Epee (Charles Michel, Abbé deel'), einer der Begründer des franz. Taubstummenunterrichts, geb. 25. Nov. 1712 zu Versailles, widmete sich dem geistlichen Stande, wurde aber, da er das in Bezug auf die Jansenistischen Streitigkeiten eingeführte Formular nicht unterzeichnete, vom geistlichen Amte ausgeschlossen. Als er später doch durch des Prälaten Bossuet Einfluß Prediger und Kanonikus zu Troyes wurde, entsetzte ihn der Erzbischof von Paris, de Beaumont, dieser Stelle wieder. Er lebte nun zurückgezogen in Paris, wo er um 1765 Veranlassung fand, sich mit dem Unterricht zweier taubstumm geborenen Schwestern zu beschäftigen. Ohne etwas von frühern Versuchen, Taubstumme zu bilden, zu wissen, erzielte er mit Hilfe der Gebärdensprache und eines von ihm erfundenen Fingeralphabets so glückliche Erfolge, daß er sich entschloß, diesen Bemühungen sein ganzes Leben zu widmen. Etwa im J. 1770 gründete er auf seine Kosten (seine Eltern hatten ihm eine Rente von 12000 Livres hinterlassen) in Paris die erste Taubstummenanstalt und widmete sich seinen Zöglingen mit der hingebendsten Liebe. Er hielt Gebärden- und Schriftsprache für vollständig ausreichend, den Taubstummen zu den höchsten Stufen der Wissenschaft zu führen. Sein hierauf begründetes Unterrichtsverfahren fand unter dem Namen Französische Methode außer in Frankreich in vielen Ländern Eingang. Für die Gegenwart hat sie nur histor. Interesse, da jetzt überall die von E.s Zeitgenossen Samuel Heinicke (s. d.) begründete Deutsche Methoder zur Geltung gekommen ist. Selbst der in Paris 28. Sept. 1878 tagende internationale Taubstummenlehrerkongreß erklärte, «daß, obgleich die natürliche Zeichensprache als erstes Verständigungsmittel zwischen Lehrer und Schüler gestattet werden kann, die Artikulationsmethode vor der Zeichensprache den unbestrittenen Vorzug verdiente. Viele Unannehmlichkeiten entstanden dem Abbé aus seinen Streitigkeiten mit Samuel Heinicke und aus einem Prozeß, den er im Interesse eines seiner Zöglinge führen 3u müssen glaubte. Es war dies ein taubstummer Jüngling, den man 1773 auf der Straße von Peronne hilflos gefunden hatte. E. meinte in ihm den ausgestoßenen Erben der reichen gräfl. Familie Solar zu entdecken, und forderte dessen Recht zurück. Derselbe wurde auch 1781 als Graf Solar anerkannt; aber bei nochmaliger sorgfältiger Revidierung des Prozesses nach dem Tode Cos wurde 1792 das Urteil umgestoßen, wodurch der junge Mann, seiner Ansprüche für verlustig erklärt, im tiefsten Elend verkam. Bouilly benutzte diesen Stoff zu seinem Schauspiele Labbé de 1Epéeso, welches Kotzebue unter dem Titel Der Taubstummer für die deutsche Bühne bearbeitete. Trotz aller Anerkennungen für sein menschenfreundliches Wirken, erlangte E. erst 1785 von Ludwig XVI. für seine Anstalt eine Unterstützung von 3100 Livres. Sein Lieblingswunsch aber, die Anerkennung seiner Taubstummenanstalt als Nationalinstitut, kam erst nach seinem Tode, der 23. Dez. 1789 erfolgte, unter seinem Nachfolger Abbe Sicard 1791 zur Ausführung. E. schrieb eine «Institution des sourds et muets o (Par. 1774), die später von ihm verbessert unter dem Titel &La véritable manière d'instruire les sourds et muets v (Par. 1780) erschien. E.s Verdienste schildert Bebian in der von der pariser Akademie gekrönten Preisschrift Kloge historique de Charles Michael de 'Epée (Par. 1819). Vgl. weiter Degerando, „De b'éducation de sourds-muets de naissance (Par. 1827) und Neumann, «Die Taubstummenanstalt zu Paris o (Königsb. 1827). In der Kirche St.⸗Roche zu Paris, wo E. begraben liegt, er-N.1 sich ein Monument zu seinem Andenken. Im 1813 wurde ihm zu Versailles ein Denkmal errichtet, und seit 1879 ziert auch seine Statue den Hof der Taubstummenanstalt zu Paris.