FeedEpinal
VerkehrBrockhaus 1882

Epinal, Hauptstadt des franz. Depart. der Vogesen, Station der Zweigbahn Blainville-Port d'Atelier der Französischen Ostbahn, von der hier die Lokalbahn Arches-Laveline-Granges (Volognebahn) abzweigt, in einer anmutigen und gut angebauten, hügeligen oien 5 zu beiden Seiten der klaren, flachen Mosel, in einem engen, aber opographische Lage von Epinal. malerischen Thale, in einer Höhe von 331 m über dem Meere, ist ziemlich gut gebaut, hat eine eiserne Hängebrücke und mehrere steinerne Brücken, darunter eine sehr schöne vom J. 1841, hübsche Quais und Promenaden öffentliche Bäder und zahlreiche Fontänen und wird von den Ruinen eines alten Schlosses auf steilem Felsen überragt, an dessen Fuße die St. Moritzkirche steht. Andere bemerkenswerte Gebäude sind die Präfektur, das Kommunal-College in einem ehemaligen großen Jesuitenkollegium mit schöner Kapelle, das hochgelegene und mit schönen Gärten umgebene Hospital in einem ehemaligen Augustinerkloster, die Kavalleriekaserne und das Departementsgefängnis. E. ist der Sitz der Departementsbehörden, eines Gerichtshofserster Instanz, eines Assisenhofs, eines Arbeiterschiedsgerichts und einer militärischen Subdivision. Cs bestehen hier ein Gewerberat, eine Ackerbaukammier und eine Ackerbaugesellschaft, eine öffentlich e Bibliothek von 25000 Bänden, ein Gemälde⸗, Antiquitäten⸗ und Naturalienkabinett, eine Musik⸗, Zeichen- und andere Schulen, ein Theater u. s. w. Die S 76013827, als Gemeinde 14894 E., Stadt zählt (1876) 1382, ö hat Leinwand⸗, Baumwollwaren⸗-, Tapetenfabriken; ferner Eisengießerei, Anfertigung von Kupferstichen und berühmten Bildern (imagerie d'E.) und sehr wichtige Mehlfabriken. Außerdem treibt man Handel mit Pferden, Getreide, Wein, Brettern, Ziegeln, Zwirn, Stickereien und Papier. Letzteres wird teils in den eigenen, teils in den zahlreichen Fabriken der Umgegend produziert, namentlich in den berühmten Papiermühlen des 10 km südöstlich an der Mosel gelegenen Dorfes Archettes. E.s Geschichte beginnt um 980 mit der Gründung der Abtei Spina! (Spinale) durch Theodorich, Bischof von Metz. Die Bischöfe behaupteten die Souveränetät über die Stadt bis 1444, wo sich die Einwohner deren Herrschaft entzogen und sichan König Karl VII. ergaben, der E. mit der Krone vereinigte. Aber schon 1466 kam die Stadt an das herzogl. Haus Lothringen, welches 1659 im Pyrenäischen Frieden und 1661 im Vertrage zu Vincennes in deren Besitz bestätigt wurde. Sie führte lange Zeit den Titel eines Herzogtums und bildete bis 1790, wo sie, nachdem sie 1766 wiederum mit Lothringen an Frankreich gefallen war, Hauptstadt des Vogesen-Departements wurde, ein eigenes Amt mit 21 Gemeinden. E. wurde 1814 von den Württembergern besetzt. Im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 wurde es 12. Okt. nach kurzem Gefecht von Truppen des 14. Armeekorps besetzt und war dann bis zum 15.Okt. das Hauptquartier des Generals von Werder.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 229Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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