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GeschichteBrockhaus 1882

Este, eins der ältesten und berühmtesten Fürstenhäuser Italiens. Häufig, aber ohne histor. Grund, ninimt man ein früheres und ein späteres Fürstenhaus dieses Namens an. Das erste wird auf Azzo zurückgeführt, welcher die Königin Adelheid, nachmals Gemahlin Ottos d. Gr., aus der Gefangenschaft in einem Turme am Gardasee nach seiner festen Burg Canossa bei Reggio rettete. Das letztere beginnt mit Obertos I. Sohn, Oberto II., dessen Enkel alne II. von Kaiser Heinrich III. mit Rovigo, Casalmaggiore, Pontremoli und andern kleinen ital. Landschaften belehnt wurde. Durch Azzos Söhne teilte sich das Haus in zwei Hauptstämme, den deutschen oder welf-estischen und den ital. oder fulco-estischen Stamm. Jenen gründete Welf IV., der nach Ottos von Nordheim Absetzung 1070 von Kaiser Heinrich IV. die Belehnung mit Bayern erhielt. Von ihm stammen durch Heinrich den Stolzen, Herzog von Bayern und Sachsen, und dessen Sohn, Heinrich den Löwen, die Fürstenhäuser Braunschweig und Hannover ab. Den ital. Stamm gründete Fulco J., gest. 1135. Während des 12., 13. und 14. Jahrh. ist die Geschichte der Markgrafen von E., deren Hauptbesitz am untern Po lag, als Häupter der Guelfen mit den Schicksalen der m Dpe Herrscherfamilien und kleinen Freistaaten in Oberitalien verflochten. Sie erwarben zuerst Ferrara, später Modena und Reggio. Das Haus E. zuchneze sich durch Begünstigung der Gelehrten und Künstler während der Blüte der ital. Litteratur aus. Schon Nikolaus II., gest. 1338, that sich in dieser Richtung ler ste mehr noch Nikolaus III., gest. 1441. Dieser stellte die von seinem Vater Albert zu Ferrara gestiftete Universität wieder her, zog ausgezeichnete Männer an seinen Hof und vererbte die Liebe zu den „Tionerten auf seine Söhne Lionel und Borso. Lionel, gest. 1450, unterstützte Handel und Gewerbe, förderte Künste und Wissenschaften, besonders aber das neuerwachte Studium der alten Litteratur. Er stand mit Gelehrten und Künstlern in Briefwechsel und galt selbst als Muster der Beredsamkeit in der lat. und ital. Sprache. Gleich ihm zeichnete sich sein Nachfolger Borso aus, gest. 1471. Kaiser Friedrich III. erteilte ihm 1452 den Herzogstitel von Modena und Reggio, Papst Paul II. 1471 den von Ferrara, welches er als päpstl. Lehn besaß. Ganz im Geiste seiner Vorgänger wirkte Herkules I., gest. 1505, der trotz ungünstiger Zeitverhältnisse den Wohlstand seines Landes zu sichern und seinen Hof mit Hilfe seines berühmten Ministers Bojardo, Grafen von Scandiano, zum Sammelplatz der Gelehrten zu machen wußte. Ihm folgte sein Sohn Alfons I., gest. 1535, Gemahl der Lucrezia Borgia (s. d.), in aufgeregtester Zeit als Feldherr und Staatsmann ausgezeichnet und von allen Dichtern der damaligen Zeit, besonders von Ariost, gefeiert. Er trat 1509 der Ligue von Cambrai bei und kämpfte mit Glück gegen die Venetianer. In ernste Gefahren stürzte ihn hingegen sein Zwiespalt mit den Päpsten Julius II., Leo X., Clemens VII., während er auch mit Karl V. in Misverhältnisse geriet, sodaß er erst in Inate Jahren in ruhigen Besitz seiner Staaten gelangte. Sein Nachfolger, Herkules II., gest. 1559, der Gemahl Renatas, der Tochter Ludwigs XII. von üherrewin schloß sich eng an Karl V. an, da dessen bergewicht in allen ital. Angelegenheiten den Ausschlag gab. Er und noch mehr sein Bruder, der Kardinal Hippolyt der Jüngere, ehrten Künste und Wissenschaften. Letzterer erbaute die prächtige Villa d'Este in Tivoli. Alfons II. hat durch unmäßige Liebe zur Pracht, unbegrenzten Ehrgeiz, der ihn unter anderm zu wiederholten kostspieligen Versuchen trieb, die Krone Polens zu erlangen, und Härte, welche er namentlich durch die siebenjährige Einkerkerung Torquato Tassos (s. d.) bewies, sein Land geschädigt und den Ruhm seines Hauses gemindert. Als er 27. Okt. 1597 kinderlos starb, folgte ihm sein Vetter Cäsar, gest. 1625, Sohn eines natürlichen Sohnes Alfons' J. Zwar bestätigte diesen der Kaiser in den Reichslehnen Modena und Reggio, aber Papst Clemens VIII. erklärte die Nachfolge für unrechtmäßig und zog Ferrara als eröffnetes Lehn ein. Cäsars Sohn, Alfons III., Eng nach dem Tode seiner Gemahlin, Isabella von Savoyen, nach kurzer Regierung in ein Kapuzinerkloster nach Tirol, wo er seine Tage beschloß. Nach ihm folgte eine Reihe ruhmloser Fürsten: Franz I., gest. 1658; Alfons IV., gest. 1662; Franz II., gest. 1694; Rinaldo, gest. 1737, durch dessen Vermählung mit Charlotte Felicitas von Braunschweig die beiden seit w1071 getrennten Zweige des Hauses sich wieder verbanden, und Franz III., unter dessen Regierung Muratori und Tiraboschi lebten. Franz' III. Sohn, Herkules Rinaldo III., esa 615 Nal durch seine Ehe mit Maria Teresa Cibd alaspina 1741 das Herzogtum Massa-Carrara, verlor aber durch den Frieden von Campo-Formio (1797) seine Staaten. Mit ihm starb 1803 der Mannsstamm des Hauses E. aus. Seine einzige Tochter, Maria Beatrix Ricciarda, war mit Ferdinand, dem dritten Sohne Kaiser Franz'I., vermählt, welcher zur Entschädigung für Modena das Herzogtum Breisgau erhielt und 1806 starb. Der älteste Sohn beider, Franz IV., gelangte durch die Traktate von 1814 und 1815 wieder zum Besitze von Modena und nach dem Tode seiner Mutter 1829 auch zur Nachfolge in Massa-Carrara. Nach seinem Tode (21. Jan. 1846) folgte ihm sein Sohn Franz V., welcher infolge der Umwälzungen des J. 1859 seine Länder verließ, die seitdem zur Provinz Emilia des Königreichs Italien gehören. Mit ihm starb 20. Nov. 1875 die Linie OÖsterreich-E. im Mannsstamme aus; der Titel ging auf den Erzherzo Ludwia⸗ den ältesten Sohn des Erzherzogs Karl udwig, über. Die roßen weitverzweigten Familien Malaspina und allavicini sollen mit den E. gleichen Ursprung haben. Die ausführliche Genealogie gab P. Litta in den Famiglie celebri italianen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 381Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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