt gemacht und das Gesetzwidrige in dem Verfahren der von Murat ernannten il Hunin Kidit aufgedeckt, was auch der General Hullin selbst Wdie Bolleeh nach dessen Behauptung die Schuld, die ollziehung des Urteils beschleunigt zu haben, ganz auf Savary fällt. Nach der Restauration wurden die Gebeine des Herzogs aufgesucht und in der Kapelle des Schlosses zu Vincennes beigesetzt. Vgl. Der Neue Pitavalo (2. Aufl., Bd. 11, Lpz. 1859).