FeedGaray (Johann)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Garay (Johann), ungar. Dichter, geb. 10. Okt. 1812 zu Szegszärd im Tolnaer Komitat, studierte seit 1829 in Fünfkirchen und Pest und widmete sich anz der Litteratur. Im J. 1848 wurde er zum Professor der ungar. Sprache und Litteratur an der Universität zu Pest ernannt, verlor aber diese Stelle schon 1849 durch den Umschwung der Verhältnisse. Seit 1850 war er an der Universitätsbibliothek angestellt. Er starb 5. Nov. 1853 zu Pest. Durch das Studium deutscher Meisterwerke gebildet und durch Vörösmartys patriotische Dichtungen angeregt, schrieb er sein Epos in neun Gesängen „Osatärv (Pest 1834), das seinen Namen sofort bekannt machte. Nun folgten rasch nacheinander Dramen, größtenteils histor. Inhalts: Arbocazy (Trauerspiel, Pest 1837),4&0rszägh Illonas ((Helene Orszägh », Trauerspiel, Pest 1837), CBätori Erzsé1840). Bedeutender ist G. als Lyriker, besonders zählen seine Balladen und Romanzen (sein Muster war Uhland) zu den besten und populärsten lyrischepischen Dichtungen der ungar. Litteratur. Dieselben erschienen meist im Regélö (Der Erzählery), den G. 1834—36, und im Hirnöky ((Der Botev), den er 1838—39 redigierte, aber auch in andern Taschenbüchern und Zeitschriften. Er selbst gab folgende Sammlungen seiner Gedichte heraus: 4A2 Arpädoko (& Die Arpadeno), ein Cyklus histor. Balladen und Erzählungen (Pest 1847; 2. Aufl. 1848), (Balatoni Kagylôko (Muscheln vom Plattensee, Pest 1843), Verseiv (Gedichter, Pest 1819) und Ujabb versein (Neuere Gedichtev, Pest 1847). Außerdem: TLollraizoko (Federzeichnungenv, Pest 1846), eine Sammlung seiner prosaischen Erzählungen; Frangepän Kristöfnér (Christ. Frangepans Gattino, preisgekrönte poetische Erzählung, Pest 1846), 4Szent Läszlon (Ladislaus der Heiligep, Epos, Erlau 1850; 2. Aufl., Pest 1853). Auch eine vielbenutzte Sammlung ungar.⸗deutscher Gesprächer hat er veröffentlicht (Pest 1840 und öfter). Eine Gesamtausgabe seiner Dichtungen veranstaltete Fr. Ney (Pest w1854). G.s Leben beschrieb Jos. Ferenczy (Budapest w1883). Eine Auswahl seiner Gedichte in deutscher Übersetzung veröffentlichte K. M. Kertbeny (2. Aufl., Wien 1857). Sein Bruder Alois G., geb. 24. Dez. 1818, seit 1842 Priester, seit 1856 Pfarrer in Kis-Szskely, ist einer der wirksamsten ungar. Volksschriftsteller von entschieden religiös-moralischer Richtung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 533Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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