FeedEpitaphium
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Epitaphium oder Epitaph (grch.) bezeichnet vereinzelt im spätlateinischen, als gewöhnlicher Ausdruck im neulat. und modernen Sprachgebrauch eine Grabschrift und sodann auch ein mit einer solchen versehenes, auf einer Grabstätte errichtetes Denkmal. Insbesondere hieß bei den Griechen Epitaphios (zu ergänzen 367e, Rede) oder Epitaph die feierliche Trauer-oder Leichenrede, die etwa seit den Zeiten der Perserkriegez zum Ruhm der im Kampfe für das Vaterland Gefallenen von einem gewöhnlich von Staats wegen dazu aufgeforderten Redner gehalten ward. Diese feierlichen Leichenreden wurden bald zu einer eigenen Gattung der Beredsamkeit ausgebildet, die während der Blütezeit des hellenischen Lebens fast von allen berühmten Rednern geübt und später von allen Lehrern der Beredsamkeit erslegt ward. Berühmt ist der Epitaph des Perikles, welchen Thucydides in seinem Geschichtswerke wiedergibt. Außer diesem Meisterwerke, von dem wenigstens eine freie Nachbildung auf uns gekommen, ist nur eine einzige von Staats wegen wirklich gehaltene Rede, und auch diese nicht vollständig, erhalten, der Epitaphios des Hyperides (s. d.). Der unter Lysias' Reden überlieferte ist wahrscheinlich nicht von diesem verfaßt, jedenfalls nicht wirklich gehalten; der unter Demosthenes' Reden überlieferte ist sicher unecht, ebenso wie der in Platons Menexenoso dem Sokrates in den Mund gelegte Epitaphios, den dieser von Aspasia gehört haben soll. In späterer Zeit wurden Leichenreden auch zu Ehren solcher Verstorbenen verfaßt, die nicht auf dem Schlachtfelde Ser Leiwaren. Doch ist die eigentliche Heimat solcher Leichenreden nicht Griechenland, sondern Rom, wo seit ältester Zeit siets eine Leichenrede (oratio funebris) zu Ehren aller Verstorbenen von Ansehen gehalten wurde. Vgl. Döring, De laudationibus funebribus apud veteres in seinen Commentationeso (Nürnb. 1839); Weber, aüber Perikles' Standrede im Thucydides » (Darmst. 1827).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 234Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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