Buchanan (George), Dichter und Historiker, eb. im Febr. 1506 zu Killearn in der schott. Grafschaft Stirling, wurde von seinem Oheim zur Vollendung seiner Studien nach Paris geschickt, wo er sich nach dessen Tode aus Armut unter die Hilfstruppen anwerben ließ, die aus Frankreich nach Schottland geführt wurden. Er gab aber das Kriegsleben bald wieder auf, ging 1524 nach St.⸗Andrews und begleitete später seinen Lehrer John Major nach Paris, wo er als Lehrer angestellt ward. Im J. 1534 kam er mit dem Grafen Cassilis nach Schottland zurück. Jakob V. ernannte ihn zum Hofmeister seines natürlichen Sohnes, des Abts von Kelso, der 1548 starb. Wegen eines satirischen Gedichts gegen die Franziskaner ward er eingekerkert, entfloh jedoch nach Paris, dann nach Bordeaux, wo er on Pord Jahre lebte. Die Pest vertrieb ihn 1543 von Bordeaux, wo er auch einige Zeit Lehrer Montaignes gewesen war; mit seinem Freunde Govea, dem Vorstande der Universität von Coimbra, begab er sich 1547 nach Portugal. Nach dessen Tode wurde er wegen seiner freisinnigen Ansichten ins Gefängnis geworfen; Paa begann er seine metrische lat. Übersetzung der salmen, welche nachher unter dem Titel Paraphrasis psalmorum Davidiso (Antw. 1567) erschien. Im J. 1551 in Freiheit gesetzt, begab er sich nach England und 1560 nach Schottland, wo er offen zum Protestantismus übertrat, dessen Grundsätzen er längst gehuldigt hatte. Er wurde Vorstand der Universität St.⸗Andrews und erwarb sich um die Verbesserung der schott. Hochschulen manche Verdienste. Seine religiösen und polit. Grundsätze führten ihn der Partei des Regenten Grafen Murray zu. Nach dem Sturz der Königin wurde er zum Lehrer Jakobs VI. (des spätern Jakob I. von England) erwählt. Im J. 1571 gab B. seine Detectio Mariae reginaes heraus, einen heftigen Angriff auf den Charakter und den Wandel der Königin Maria Stuart. Auch nach Murrays Tode blieb er in der Gunst der herrschenden Partei und wurde zum Mitglied des Staatsrats und Siegelbewahrer ernannt; als aber Jakob persönlich die Zügel der Regierung übernahm, mußte B. sich zurückziehen. Noch vorher (bin er sein Werk: WDe jure regni apud Scotoso (Edinb. 1579) geschrieben, das ihm einen Platz unter den mutigsten Verteidigern der Volksrechte sichert. Die letzten Jahre seines Lebens widmete er der Ausarbeitung seiner Rerum Scoticarum historias (Edinb. 1582), die durch Schönheit und Kraft der Darstellung ausgezeichnet ist, aber Gründlichkeit der Forschung vermissen läßt. B. starb 28. Sept. 1582 in großer Dürftigkeit und ward auf öffentliche Kosten beerdigt. Sein Charakter ist von seinen Feinden vielfach angegriffen worden; allerdings machte ihn Parteisucht oft leidenschaftlich und das Bewußtsein geistiger Überlegenheit schroff und rauh. Unter den neuern lat. Dichtern steht er in der ersten Reihe; für die gelungenste seiner poetischen Arbeiten hält man das Epithalamiumo auf die 00 Pes Maria Stuarts mit Franz II. von Frankreich. B.s Schriften in engl. Sprache oder eigentlicher im schott. Dialekt stehen hinter seinen lateinischen weit zurück. Seine Werke gab Ruddiman (2 Bde., Edinb. 1715) heraus. Vgl. D. Irving, Memoirs of the life and writings of George B.v (2. Aufl., Edinb. 1817).