FeedEspronceda (José de)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Espronceda (José de), span. Dichter, geb. 1810 zu Almendralejo in Estremadura, kam nach dem Befreiungskriege nach Madrid, wo sich unter der Leitung Listas frühzeitig seine poetischen Anlagen entwickelten. Schon als 14jähriger Knabe schrieb er polit. Gedichte und war Mitglied des Geheimbundes der Numantinos. Dies zog ihm eine Verbannung nach einem Kloster von Guadalaxara zu, in dessen Einsamkeit er sich mit der Ausarbeitung eines größern epischen Gedichts EI Pelayop beschäftigte, das aber Bruchstück blieb. Zwar durfte er bald nach Madrid zurückkehren, doch führte ihn sein abenteuerlicher Sinn nach Gibraltar, von da nach Lissabon, von da nach London, endlich nach Paris, wo er sich an der Julirevolution von 1830 beteiligte. Die excentrische Richtung, die er durch das Studium Byrons genommen, wurde noch verstärkt durch den Umgang mit den franz. Neuromantikern. Er kehrte nach der Amnestie 1833 nach Spanien zurück, wo er sogar einen Platz unter den königl. Leibgarden erhielt. Ein polit.⸗satirisches Gedicht zog ihm jedoch Entlassung und abermalige Verbannung aus der Residenz zu. In dem Städtchen Cuellar konfiniert, schrieb er einen sechsbändigen Roman: Don Sancho Saldana, 6 el Castellano de Cuellaro(Madr. 1834), der Plan und Objektivität vermissen ließ. Nach Oktroyierung der Verfassung (Estatuto real) kehrte E. nach Madrid zurück und nahm den thätigsten Anteil als Mitredacteur der Zeitschrift El Sigloy, aber auf so maßlose Weise, daß er abermals flüchten mußte. Eifrig beteiligte er sich an der Revolution von 1835 und 1836. Als im Sept. 1840 das Ayuntamiento von Madrid die Fahne des Aufstandes erhob, trat E. in die Nationalgarde als Lieutenant. Als Verteidiger eines im republikanischen Sinne geschriebenen Artikels in der Zeitschrift El Uuracau wurde er von der damals herrschenden Partei mit der Stelle eines Gesandtschaftssekretärs im Haag belohnt und begab sich im Dez. 1841 auf diesen Posten, kehrte jedoch nach wenigen Monaten nach Spanien zurück, weil er zum Abgeordneten für Almeria erwählt worden war. Bald darauf erkrankte er und starb in Madrid 23. Mai 1842. E.s Gedichte (gesammelt, Madr. 1840; neue Aufl. 1874) sind ganz das Abbild seines Lebens und seiner Zeit. Sie zeigen eine große technische Gewandtheit und eine gluhende Phantasie, der es aber an künstlerischer Selbstbeherrschung und selbst an dem Maße des Schönen fehlt, indem er seine Vorbilder, Byron und Hugo, noch mit südl. Ungestüm zu überbieten sucht, wie selbst seine beliebtesten Gedichte: «EI Piratad, El Mendigor (ganz sozialistisch), EIl Verdugo (ein Gegenstück zu Dernier jour d'un conde Salamancan, und besonders sein berühmtes Fragment I Diablo mundoy (Madr. 1841), beweisen. Doch gehört er zu den beliebtesten und gelesensten Dichtern der Pyrenäischen Halbinsel und hat in Spanien wie in Rortugal viele Nachahmer gefunden. Die meisten seiner Werke haben zahlreiche Ausgaben erlebt. E.s 4&0bras poeticaso erschienen zu Paris (1840; neue Ausg. von Hartzenbusch, 1870; neueste und beste von A. Ferrer del Rio, Madr. 1876 und Barcelona 1882). Ein posthumes, erst 1874 erschienenes Werk von ihm sind die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 365Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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