Essex (Robert Devereux, Graf von), bekannt durch sein Verhältnis zur Königin Elisabeth, wurde 10. Nov. 1567 geboren. Seine Mutter, die schöne Lätitia Knolles, heiratete bald nach dem Tode ihres Gemahls dessen Feind Leicester. Lord Burleigh, der die Erziehung des jungen Grafen leitete, brachte denselben 1584 an den Hof, wo er viele Freunde fand und auch auf die Königin großen Eindruck machte. E. mußte deshalb dem eifersüchtigen Stiefvater 1585 in den Krieg nach Holland folgen. Die Schlacht von Zütphen, in der er sich auszeichnete, gab der Königin Gelegenheit, ihm ihre Gunst zu bezeigen; sie erhob ihn zum Kavalleriegeneral und gab ihm den Orden des Hosenbandes. Als Leicester 1588 starb, wurde bald E. ihr erklärter Günstling. Gegen ihren Willen schloß er sich 1589 dem Kriegszuge an, durch den Norris und Drake Don Antonio wieder auf den portug. Thron setzen wollten; doch schadete ihm dieser Ungehorsam nichts in der Gunst der Königin, und 1501 verlieh sie ihm wieder den Oberbefehl über ein Truppenkorps, das sie zur Unterstützung Heinrichs IV. nach Frankreich sandte. Nach Kriegsruhm begierig, unternahm E. zum Teil auf eigene Kosten mit dem Admiral Howard 1596 den kühnen Handstreich auf Cadiz, wodurch England in den Besitz unermeßlicher Beute, besonders des reichen Arsenals gelangte. Das Volk zollte dieser Heldenthat lauten Beifall. Auch die Königin ergoß sich in Lob und Gnaden, empfand es indes doch schmerzlich, daß er ihrer Liebe den öffentlichen Beifall vorzog. Noch mehr fühlte sie sich gekränkt durch seine heimliche Vermählung mit der Tochter Walsinghams. Als E., von einem mißglückten Kriegszuge gegen Spanien zurückgekehrt, kalt empfangen wurde, erwachte auf einmal der ganze Stolz seines hochfahrenden und durch Glück verzogenen Charakters. Sein ungestümes Betragen, seine Reden, sein Spott, den die Hofleute hinterbrachten, verletzten die nicht bloß stolze, sondern auch eitle Königin — tiesste. überdies war Burleigh, sein Freund und Beschützer gestorben, und seine Neider hatten freies Spiel. Nach einer heftigen Scene im Staatsrat ernannte ihn Elisabeth ungeachtet seiner Weigerung zum Gouverneur in dem unruhigen Irland. Gereizt verließ er den Hof und schloß, um sich seiner Sendung, die er für Verbannung hielt, so schnell als möglich zu entledigen, nach einigen unbedeutenden Unternehmungen mit den Aufrührern einen Waffenstillstand, der bei Hofe als Staatsverrat angesehen ward. Um seinen Feinden zu begegnen, eilte er hierauf gegen ausdrücklichen Befehl nach England zurück, wo er, von der Königin zur Rechenschaft gezogen, mit dem schott. Hofe in Verbindung rat und in London einen Aufstand zu veranlassen suchte. Nach seiner Gefangennehmung machte ihm Bacon (f. d.), dem er sonst große Gunst erzeigt, den Prozeß. Lange zögerte Elisabeth, das Todesurteil zu bestätigen, indem sie hoffte, er werde ihre Gnade anflehen. Endlich ward er 25. Febr. 1601 enthauptet; er starb stolz und mutig. Die Erzählung von dem Ringe, mit dem er sein Schicksal bei der Köniin habe aufhalten wollen, der aber von seiner Feindin der Gräfin von Nottingham, zurückgehalten worden sei, ist Fabel. Sein vertrautes Verhältnis mit Elisabeth indessen ist durch unverwerfliche Zeugnisse außer Zweifel gesetzt. Die glänzenden Eigenschaften, das schnelle Gluck und das tragische Ende des Grafen E. haben ihn wiederholt zum Gegenstande dichterischer Darstellung gemacht.