Erastus (Thomas), gräzisiert aus Lieber oder Liebler, Theolog, geb. im J. 1524, nach gewöhnlicher Angabe zu Vaden in der Schweiz, sudierte in Basel Theologie, in Bologna und Padua Philosophie und Medizin, ward Leibarzt des Grafen von Henneberg, 1558 des Kurfürsten Otto Heinrich von der Pfalz und zugleich Professor der Medizin zu Heidelberg. Im J. 1580 siedelte er als Professor der Medizin und der Moral nach Basel über, wo er 1. Jan. 1583 starb. Als Naturforscher trat er den alchimist. und den naturphilos. Ans chauungen des Paracelsus entgegen, verteidigte aber selbst die Verbrennung der Hexen. Auch auf die kirchlichen Verhältnisse der Pfalz gewann er bedeutenden Einfluß. Besonders eifrig vertrat er gegen den andringenden Calvinismus Zwinglis Auffassung des Abendmahls und völlige Unterordnung der Kirche unter den Staat. Antitrinitarischer Anschauungen verdächtig, wurde er mehrere Jahre mit dem Bann belegt. Erst nach seinem Tode erschien die Explicatio gravissimae quaestionis, utrum excommunicatio mandato nitatur divino, an excogitata sit ab hominibuso, worin seine Polemik gegen selbständige Kirchengewalt niedergelegt ist. Dadurch wurde E. auch in Großbritannien bekannt, und hier nennt man seit dem 17. Jahrh. bis auf den heutigen Tag Erastianer die 2Anfon derjenigen Richtung, welche die kirchliche Autonomie bekämpft und die Kirche der Staatsgewalt unterwerfen will.