FeedErard (Sebastien)
MusikBrockhaus 1882

Erard (Sebastien), hervorragender Musikinstrumentenbauer, geb. 5. April 1752 zu Straßburg als der Sohn eines Tischlers, kam mit 16 Jahren nach Paris, wo er bei einem Klaviermacher in Arbeit trat. Schon 1780 konstruierte er ein Claveein mécanique, welches durch die Vorzüge seines Mechanismus Aufsehen erregte. Sein erstes Pianoforte baute er für die Herzogin von Villeroy, die ihm sogar in ihrem Hotel einen Raum für ein Atelier überließ. Im Verein mit seinem Bruder Jean Baptiste E. gründete er später ein größeres Fabriketablissement, welches bald zur Blüte gelangte. Während der Revolutionswirren lebte er in London, wo er ebenfalls eine Fabrik errichtete, in der neben den Pianofortes au) Harfen gebaut wurden. Diese letztern Instrumente erhielten durch ihn schon um 1796 bedeutende Verbesserungen. Noch viel wichtiger war seine Erfindung der Pedalharfe à double mouvement, die er in London 1811 in ihrer ganzen Vollständigkeit ans Licht treten ließ. Sein Meisterstück von Mechanismus, die doppelte Auslösung, brachte er 1823 zu Stande und stellte ein Instrument mit dieser Erfindung in Paris aus. Die Neuerung bewirkte in der Kunst des Pianofortebaues eine Umwälzung, insofern damit ein neues, von den bisherigen abweichendes Prinzip hervortrat. Seit 1825 gab sich E. auch mit dem Orgelbau ab und führte hier ebenfalls sinnreiche Verbesserungen ein. E. starb bald darauf auf dem von ihm erworbenen, ehemals königl. Jagdschlosse La Muette bei Passy 5. Aug. 1831. Sein Neffe, Pierre C., um 1796 in Paris geboren, wurde von Jugend auf zum Instrumentenfabrikationsgeschäft gebildet. Er kam jung nach London, wo er das Etablissement seines Oheims leitete, hielt sich nach dessen Ableben zur Leitung der Geschäfte abwechselnd in Paris und London auf und starb 18. Aug. 1855 ebenfalls auf dem Schlosse La Muette, nachdem er einige Jahre im Irrsinn zugebracht. Die Eischen Fabriken bestehen fort in ungeschwächtem Glanze.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 242Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Musik 6