FeedFay (Andr.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Fay (Andr.), ungar. Dichter und Schriftsteller, geb. 30. Mai 1786 zu Kohäny im Zempliner Komitat, machte seine philos. und jurist. Studien am Särospataker reform. Kollegium und begann seine Advokatenpraxis wie seine amtliche Laufbahn als Stuhlrichter in Pest, mußte jedoch der letztern seiner geschwächten Gesundheit halber bald entsagen, worauf er sich mit Eifer der litterarischen Thätigkeit zuwendete. Auf die Gedichtsammlung Bokrétay (EStraußo, Pest 1808) folgte nach zehnjähriger Pause Fris bokréta (Neuer Strauß», Pest 1818), mit dem er seinen Dichterruhm begründete. Noch ungeteiltern Beifall fanden die durch 1 Da der Erfindung wie durch Ein—⸗ fachheit und Natürlichkeit der Darstellung ausgezeichneten Meséko (Fabelnv, Wien 1820; 2. Aufl. 1824; deutsch von Petz, Wien 1821). Von seinen dramatischen Arbeiten gelangten das Trauerspiel „A két Bätörys (Die beiden Bätöryo, Pest 1827) und mehrere Lustspiele (besonders Die alten Münte oder die Siebenbürger in Ungarn v», 1824, und ie Jagd in der Mätray, 1860) mit Erfolg zur Aufführung. Der soziale Roman A' Bélteky-hazy (Das Haus Beltekyv, 2 Bde., Pest 1832) und die meist in Zeitschriften erschienenen Erzählungen stellten F. in die Reihe der besten ungar. Prosaiker. Namentlich zeichnete er sich durch frischen, gesunden Humor aus, dessen einziger Vertreter er damals in der ungar. Litteratur war. Das bewegte polit. Leben, welches 1825 in Ungarn begann, zog auch F. bald in seinen Kreis, sodaß von nun an seine litterarische Thätigkeit geringer wurde. Bis zum Auftreten Kossuths (1840) war F. im Pester Komitat, das er 1835 auch auf dem Reichstage vertrat, der Wortiubre; der Opposition. Später durch bedeutendere Talente in den Hintergrund gedrängt, blieb er doch einer der thätigsten Vertreter des nationalen und liberalen Elements und wirkte als Mitbegründer des ofener Nationaltheaters, als Schöpfer und Leiter der pester Sparkasse, als Direktor oder Ausschußmitglied des Industrievereins, des Kunstvereins, der Akademie, der Kisfaludy-Gesellschaft u. s. w. mit regem Eifer für den geistigen und materiellen Fortschritt der Nation. Unter den zahlreichen gediegenen Schriften, die er in dieser Hinsicht veröffentlichte, sind namentlich hervorzuheben: «Nönevelés ziehung und ihre Institute in Ungarno», Pest 1840) und (Kelet népe nyngotono (Das Volk des Ostens im Westeno, Pest 1841). Eine Gesamtausgabe seiner belletristischen Werke erschien in acht Bänden (Pest 1843—44). Nach den Ereignissen von 1848 und 1849 schrieb F. noch mehrere humoristische Romanzen und Erzählungen, worunter «Jävor orvos és Bakator Ambrus szolgäja (Der Arzt Javor und sein Diener Ambrosius Bakatorv, 2 Bde., Pest 1855). Er starb 26. Juli 1864. Die pester Sparkasse ehrte sein Andenken, indem sie unter dem Namen «Fäysche Stiftungo 20000 Fl. beschaffte, deren Zinsen jährlich zur Belohnung einer ausgezeichneten enicht belletristischen) litterarischen Arbeit bestimmt sind. F.s (Sämtliche Novellenp erschienen in neuer Ausgabe (3 Bde., Pest 1883). Fay (Charles Alexandre), franz. General, geb. 23. Sept. 1827 zu St.⸗Jean Pied de Port im Depart. Basses-Pyrenées, wurde in den franz. Besitzungen in Indien zu Pondichery erzogen, wo sein „Vater als Kapitän der Marineinfanterie in Garnison stand, besuchte dann zwei Jahre die Militär⸗ „schule von St.⸗Cyr und trat aus dieser 1847 als Lieutenant in den franz. Generalstab, in welchem er zunächst mit Vermessungsarbeiten in den Pyrenäen und später in Algerien beschäftigt wurde. Im J. 1854 begleitete F. den General Bosquet als Adiutant nach dem Orient und nahm am Krimkriege bis zu dessen Schlusse teil; 1864 wurde er Stabsoffizier, bereiste in den In Den 1868 und 1869 im Auftrage seiner Regierung Deutschland und machte sich mit den militärischen Verhältnissen des Norddeutschen Bundes genau bekannt. Am Deutsch-Französischen Kriege nahm er als Oberstlieutenant im Generalstabe des Marschalls Bazaine teil und eriet durch die Kapitulation der Rheinarmee beim all von Metz in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach dem Friedensschlusse wurde F. Oberst und leitete 1874 die Organisation des in Frankreich zum Kriegsministerium gehörigen Großen Generalstabes, wobei er seine frühern Studien in Deutschland geschickt zu verwerten und den franz. Militärverhältnissen anzupassen wußte. F. wurde 1879 zum Brigadegeneral befördert, zum Sous-Chef des Großen Generalstabes ernannt und vielfach mit wichtigen polit. und organisatorischen Aufgaben betraut. Auch litterarisch war F. sehr thätig und schrieb unter anderm im J. 1867: 4Souvenirs de la guerre de Crimées, (Etude sur la guerre en Allemagne en 1866% und Etude sur les opérations en Bohéme en 18665; ferner De la loi militaires (1870), das in vier Auflagen verbreitete, auch ins Deutsche übersetzte Journal d'un officier de Parmée du Rhino (1871) und Projet d'organisation et de mobilisation de l'armée frangaise à propos d'un ordre inédit de mobilisation de l'armée prussiennev (1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 616Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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