Esquirol (Jean Etienne Dominique), einer der bedeutendsten Irrenärzte aller Zeiten, Schüler und Nachfolger Pinels, geb. zu Toulouse 4. Jan. 1772, diente 1794 in dem Militärlazarett zu Narbonne und ward 1811 Arzt an der Salpétrière. Seit 1817 hielt er klinische Vorlesungen über die Geisteskrankheiten und ihre Behandlung, und 1818 veranlaßte er die Ernennung einer Kommission, deren Mitglied er wurde, zur Untersuchung und Abstellung der Mißbräuche in den Irrenanstalten. Im J. 1823 ward er Generalinspekteur der Universität und 1825 Chefarzt an der königl. Maison des aliénés in Charenton, gleichzeitig dabei seine in der Nähe befindliche und vorzüglich organisierte Privatirrenanstalt leitend. Durch die Sem AUmterwert der er sich nicht fügte, seiner öffentlichen Amter verlustig geworden, wirkte er von nun an nur noch als praktischer Arzt und in seiner Anstalt, sowie litterarisch beschäftigt, bis er 12. Dez. 1840 starb. E. war gleichgroß als Lehrer und Schriftsteller wie als praktischer Irrenarzt und vereinigte mit einer großen Menschenkenntnis und ungemein reichen ärztlichen Erfahrung einen seltenen Scharfsinn und Takt in der Diagnose und prognost. Beurteilung der vor ihm zum Teil ja noch unbekannten Geisteskrankheiten, deren Kenntnis und Behandlung er als Lehrer und noch mehr durch seine Werke wesentlich förderte. Denn durch diese, die durch eine ebenso klare und anziehende Darstellung wie klassische Sprache und gewandten Stil ausgezeichnet sind und eine ungemein große Fülle von Einzelerfahrungen und glücklichen Beobachtungen enthalten, wie sie durch Feinheit der Bemerkungen oft überraschen, hat er auch noch für die Gegenwart seine große Bedeutung, obwohl er von der zu seiner Zeit noch wenig entwickelten und vertieften pathol. Anatomie keine Unterstützung fand, auch manche seiner Ansichten, so z. B. die Lehre von den Monomanien (s. d.), wieder aufgegeben worden sind. Seine Werke, die aus Abhandlungen über verschiedene Gegenstände der Psychiatrie bestehen, erschienen gesammelt unter dem Titel Des maladies mentales considéréêes sous les rapports médical, hygiénique et médico-légalo (2 Bde., Par. 1838; deutsch von Bernhard, Berl. 1838). Überdies sind von Bedeutung: »Allgemeine und spezielle Pathologie und Therapie der Seelenstörungend (deutsch von Hille, Lpz. 1827) und Des illusions chez les aliénéso (Par. 1832).