Ernesti (Joh. Aug.), namhafter Theolog und Philolog, der Stifter einer neuen theol. und philol. Schule, geb. zu Tennstädt in Thüringen 4. Aug. 1707 als Sohn des Superintendenten und theol. Schriftstellers Johann Christoph E. (geb. 11. Jan. 1662, gest. 11. Aug. 1722), studierte, nachdem er in Schulpforta vorgebildet war, zu Wittenberg und Leipzig zunächst Theologie, machte aber, nachdem er 1731 Konrektor und 1734 Rektor der Thomasschule in Leipzig geworden war, die alte klassische Litteratur und die mit ihr verwandten Wissenschaften zum vorzüglichsten Gegenstande seiner Studien. Er wurde 1742 außerord. Professor der alten Litteratur an der dortigen Universität, 1756 Professor der Beredsamkeit, erhielt 1759 noch überdies eine ord. Professur der Theologie und legte erst 1770 die erstere nieder. Als erster Professor der theol. Fakultät starb er 11. Sept. 1781. Durch gründliches Studium der Philologie wurde E. zu einer richtigern Exegese der biblischen SHea geführt. Von ihm ging größtenteils die theol. Aufklärung aus, insofern sie sich auf Philologie und richtige grammatische Erklärung gründet. Als genauer Kritiker und Grammatiker zeigte er sich in seinen Ausgaben der Memorabilien des Sokrateso von Xenophon (5. Aufl., Lpz. 1772), der «Wolkeny des Aristophanes (Lpz. 1753; neue Ausg. von G. Hermann, Lpz. 1830), des Homer (5 Bde., Lpz. 1759—64; 2. Aufl. 1824), Kallimachus (2 Bde., Leid. 1761), Polybius (3 Bde., Lpz. 1764), Suetonius (Lpz. 1748; 2. Aufl. 1775), Tacitus (pz. 1752; 2. Aufl. 1772; zuletzt neu aufgelegt von Bekker, 2 Bde., Lpz. 1831), vor allem aber durch seine vortreffliche Ausgabe des Cicero (5 Bde., Lpz. 1737 —39; 3. Aufl., Halle 1776—77), die er mit einer „Clavis Cicereniana o (Lpz. 1739; 6. Aufl. 1831) als sechstem Band begleitete. Wegen seiner vortrefflichen Latinität erhielt er den Namen eines Cicero der Deutschen. Von seinen selbständigen Werken sind hervorzuheben: nitia doctrinae solidioriso (Lpz. 1736; 7. Aufl. 1783), Opuscula oratoria, orationes, prolusiones et elogia (Leid. 1762: 2. Aufl. 1767), und das nach seinem Tode erschienene &Opusculorum oratoriorum novum volumeno (Lpz. 1791; deutsch von Rothe, Lpz. 1791). Zahlreich sind auch seine theol. Schriften, unter denen sich besonders der «Anti-Muratorius v (Lpz. 1755) und die &Opuscula theologica (Lpz. 1773 u. 1792) auszeichnen. Auch seine KOpuscula philologica-criticap (Lpz. 1764 u. 1776) enthalten für die Theologie manches Wichtige. Die Schrift Institutio interpretis novi testamentio ist in der 5. Auflage von Ammon herausgegeben. Große Verdienste erwarb er sich auch durch die Herausgabe der Neuen theol. Bibliothek (10 Bde., Lpz. 1760—69) und der «Neuesten theol. Bibliothekv (4 Bde., Lpz. 1773—79). Sein Neffe, Au gust Aihn den E., geb. 26. Nov. 1733, gest. als Professor der Beredsamkeit zu Leipzig 29. Juli 1801, gab den Livius (3 Bde., Lpz. 1769; neue Aufl., 5 Bde., 1785) und Ammianus Marcellinus * 1773) heraus. — Gleichfalls als Ehristz ist bekannt dessen Vetter. Johann hristian Gottlieb E. (Sohn des Superintendenten zu Arnstadt und theol. Schriftstellers Johann Friedrich Christoph E., geb. 23. Febr. 1705, gest. 14. Febr. 1758, Bruder von 1 ug. C.), geb. 1756 zu Arnstadt, del als Professor der Philosophie be Kahnsdorf bei Leipzig, 5. Juni 1802. Derselbe gab den Phädrus (Lpz. 1781), Silius Italicus (2 Bde., Lpz. 1791—92) und andere Klassiker heraus und veröffentlichte das Werk Ciceros Geist und Kunsto (3 Bde., Lpz. 1799—1802).