Erigena (Johs. Scotus), der hervorragendste Gelehrte des 9. Jahrh. Der Name E. ist verderbt aus Jerugena. Da nämlich Schottland und Werset beide Scotia hießen, nennt er sich in der bersetzung der Schriften des Dionysius Areopagita nicht bloß, wie gewöhnlich, Johannes Scotus, sondern fügt noch hinzu Jerugena, d. h. in Irland geboren. In der Heimat hat er sich vermutlich seine umfassende Gelehrsamkeit angeeignet und die spätere Erzählung von einem Aufenthalt in Griechenland dürfte erfunden sein. Um das 9 843 wurde er von Karl dem Kahlen an dessen Hochschule berufen. Hier wirkte er mehrere auich enea als Lehrer der Theologie und genoß zugleich eine angesehene und einflußreiche Vertrauensstellung am kaiserl. Hofe. Sein Ende ist ungewiß; entweder ist er um 877 in Frankreich gestorben, oder er folgte, in Frankreich wegen ketzerischer Ansichten vom Abendmahl und von der Prädestination angefeindet, einer Einladung Alfreds d. Gr. nach England, 4012 einige Jahre zu Oxford und starb 882 als Abt zu Malmesbury unter den Händen der seiner Wissenschaft mißtrauenden Mönche. E. schrieb Kommentare zu den Schriften des Dionysius Areopagita (s. d.), welche äne seine Übersetzung dem Abendlande zuerst zugänglich und die Grundlage der ganzen mittelalterlichen Mystik wurden. In den dogmatischen Kämpfen seiner Zeit stand er im Abendmahlsstreit auf der Seite des Ratramnus, da er im Sakrament nur ein Andenken an das Leiden Christi und ein Zeichen des allgegenwärtigen Gottes sah, im Prädestinationsstreit auf der Seite Gottschalks, indem er die Einheit der göttlichen Beschlüsse nebst der vollen menschlichen Freiheit verteidigte. Seine eigene Ansicht hat E. in seinem Hauptwerke niedergelegt: KDe divisione mundi.o Auf dem Grunde neuplatonischer Spekulation fortbauend, betrachtet er Theologie und Philosophie als wesentlich identisch, die Welt als eine Offenbarung des allein wahrhaft seienden Gottes nach verschiedenen Stufen der Entwickelung, den Gottmenschen als den Wendepunkt, wo der von Gott ausgehende Prozeß der Weltentwickelung wieder zu ihm zurückkehrt. E. steht so hoch über seiner Zeit, daß erst spätere Jahrhunderte die von ihm ausgehende Bewegung verwerten und zugleich das Ketzerische einiger Lehren erkennen konnten. Honorius III. verordnete 1229, daß sein Hauptwerk überall aufgesucht und verbrannt werde; nachdem es gedruckt, wurde es sofort auf den Inder gesetzt. Es wurde zuerst von Th. Gale (Orf. 1681), später unter anderm herausgegeben von Schlüter (Münst. 1838) und Floß (Par. 1853, als Bd. 122 der Migneschen Sammlung), in deutscher Überetzung von L. Noack (Berl. 1874 in der Kirchmannchen Sammlung). Vgl. Staudenmayer, Jonnes E. und die Wissenschaft seiner Zeite (Frankf. 1834); Taillandier, „Scotus E. et la philosophie scolastiques (Straßb. 1843); Möller, Scotus E.v (Mainz 1844); Christlieb, Leben und Lehre des Scotus E. (Gotha 1860); Huber, 1 E., ein Beitrag zur Geschichte der Philosophie und Theologier (Münch. 1861); Hoffmann, Der Gottes⸗ un 21899. 5 Johannes Scotus E.v (Jena 1876). artenreiche, zur Familie der Kompositen, Abteilung der Corymbiferen, gehörende Pflanzengattung, während die Alten unter jenem griech. Namen das gemeine Kreuzkraut, eigentlich Greiskraut (Senecio vulgaris IL.) verstanden. Sie umfaßt ein⸗ —— und perennierende Kräuter, welche, mit usnahme von Afrika, über die ganze Erde verbreitet, doch vorzugsweise in Amerika und Ostindien zu Hause sind. Sie sind den Astern ähnliche Gewächse mit dachziegelschuppiger Korbhülle, nacktem, grubig punktiertem denchetelten schmalen, zahlreichen, in mehrere Reihen gestellten weiblichen Strahlblüten und zusammengedrückten, ungeschnäbelten Früchtchen, deren Pappus bloß aus einer Reihe scharfer Haare besteht. Die gemeinste europ. Art ist das Beruf⸗ oder Flohkraut (E. acris IL.), ein Siaheges scharfhaariges Kraut mit aufrechtem Stengel, dlnng engegröneten Blättern und kleinen, trugdoldig angeordneten Blütenkörbchen, deren rötlich-lilafarbene Strahlblümchen nach unten umgerollt sind. Diese Pflanze wächst fast überall an trockenen Ackerrainen, auf grasigen, steinigen Hügeln u. s. w. Ihr scharfschmeckendes Kraut war fruher als Herba Conyzae coeruleae offizinell. Eine einjährige, ursprünglich amerik. Art, E. canadensis L., mit rutenförmigem, reihblätterigem, nach oben rispig verzweigtem Stengel und kleinen, traubig angeordneten, gelblichweißen Blütenkörbchen, — chon vor langer Zeit in Europa eingewandert und auf Sandboden ein oft sehr lästiges Unkraut. Mehrere schönblühende Arten haben wegen ihrer Schönheit in den Gärten Aufnahme gefunden. Zu dieser gehören vorzugsweise: E. speciosum mit hellblauen und E. glaballum mitblaßvioletten Strahlenblüten und gelber Scheibe.