Heinicke (Samuel), Begründer des deutschen Taubstummenunterrichts, geb. zu Nautschütz bei Weißenfels 10. April 1727, widmete sich zuerst der Landwirtschaft, entfloh aber im 21. Lebensjahre aus der Heimat und trat in Dresden in die kursürstl. Leibgarde ein. Später ernährte er sich vom Unterrichtgeben. Im J. 1754 oder 1755 wurde ihm zuerst ein taubstummer Knabe zugeführt. H. erzielte mit demselben Resultate, die alle Erwartungen übertrafen, und um sich nun ganz dem Lehrerberufe widmen zu können, bat er um seinen Abschied. Der Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs störte indes seine Pläne. Bei Pirna mit gefangen genommen, wurde er nach Dresden gebracht, floh jedoch bald wieder, zuerst in seine Heimat und von da nach Jena, wo er sich 1757 bei der Universität als Student inskribieren ließ. Von preuß. Werbern verfolgt, ging er im folgenden Jahre nach Hamburg. Insbesondere auf Klopstocks und Cramers Empfehlung kam er 1760 als Hauslehrer und Sekretär zum Grafen Schimmelmann, dessen Haus er erst 1768 verließ, um die Kantorstelle in dem hamburgischen Klosterdorfe Eppendorf zu übernehmen. Hier wurde ihm abermals ein taubstummer Knabe zugeführt, den er zum Staunen aller zum Sprechen brachte. Von allen Seiten rde sei man ihm nun Taubstumme, und bald wurde sein Name so bekannt, daß der Kurfürst von Sachsen sich bewogen fand, ihn in sein Vaterland zurückzurufen. Er ging nach Leipzig und eröffnete daselbst 14. April 1778 die erste Taubstummenanstalt in Deutschland, der er bis zu seinem Tode 30. April 1790 als Direktor vorstand. Auch um das Volksschulwesen hat sich H. große Verdienste erworben. Er war einer der ersten, die dem Schulschlendrian des 18. Jahrh. ener-Ou entgegentraten und namentlich die geisttötende Buchstabiermethode bekämpften. Von seinen Schriften sind zu nennen: „Beobachtungen über Stumme und die menschliche Spraches (Hamb. 1778), aüber die Denkart der Taubstummeno (Lpz. 1780), «über alte und neue Lehrarten » (Lpz. 1783), «Wichtige Entdeckungen und Beiträge zur Seelenlehre und zur menschlichen Spraches (Lpz. 1784), Metaphysik für Schulmeister und Plusmachero (Halle 1787). Vgl. Stötzner, Samuel H. Sein Leben und Wirkend (Lpz. 1870). In Leipzig ist H. von Taubstummenlehrern und dankbaren Taubstummen 1881 ein Denkmal errichtet worden.