FeedEsquilin (Esquilae, auch Exquiliae)
ErdkundeBrockhaus 1882

Esquilin (Esquilae, auch Exquiliae), einer der sieben Hügel Roms, oder vielmehr ein ausgedehntes Hochplateau, das nur nach NW. und SW. merkbare Abfälle zeigt, während es im NO. zum Teil mit dem Viminal und Quirinal zusammenhängt und an der Ostseite sich allmählich in das vorstädtische Terrain verliert. Dieser Höhenzug zerfällt in zwei Teile, die eigentlichen Esquilien und die Carinen; auch jene gliedern sich in zwei Teile von ungleicher Größe, von denen die Hauptmasse oder die eigentliche Hochebene des E. zwischen der Kirche Sta-Maria maggiore und der Stadtmauer sich hinzieht. In der ältesten Zeit war der E. mit Wald bedeckt, der mit dem zunehmenden Anbau sich in zahlreiche heilige Hainbezirke verwandelte; unter andern werden erwähnt der Lucus fagutalis (Buchenhain), der Lucus esquilinus (Eichenhain) und der Lucus Lucinae, wo später (379 v. Chr.) der Tempel der Juno Lucina errichtet ward. Nach der Sage soll Servius Tullius seinen Wohnsitz auf der dem Viminal gegenüberliegenden Stelle, welche Cespius hieß, gehabt haben; auf dem Hauptrücken hingegen (der alte Name dafür war Oppius) soll arquinius Superbus gewohnt haben. Von all diesen uralten Stätten hat sich keine Spur mehr erhalten. Dagegen steht noch heute ein großer Teil der Befestigungsanlagen aus der Königszeit. Da die Stadt nach Osten hin durch die natürlichen Bodenverhältnisse nicht gestützt war, wurde damals ein Erdwall errichtet, davor ein mächtiger Graben r m breit, 4 mtief). Der Erdwall (agger), desen Außenseite eine 4 m dicke Quadermauer aus Tuffstein mit Zinnen und Türmen bildete, begann bei der Porta Esquilina (ihre Stelle nahm später der jetzt noch erhaltene Gallienusbogen ein) und reichte bis zur Porta Collina (unweit der Via 20 Settembre und dem Finanzministerium); dazwischen befand sich ein drittes Thor, die Porta Viminalis, deren Überreste bei dem jetzigen Centralbahnhof sichtbar sind. Der Wall mit Türmen und Graben * schon im Altertum als ein Werk des Servius ullius; einige glaubten jedoch, erst Tarquinius Superbus habe ihn vollendet. (über die esquilinische Befestigungsanlage vgl. Jordan, (Topographie der Stadt Rom im Altertumo, Bd. 1, Berl.) Während der Republik verminderte sich die Bevölkerung des E. bedeutend, und die böse Luft, deren Vorhandensein durch Altäre der Mala Fortuna und der Fiebergöttin bezeugt wird, nahm überhand. Zudem diente lange Zeit hindurch eine vor der Porta Esquilina gelegene Strecke (der Campus esquilinus) zum 15.Schachtenen armer Leute, von denen viele in tiefe Schachten (puticuli) geworfen, andere nur oberflächlich verscharrt wurden, sodaß die entblößten und gebleichten Gebeine offen zu Tage lagen, bis endlich unter Augustus dieses ausgedehnte Leichenfeld durch die Anlage großartiger Gärten überdeckt wurde. Neben den Gärten des Aelius Lamia Gorti Lamiani) werden besonders die Gärten des Mäcenas genannt, welche einen Teil des servianischen Walls und das esquilinische Grabfeld einnahmen und mit der größten Pracht ausgestattet waren. Sie fielen später durch Erbschaft dem Augustus zu und wurden ein Lieblingsaufenthalt der kaiserl. Familie, namentlich des Tiberius. Andere Gärten entstanden später, so die Horti Pallantiani (von Pallas, einem Freigelassenen des Claudius, angelegt) und die Horti Spei veteris. Agrippa sorgte für den Wasserbedarf des E. in besonderer Weise: auf ihn gehen die Ruinen des großen Wasserkastells zurück, welches der Knotenpunkt dreier Wasserleitungen war (Kquae Marcia, Julia, Tepula) und auf welchem die sog. Trophäen des Marius standen. Einen großen Markt mit Hallen und andern Gebäuden legte Augustus an, Tiberius vollendete ahm er erhielt den Namen Macellum Liviae und nahm etwa die Stelle diesseits und jenseits zwischen den Kirchen San-Antonio und San-Eusebio ein. Zahlreiche andere öffentliche und private Gebäude standen auf dem E., deren Trümmer besonders bei den jüngsten Ausgrabungen wieder zum Vorschein gekommen sind; das letzte, d. h. auf der äußersten Grenze des E. gelegene Gebäude ist das hinter der Kirche Sta.⸗Croce in Gerusalemme befindliche Amphitheatrum castrense, ein kleines für die Gladiatorenspiele der städtischen Soldaten bestimmte Amphitheater. Über die Topographie des E. vgl. Platner-Bunsen, Beschreibung der Stadt Romo (Bd. 3, Abteil. 2, Stuttg. 1838). Üüber die in den ältern esquilinischen Nekropolis gefundenen Altertümer handelt H. Dressel in den «Annaliv des Archäologischen Instituts (1879, 1880, 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 365Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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