FeedFahrende
Sport & SpielBrockhaus 1882

Fahrende Leute erschennen bereits im frühesten Mittelalter, zum Teil hervorgegangen aus den röm. Gauklern und Mimen, die sich über die Zeit der röm. Herrschaft hinaus in den german. Ländern erhielten, besonders aber im südl. Frankreich ihr Wesen trieben, mit allerlei Künsten, Tänzen, Seiltänzerstückchen, pantomimischen Aufführungen und Spielen mit abgerichteten Tieren. Sie zogen einzeln oder in Banden herum, bald vermehrt durch gleichartige einheimische und Vagaunden. Die einheimischen wirklichen Volkssänger und Harfenspieler behaupteten sich lange Zeit neben ihnen in einer höhern achtbarern Stellung. Ganz besonders übten die fahrenden Leute die Instrumentalmusik mit Harfen, Fiedeln und allerlei Blasinstrumenten, und führten Puppenspiele auf; später verbanden sich mit ihnen auch fahrende Schüler und liederliche Kleriker, und eben durch diese besonders erhielten sie Veranlassung, Dichtungen, Sagen und Mären, Schwänke und Schauspiele volkstümlicher Art durch die untern und mittlern Volksschichten, nicht selten sogar an Höfen zu verbreiten. Im ganzen indessen blieben sie auf niederer Stufe, der bei weitem größte Teil derselben war tief verachtet, und diese Geringschätzung ward auch von den Gesetzen ausgesprochen. Der Schwabenspiegel enterbte den Sohn, der gegen seines Vaters Willen S ielmann wurde; die Stadtrechte verweigerten R den Zutritt; die Kirche behandelte sie wie Abgefallene; das lange Haar, der Schmuck des freien Mannes, war ihnen gleich den Knechten versagt und sie hatten kein Recht und keine Forderung an Buße. Solche Strenge gab Veranlassung, daß die aus der Gesellschaft Gestoßenen sich zum Teil unter eigentümlicher, ergötzlicher Form abzuschließen und . schützen suchten. So entstanden das Königtum er fahrenden Leute im Elsaße, das Pfeifferrecht zu Rappoltsteino, das «Königtum der Kesselflicker in der Schweizvo u. dgl. m. Dieselandfahrenden Spielleute, Gaukler, Taschenspieler, Quacksalber, Bärenführer, Geisterbanner u. s. w. der frühern Zeiten haben einen Nachklang noch jetzt in den herumziehenden Komödianten, Kunstreitern und Orgelspielern.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 526Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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