Eskimo (von aski-mow, welches in der Sprache der Indianerstämme Kri und Odschibwe Ler ißt roh bedeutet) nannten zuerst die Abenakis ihre nördl. Nachbarn an den Küsten von Labrador. Die Europäer übertrugen den Namen auf andere verwandte Stämme, und jetzt begreift man im ethnogr. System unter demselben alle Bewohner des arktischen Amerika. Sich selbst nennen die C. Innuit. Es gehören zu den E. die Grönländer, die Bewohner der Küsten der Baffinsbai, der Nord⸗ und Ostküste von Labrador, der Westküste der Hudsonsbai, der Halbinsel Melville, sowie der ganzen Nordküste des amerik. Festlandes bis zum Eiskap, dann die Bevölkerung des gesamten Norden und Nordwesten des Territoriums Alaska. Die E. des Festlandes, welche uberall bis zur Grenze der Baumvegetation wohnen, zerfallen in die östlichen und die westlichen E., welche durch den 120. Längengrad (von Ferro) geschieden werden. Die das Territorium Alaska bevölkernden E. teilen sich in mehrere verschiedene Stämme, deren man zwei Klassen unterscheidet, nämlich solche, die, wie die östlichen E. und besonders die Grönländer, mit Lederbooten (Baidarken) die See befahren, und solche, die, wie die Kuskokwinzen, die Tschugatschen, die Bewohner von Kadjak und der Osthälfte Alaskas, südlicher und tiefer landeinwärts in waldigen Gegenden großenteils in festen Ansiedelungen leben und sich zur Befahrung der Flüsse ausgehöhlter Baumstämme bedienen. Die letztere Gruppe, vielleicht mit Indianerstämmen gemischt, nennt man auch südliche E. Trotz der großen Ausdehnung der E. Über den ganzen Norden Amerikas von der Ostküste Grönlands bis hinüber zur Beringsstraße sind doch die einzelnen Stämme (abgesehen von der großen Ahnlichkeit in Sitten, Tracht Geräten) durch die Gleichartigkeit der physischen Konstitution und die sehr geringen Verschiedenheiten in ihrer Sprache als Glieder eines einzigen Stammes charäkterisiert, der zugleich aber gegenüber den übrigen Stämmen der roten Rasse solche auffallende Verschiedenheiten zeigt, daß man jetzt die E. mit mehrern Stämmen des nordöstl. Asien (Jukagiren, Korjaken, Tschuktschen, Aleutiern) als eigene Rasse (Arktiker oder Hyperboreer) hinzustellen berechtigt ist. (Vgl. F. Müller, (Allgemeine Ethnographien, 2. Aufl., Wien 1879.) Allen Stämmen der E. gemeinsam ist der runde, unverhältnißmäßig große Kopf, das breite, platte, dabei aber doch volle Antlitz mit gleichsam ausgepolsterten Backen, weit hervorstehenden Backeninochen und kleiner, tief eingedrückter Nase, das schwarze, lange, straffe und harte Haar, das weiche, schlaffe Fleisch. Den ziemlich dicken Rumpf tragen dünne Beine; Hände und Füße sind auffallend klein, die Finger kurz. Die unangenehm kalte Haut, stets durch eine dicke Kruste von Schmuz und Thran bedeckt, zeigt eine schwarzgelbliche Kupferfarbe. Im Osten erreicht der E. an Körperlänge selten mehr als 1,5, im Westen öfters 17½ m. Durch eine gewisse Offenheit und Gutmütigkeit, die sich im Antlitz ausprägen und einen wesentlichen Zug ihres Charakters bilden, ist trotz der Entstellungen. durch Schmuz und üble Gewohnheiten der Totaleindruck auf den Europäer ein günstiger. Zwischen den E. und den benachbarten Indianerstämmen besteht eine bittere Feindschaft. Seit nicht sehr langer Zeit versammeln sich alljährlich in der Gegend des 120.“ westl. L. die östlichen E., um von den westlichen eiserne Gerätschaften und andere durch die Russen eingeführte Artikel gegen Seehundsfelle, Thran und Pelzwerk einzutauschen. Der Seehund und Walfisch bilden nebst dem Renntier und Fischen fen allein die Grundlage und den Quell alles Lebens und Treibens der E. Ihr einziges Haustier ist der Hund, der zum Ziehen und zur Jagd gebraucht wird. Auf der untersten Stufe der Kultur stehend, leben die E. in völliger Gleichheit, ohne Regierung; nur der Stärkere oder Kühnere genießt einen Vorzug. Die religiösen Vorstellungen sind dunkel und roh; zudem noch wenig bekannt. Der Ladras Teil der Bewohner Grönlands, sowie von Labrador ist seit Ende des 18. Jahrh. äußerlich zum Christentum bekehrt. (S. Tafel: Amerikanische Menschenstämme, Fig. 1 und 11.) Vgl. Cranz, «Historie von Grönlando (Frankf. u. Lpz. 1779); H. H. Bancroft, The native races of the Pacific states of North Americas (Bd. 1, Lyz. 1875); Dall, «Contributions to North-American ethnologys (Washington 1877); Klutschak, «Als Eskimo unter den Eskimosp (Wien 1881).