FeedErman (Georg Adolf)
NaturlehreBrockhaus 1882

Erman (Georg Adolf), Sohn des vorigen, ebenfalls bedeutender Physiker, geb. 12. Mai 1806 zu Berlin, besuchte das dortige franz. Gymnasium und widmete sich dann auf der Universität dem Studium der Naturwissenschaften. Später setzte er seine Studien in Königsberg unter Bessel fort, den er dann auf einer wissenschaftlichen Reise nach München begleitete. In den J. 1828—30 machte er aus eigenen Mitteln eine Neise um die Welt, deren Hauptzweck neben andern wissenschaftlichen Bestimmungen dahin ging, ein Netz um den Umkreis der Erde von möglichst genauen magnetischen Bestimmungen zu gewinnen. Auf diese Beobachtungen gründete Gauß zum ersten mal eine Theorie des Erdmagnetismus. Für den ersten Teil seiner Reise bis nach Irkutsk schloß er sich an die magnetometrische Expedition an, welche Hansteen durch den westl. Teil Sibiriens unternahm; die weitere Reise durch Nordasien von der Mündung des Obi über Ochotsk nach Kamtschatka und von da zur See über die russ.⸗-amerik. Kolonien, Californien, Otaheiti, um Kap Hoorn und über Rio de Janeiro zurück nach Petersburg und Berlin vollendete er allein. Die Beschreibung seiner Reise um die Erde durch Nord—⸗ asien und die beiden Oceane » zerfällt in eine historische (3 Bde., Berl. 1833 —42) und eine wissenchaftliche Abteilung (2 Bde., Berl. 1835—41, nebst tlas). Die königl. Geographische Gesellschaft in London erteilte ihm für dieses Werk, dessen auf das sibir. Festland bezügliche Teile von Cooley (Lond. 1818) ins Englische übertragen wurden, einen ihrer großen Preise. E.s Arbeiten über Erdmagnetismus und andere physik. Gegenstände sind in Poggendorffs „Annalen », den «Astron. Nachrichten», in mehrern engl. Zeitschriften und, soweit sie auf Rußland Bezug haben, in dem von ihm herausgegebenen «Archiv für wissenschaftliche Kunde von Rußland »(Bd. 1—25, Berl. 1841—65) enthalten. In den J. 1845—48 gewährte ihm die British Association in London und 1874 die kaiserl. deutsche Admiralität die Mittel, um aus den von ihm gemessenen Werten der magnetischen Erscheinungen die ihrer Gesamtheit am nächsten kommenden Werte der Konstanten der Gaußschen Theorie des Erdmagnetismus zu berechnen. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sind in den Reportsv (1846—48) der genannten Association und in der im Verein mit Petersen herausgegebenen Schrift Die Grundlagen der Gaußschen Theorie und die Erscheinungen des Erdmagnetismus im J. 18295 (Berl. 1874) zur Veröffentlichung gelangt. E. war seit 1832 Privatdocent, seit 1834 Professor der Physik in Berlin. Er starb 12. Juli 1877.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 300Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6