FeedEpi. . . oder
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Epi. . . oder (in Zusammensetzungen, wo das Kompositionswort mit einem identet Vokal anfängt) Eph. .., griech. Vorwort, bedeutet auf, über, bei, über etwas hin, gegen (feindlich), zeigt auch eine Wiederholung und Erneuerung an. Epiblema oder Epiblem nennt man in der Botanik die Epidermis der Wurzeln, doch ist dieser Ausdruck nicht sehr gebräuchlich. Da zwischen der Epidermis der oberirdischen Teile und der Wurzeln keine durchgreifenden Unterschiede bestehen, so benutzt man das Wort Epidermis auch für die äußerste Zellschicht der Wurzeln. ö Epicarpium oder Epicarp nennt man in der beschreibenden Botanik den äußern Teil der Fruchthaut. (S. Endocarpium.) Epicedium (Epikedeion, grch.), Klage⸗, Trauerlied, gesungen bei der Ausstellung der Leiche. Epicentrum eines Erdbebens nennt man den Oberflächenmittelpunkt eines Erdbebenerschütterungskreises, also denjenigen Punkt der Erdoberfläche, der sich über dem in der Tiefe liegenden Ausgangspunkte eines centralen Erdbebens befindet. Epicharmus (grch. Epicharmos), berühmter dramatischer Dichter der Griechen und als solcher Repräsentant einer eigenen Gattung der Komödie, der dorisch-sicilischen, wurde im 5. Jahrh. v. Chr. auf der Insel Kos geboren. Er kam frühzeitig mit seinem Vater, der ihn in den Lehren der pythagoreischen Philosophie unterrichtete, nach Megara und ließ sich, spätestens nach der Zerstörung dieser Stadt durch Gelon, in Syrakus nieder, wo er an dem Hofe des Königs Hieron gastliche Aufnahme fand, durch seine Dichtungen außerordentlichen Beifall sich erwarb und im hohen Greisenalter starb. Die sicil. Komödie des E., früher ausgebildet als die attische, ging aus den auf dieser Insel als Volkspoesie einheimischen Mimen hervor, deren unzusammenhängende Bilder und Seenen E. zu rasch verlaufenden, heiter bewegten Stücken, übrigens wohl ohne künstlich geschürzten Knoten und berechneten Plan, zu verbinden wußte. Dabei waren seine Komödien namentlich durch psychol. Menschenkenntnis ebenso sehr wie durch scharfen Witz und lebendigen Dialog ausgezeichnet. Wohl besonders in letzterm Vorzug dienten sie daher auch nach Horaz dem Plautus als Muster, und die griech. Philosophen, selbst Plato, führen häufig in ihren Schriften Sentenzen aus denselben an. Die Bruchstücke des C. sind von Krusemann (Harlem 1834), Lorenz (Leben und Schriften des Koers C.v», Berl. 1864) und Guigniaut (Fragments pour servir à Thistoire de la comédie antiquen, Par. 1863) gesammelt und erläutert worden. Epicherem (grch.) erscheint in der Aristotelischen Logik als der Kunstausdruck für die dialektische Untersuchung, d. h. für diejenigen Schlußfolgerungen, welche als Ausgangspunkte das Endoxon (s. d.), d. h. die allgemeine Meinung, die althergebrachten und dem Sprachschatz zu entnehmenden Vorstellungen voraussetzen und daran logisch korrekte Konsequenzen knüpfen. Er betrachtet das E. als eine vorläufige Untersuchung, die nicht nur als geistige übung zu empfehlen, sondern als Vorbereitung für die wissenschaftliche Betrachtung anzuraten sei: die letztere freilich darf sich nur auf völlig sichere Prinzipien stützen und soll auch der allgemeinen Meinung unabhängig In der spätern Litteratur ist, wie Quintilian berichtet, der Ausdruck Epicherem für verschiedene Arten von Syllogismen angewendet worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 218Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6