Eratosthönes, einer der größten und vielseitigsten Gelehrten der Alexandrinischen Zeit, der sich selbst den Beinamen des Philologen gab, nicht im jetzigen Sinne, sondern in dem der Liebe zur Wissenschaft überhaupt, geb. 275 v. Chr. zu Cyrene in Afrika, wurde von Ptolemäos Euergetes aus Athen nach Alexandria, wo er früher, namentlich unter Kallimachos studiert hatte, zurückgerufen und war dort viele Jahre Vorsteher der großen Bibliothek. Er starb 194 v. Chr., wie es heißt den freiwilligen Hungertod aus Gram über seine Erblindung. E. war ein feinsinniger Dichter und ausgezeichneter Grammatiker oder Philolog im heutigen Sinne, wobei übrigens seine Thätigkeit mehr den realen Disciplinen als der sprachlichen Seite zugewandt war, zugleich aber auch einer der größten Forscher im Gebiete der sog. exakten Wissenschaften. Er erfand namentlich eine Lösung des Problems der Verdoppelung des Würfels (vgl. den Brief des E. hierüber, übersetzt von Dressel, Wiesb. 1828) und eine Methode, die Primzahlen zu finden (das sog. Sieb des C., grch. 16½, lat. cribrum Eratosthenis genannt, nach dem Titel der Schrift des E. darüber). Auch bestimmte er um 220 v. Chr. an großen Armillen, die unter dem Portikus des Akademiegebäudes in Alexandria aufgestellt waren, die Schiefe der Ckliptik mit ziemlicher Genauigkeit. Große Berühmtheit erlangte aber besonders seine Gradmessung, die erste wirkliche Erdmessung. Er bestimmte zu diesem Zwecke die Zenithdistanz der onne zur Zeit des Sonnensolstitiums im Mittag zu einen Fünfzigstel des Kreises, während sie in Syene Null war; die Entfernung zwischen beiden Orten nahm er zu 5000 Stadien an und fand daher für den Erdumfang 250000 Stadien. Ferner hat E. in drei Büchern TSOνοάορανναν das erste wissenschaftliche System der Geographie aufgestellt, das nach dem Verluste aller Werke des C. besonders durch die Anführungen bei Strabo verhältnismäßig gut bekannt ist. C. gab im 1. Teile eine kritische Geschichte der Geographie, im 2. die mathem. und physik. Geographie, im 3. mit Zugrundelegung einer von ihm entworfenen Karte die polit. und chorographische Erdbeschreibung. Vgl. Wilberg, Die Konstruktion der allgemeinen Karten des E.v (Essen 1834) und „Das Netz der allgemeinen Karten des E. und Ptolemäus» (Essen 1835); Berger, «Die geogr. Fragmente des Hipparcho (Lpz. 1870); Schäfer, «Die astron. Geographie der Griechen bis auf C.»(Flensb. 1873) und Berger, «Die geogr. Fragmente des E. neu gesammelt, geordnet und besprocheno Epz.1880). Wie C. durch jenes Werk der Schöpfer der wissenschaftlichen Geographie ward, so ist er durch seine (XPOνονοαροια der Begründer der wissenschaftlichen Chronologie geworden. Von seinem Werke über die Sternbilder sind die erhaltenen, namentlich von Schaubach (Gött. 1795) und Robert (Berl. 1878) herausgegebenen Catasterismio ein Auszug. In einem vierten großen Werke behandelte E. die alte riech. Komödie. Von diesem wie von dem chronoogischen Werke sind nur Bruchstücke erhalten. Von den Dichtungen des E. erzählte ein Epos Hermesv (Merkur) die Kindheitsgeschichte dieses Gottes und reihte daran eine demselben in den Mund gelegte Beschreibung der Sphärenharmonie und des Himmelsgewölbes, ein anderes enthält in elegischem Versmaße die Sage von Erigone, der Tochter des Ikarius. Die Bruchstücke dieser beiden und einer dritten Dichtung hat Hiller, Eratosthenis carminum reliquiaen (Lpz. 1872), zuletzt herausgegeben. Eine Sammlung der Fragmente aller Schriften veröffentlichte Bernhardy unter dem Titel Eratosthenica (Berl. 1822).