Espartero (Don Baldomero), Graf von Luchana, Herzog von Vittoria, berühmter span. General und Staatsmann, geb. 27. Febr. 1792 zu Granatula in der Mancha als der Sohn eines Stellmachers, wurde zum geistlichen Stande bestimmt, verließ aber 1808 bei der Invasion der Franzosen das Kloster und trat in das sog. geheiligte Bataillon. Im Jan. 1815 schloß er sich der vom General Don Pablo Morillo befehligten Expedition gegen die aufständischen Kolonien in Südamerika an und kehrte nach der Kapitulation von Ayacucho (1824) nach Spanien zurück, wo er als Brigadier nach Logroßo in Garnison kam. Er erklärte sich 1832 offen für die Thronfolge Isabellas, der Tochter Ferdinands VII., und als nach dem Tode des Königs der Bürgerkrieg ausbrach, wurde er Generalkommandant von Biscaya, kämpfte jedoch unglücklich gegen Zumalacarreguy. Im Mai 1836 Übernahm er interimistisch das Oberkommando, rettete im Aug. 1836 Madrid und wurde im Sept. 1836 zum General-en-Chef der Armee des Nordens, zum Vizekönig von Navarra und Generalkapitän der bask. Provinzen ernannt. Auch als 12. Sept. 1837 die Armee des Don Carlos vor Madrid erschien, rettete er die Hauptstadt, trieb den Prätendenten über den Ebro zurück, nahm im Dezember die Höhen von Luchana und entsetzte Bilbao, worauf er zum Grafen von Luchana ernannt wurde. Bei Burgos vernichtete er 1838 die Expedition des karlistischen Generals Negri. Sein glücklicher Feldzug 1839 brachte ihm den Titel eines Granden und Herzogs von Vittoria. Geschickt wußte er die Uneinigkeit der Karlisten zu seinem Vorteile zu nutzen und Unterhandlungen mit Maroto anzuknüpfen, welche zu dem Vertrage von Bergara (s. d.) führten, insolge dessen Don Carlos sich genötigt sah, nach Frankreich überzutreten. Als 1840 das Ministerium der Partei der Exaltatos, an die sich E. angeschlossen hatte, durch ein Gesetz zur Beschränkung der Munieipalverfassung (. Ayuntamiento) einen Schlag beizubringen versuchte und die Königin-Regentin egen E.s Rat dem von den Cortes votierten Geewegung gegen diese Maßregel an. Er eilte nach Madrid, wo er im Triumph einzog, und von hier als Ministerpräsident mit seinen Kollegen nach Valencia, wo 10. Okt. 1840 die Königin-Regentin ihre Abdankung sowie den Entschluß erklärte, sich nach Frankreich zu begeben. E. wurde 8. Mai 1841 durch die Cortes zum Regenten des Landes und zum Vormund der Königin Isabella und deren Schwester, der Infantin Luise Fernanda, erwählt. Mit Energie, Festigkeit und Klugheit führte er das Ruder. Er widersetzte sich den Anforderungen der röm. Kurie, hielt die namentlich in Valencia sich erhebenden Republikaner nieder, dämpfte den von ODonnell zu Gunsten Christinens erregten Aufstand in Pamplona, vereitelte die Pläne zur Insurgierung der Truppen durch die Generale Diego Leon und Concha und hielt die bask. Provinzen nieder. Am 15. Nov. 1841 bezwang er Barcelona, wo die Republikaner sich gegen ihn erhoben, und zog 30. Nov. in Madrid wieder im Triumph ein. Von jetzt an wendete sich E. entschieden England zu, wodurch er Frankreich erbitterte und den Plänen der Königin Christine Vorschub leistete. Indes gelang es ihm, die Exaltados durch sein Festhalten an der Konstitution von 1837 in Schranken zu halten. Auch die Insurrektion in Barcelona Ende 1842 dämpfte er durch ein energisches Bombardement. Allein durch das Bündnis der Progressisten und Republikaner mit den Moderados (der Christinischen Partei) wurde endlich sein Fall doch unvermeidlich. E. mußte 9. Mai 1843 in die von dem Ministerium Lopez beantragte allgemeine Amnestie willigen, wodurch das Land allen Intriguen der zurückkehrenden Moderados preisgegeben ward. Als das Ministerium aber die Entlassung seines Sekretärs Linage, des entschiedenen Anhängers der engl. Politik, und des Generals Zurbano, der sich den Barcelonesen durch seine Strenge verhaßt gemacht hatte, von ihm verlangte, entließ er 20. Mai dasselbe und löste 26. Mai auch die Cortes auf. Schnell verbreitete sich hierauf durch die überall zerstreuten Gegner C.s der Aufstand in Catalonien, Andalusien, Aragonien und Galicien. Am 13. Juni beschloß die in Barcelona gebildete Junta E.s Absetzung und die Großjährigkeit der Königin Ifabella, worauf die 1. Juli 1843 eingesetzte provisorische Regierung (Lopez, Caballero, Serrano) ihn als Verräter am Vaterlande der Regentschaft für verlustig erklärte. An die Spitze des Aufstandes in Valencia trat Narvaez, sein persönlicher Feind, der nun gegen Madrid zog, wo durch Bestechung die Truppen gewonnen wurden. (S. Spanien.) Nachdem Narvaez 22. Juli 1843 in Madrid eingezogen, gab E. seine Sache verloren und schiffte sich 30. Juli in Cadiz ein, um über Lissabon nach England zu gehen, wo er 19. Aug. in Falmouth landete. Während man ihn in England mit den Ehren eines Regenten empfing, wurde er in Spanien durch ein Dekret vom 16. Aug. aller Titel und Würden für verlustig erklärt. Anfang 1848 durch ein Dekret der Königin wieder in seine Würden eingesetzt, kehrte er nach Spanien zurück. Hier nahm er zwar 13. Jan. seinen Sitz im Senat ein, zog sich aber, da er sich ohne allen Einfluß sah, im Febr. nach Logrono zurück. In der progressistischen Revolution von 1854 nahm die bedrängte Königin Isabella ihre Zuflucht zu E. und ernannte ihn zum Chef der neuen Regierung, während ihn zugleich die Provisorische Regierung zu Saragossa zum Generalissimus der Nationaltruppen proklamierte. E. bildete ein Kabinett, in welchem General O Donnell, der hauptsächlich zur Umwälzung beigetragen, das Kriegsministerium übernahm. Die Spaltung der siegenden Partei in reine Progressisten, die E. anhingen, und in konservative, welche die Partei O'Donnells bildeten, machten die Herstellung einer geordneten Regierung unmöglich. lÜberdies zeigte sich der von physischen Leiden gedrückte E. der schwierigen Lage nicht gewachsen und bewies sich rat⸗ und thatlos. Die Intriguen O'Donnells, der zunächst den Minister Escosura (s. d.) aus dem Kabinett verdrängen wollte, führten endlich 14. Juli 1856 die Abdankung Eis und seiner Kollegen herbei, während O'Donnell sein Nachfolger wurde. Hierauf zog sich E. nach Logroño ins Privatleben zurück. Die Thronkandidatur, welche ihm, nach der Septemberrevolution 1868, ein Teil der Progressistenpartei anbot, lehnte er ab. Er starb 10. Jan. 1879 in Logroño. Vgl. Florez, E., historia de su vida militar y politica (3 Bde., Madr. 1843.—44); Mariano, La regencia de Baldomero E.v (Madr. 187⁰0).