Englische Komödianten, Di. agen von wandernden Schauspielertruppen, die gegen den Ausgang des 16. Jahrh. von England nach Deutschland kamen und hier einen sehr wesentlichen Einfluß auf theatralischen Geschmack, Schauspielkunst und dramatische Dichtung gewannen. Diesen Typen waren bereits in der Mitte des 16. Jahrh. englische Musikanten, Instrumentisten genannt, vorausgegangen, ja schon auf dem Konzil zu Konstanz (1417) Rahrt. englische Darsteller biblische Scenen aufgeführt. Das Spiel der engl. Komödianten war grell, leidenschaftlich bewegt und derb, ihre Komödien und Tragödien voll blutiger Greuel und Roheit, voll schmutziger Possen und Zoten. Aber gerade die Derbheit ihrer Mittel, bei Routine und Fertigkeit ihrer Darstellungen gegenüber dem, was man vorher von darstellerischen Leistungen in Deutschland gesehen, erklärt das Gefallen, das sie fanden. Von ihnen Heht die berufsmäßige Schauspielkunst und das Bandenwesen in Deutschland aus, und auch als keine Engländer mehr bei den Gesellschaften waren, nannten sich diese, um ihre Anziehungskraft zu erhöhen, engl. Komödianten. Der Umstand, daß die engl. Komödianten über die Niederlande nach Deutschland kamen, führte auch zu der Bezeichnung niederländ. Komödianten oder Niederländer schlechtweg. Von ihren Komödien und Tragödien existieren mehrere Sammlungen, das Wesentlichste davon findet sich in den «Schauspielen der engl. Komödianten v, herausg. von Tittmann (Lpz. 1880). Eunglische Krankheit (Rhachitis (vom grch. 5νσ, der Rücken], frz. Ia chartre, engl. the riekets), auch agentümuchr genannt, ist eine dem Kindesalter eigentümliche Erweichung und dadurch bewirkte Biegsamkeit des gesamten Knochen-Mirunst⸗ welche nicht selten mannigfache dauernde erunstaltungen des r e zur Folge hat. Sie tritt meist nach dem Hervorbrechen der ersten Zähne, weniger in den zunächst darauf folgenden Jahren, noch seltener im spätern Kindesalter, und nach vollendeter Entwickelung gar nicht mehr auf. Wenigstens ist die Knochenerweichung der Erwachsenen (besonders bei Frauen vorkommend) der mehrere wichtige Umstände von der der Kinder sehr wesentlich verschieden. (S. Osteomalacie.) Ihrem Wesen nach besteht die Englische Krankheit in einer eigentümlichen krankhaften Störung des Knochenwachstums, durch welche die weichen, zur Bildung des bleibenden Knochens bestimmten Gewebe infolge ungenügender Kalkzufuhr abnorm weich bleiben, sodaß Anschwellungen, Verbiegungen und Verkrümmungen an den verschiedensten Knochen des Körpers entstehen. Der Verlauf der Rhachitis ist gewöhnlich folgender!: Den Anfang machen Unregelmäßigkeiten in der Verdauung, insbesondere chronische Darmkatarrhe mit grünlichen dünnen Stuhlentleerungen, unruhigem Schlaf und Abmagerung; häufig geben die Kinder auch Zeichen von Schmerz von sich, wenn sie ihre Glieder freiwillig bewegen oder von ihrer Umgebung berührt werden. Hierauf beginnen die Gelenkenden der Knochen anzuschwellen, besonders die des Vorderarms, des Unterschenkels und der Rippen; daher die Knöchel an Fuß und Hand, wie durch ein umgeschnürtes Band abgebunden, ober- und unterhalb des Gelenks hervorragen (Doppelglieder, Zweiwuchs). Allmählich werden dann die übrigen Teile weich und durch die Muskeln, denen sie in diesem Zustande keinen Stützpunkt mehr bieten können, sowie durch die Schwere des Körpers krumm gebogen; insbesondere kommt es leicht zu Verkrümmungen und Verbildungen der Brust, der Wirbelsäule und des Beckens, welche häufig die schwersten ben. 2 r das ganze übrige Leben nach sich ziehen. Infolge der abnormen Weichheit der Rippen und Rippenknorpel vermag der Brustkorb dem äußern Luftdruck bei der inspiratorischen Erweiterung des Brustkastens nicht gehörig Widerstand zu i und es entsteht so eine eigentümliche Verunstaltung desselben (Jog. Brustbeins und Einsinken der Rippenknorpel kundgibt und oft noch in spätern Jahren zur Entstehung von Lungenkrankheiten Veranlassung geben kann ebenso vermag die rhachitische Verunstaltung des knöchernen Beckens, durch welche dessen Durchmesser beträchtlich verkürzt wird (sog, rhachitisches Becken), beim weiblichen Geschlecht no nach Jahrzehnten für die Trägerin verhängnisvo zu werden, indem es ein schweres alen die ahne nis abgeben kann. Gleichzeitig erkranken die ähne, werden schlecht, fallen aus und ersetzen sich nur langsam wieder. Am Schädel bleiben die Fontanellen lange offen und der wint f ist häufig so weich, daß er beim Liegen des Kindes eingedrückt werden und durch Druck auf das Gehirn Krämpfe oder Schlafsucht und Betäubung erzeugen kann (sog. weicher Hinterkopf, Schädelschwund oder Craniotabes). Die Englische Krankheit hat gewöhnlich eine Dauer von zwei bis drei Rearsch Geht die Krankheit in Genesung über, so pflegt sich dies zuerst durch die Abnahme der oft außerordentlich gęroßen Magerkeit zu verraten. Die schlotternde Haut wird durch die Glieder wieder ausgefüllt, das runzelige und alte Gesicht geglättet, während der aufgetriebene Leib an Umfang verliert. Allmählich fangen die Kinder an, sich im Bett aufrecht zu setzen und sich mit Spielen zu beschäftigen; aber genau zu dieser Zeit ist große Gefahr vorhanden, daß sich bei ihnen Verbiegungen und dauernde Verkrümmungen der Wirbelsäule entwickeln. Ebenso kommen gerade in der beginnenden Rekonvalescenz, wenn die Kinder zu früh das Bett verlassen und sich an den Möbeln festhaltend im Zimmer herumzulaufen versuchen, am häufigsten Verbiegungen und Einknickungen der Extremitäten zu Stande, weshalb sie gerade zu dieser Zeit verdoppelter Aufsicht und Überwachung bedürfen. Das Entstehen der Rhachitis wird durch Erblichkeit, durch anhaltende Einwirkung einer naßkalten, feuchten, nebeligen Witterung oder ungesunder Wohnungen, vor allem aber durch unzweckmäßige Ernährung begünstigt, weshalb vorwiegend gerade künstlich aufgezogene und aufgepäppelte Kinder von ihr befallen werden. Man findet sie hauptsächlich in nördl. Ländern mit feuchter Atmosphäre, z. B. in England, Holland und Nordfrankreich; gegen den Süden zu wird sie seltener; in den Tropenländern verschwindet sie ganz. Die Heilung ist vorzüglich von zweckmäßigerer Lebensart und Ernährung (kräftige Fleischbrühen, Eier, fein zerteiltes, leicht durchgebratenes Fleisch, kleine Mengen von Portwein und Tokayer), sowie von Verdauung und Blutmischung verbessernden Mitteln (Kalk⸗ und Magnesiapräparaten, Stahlmitteln, Leberthran), stärkenden Bädern, gesunder Luft, Aufenthalt an sonnigen, trockenen Orten und von dem fortschreitenden Alter zu erwarten, gelingt jedoch selten so, daß keine Spuren der Krankheit 6 krumme Beine, verbildete Brust, krummer Rücken) zurückbleiben. Individuen, welche in ihrer Jugend an intensiver und ausgebreiteter Rhachitis litten, bleiben gewöhnlich auffallend, zuweilen bis zum Zwerghaften, klein und bieten zuweilen dadurch, daß ihr im Verhältnis zu dem verkümmerten Körper unförmlich großer Schädel ein kleines Gesicht überragt, eine auffallende und häßliche Entstellung dar. Gegen stärkere Verkrümmungen werden geeignete Stützapparate und orthopädische Kuren, bisweilen selbst operative Eingriffe erforderlich. Die Krankheit war übrigens schon im Altertum bekannt, wie eine antike, entschieden rhachitische Büste des Asop bezeugt, hat aber erst im 17. Jahrh. bei ihrer allgemeinen Verbreitung in England die Aufmerksamkeit der Arzte erregt. Vgl. Stiebel, cKickets, Rhachitis oder Rachitiso (Erlangen 1863); Ritter von Rittershain, «Die Pathologie und Therapie der Rhachitiso(Berl. 1863),; Rehn, «Rhachitis o (in Gerhardts Handbuch der Kinderkrankheiteno, Bd. 3, Tüb. 1878).