Erdelyi (spr. Er-deelj, Joh.), ungar. Schriftsteller, geb. 1814 zu Kapos im Komitat Ung, studierte im reform. Kollegium zu Sarospatak, von wo er als Erzieher nach Pest kam. Hier trat er sofort als lyrischer Dichter und ästhetisch-kritischer Schriftsteller auf und errang in beiden Eigenschaften solche Anerkennun daß ihn die Akademie schon 1839 zu ihrem Mitglied wählte. Im J. 1841 machte er mit seinem Zögling eine Rath Reise durch den Westen und Süden Europas. Nach seiner Rückkehr gab er seine gesammelten Gedichte (Ofen 1844) und, im Auftrage der Kisfaludy-Gesellschaft, deren Mitglied und Sekretär er war, seine große, Epoche Wachende Sammlung «Ungar. Volkslieder und Sagenv heraus, die erste in ihrer Art (3 Bde., Pest 1846—48). Selbständige Abhandlungen über die ungar. Volksdichtung und die Sammlun Ungar. Sprichwörtery (Pest 1851) folgten. Als Redacteur der von der epirodalai dremsen herausgegebenen Magyar szépirodalmi szemlen (Ungar. belletristische Revues, 1874) erwies sich E. als Kritiker von vielseitiger Bildung, geläutertem Geschmack und solidem, aber zugleich sehr strengem Urteil. Er gab auch Ungar. Volksmärchend (Pest 1855) heraus und unternahm eine umfassende „Allgemeine Littergturges ichter (Pest 1869), von der jedoch nur drei Hefte erschienen. Auch seine (Geschichte der Philosophie in Ungarne blieb Fragment. E. starb 23. Januar 1868 in Särospatak, wohin er als Professor der Philosophie gezogen war, nachdem er 1849, als Journalist kompromittiert, die Hauptstadt zu verlassen genötigt war. Als Lyriker zeichnet sich E. besonders durch volkstümlich-nationalen Ton und korrekte Form aus. Sein Hauptverdienst ist die Sammlung ungar. Volksdichtungen, in der er der Wissenschaft Uberaus wertvolles Material zuführte und auch auf die Entwickelung der Dichtung großen Einfluß übte, denn schon die nächste Epoche derselben gestaltet sich unter der bestimmenden Entwickelung der nationalen Volkspoesie.