Esterhäzy von Galantha, eine alte ungar. Magnatenfamilie, deren Hauptast später zur deutschen Reichsfürstenwürde gelangte. Obschon man den Stammbaum bis auf einen angeblichen Abkömmling Attilas, Paul Estoras, der 969 getauft wurde, hinaufgeführt hat, reichen doch die urkundlichen Nachrichten nicht über 1238 hinaus, in welchem Jahre Peter und Elias, die Söhne des Salomon von Estoras, das väterliche Erbe teilten. Der erstere erhielt Zerhäz, der zweite Illyéshäza, sodaß sie die Stifter zweier Hauptlinien wurden, von denen die letztere 31. Juli 1838 mit dem Grafen Stephan Illeshäzy im Mannsstamm erlosch. Die Nachkommen Peters nannten sich nach ihrer Besitzung Zerhäzy, bis Franz Zerhäzy (geb. 1563, gest. 7. März 1594), Vizegespan des Preßburger Komitats, diesen Namen 1584 bei Gelegenheit seiner Ernennung zum Freiherrn von Galantha in Esterhäzy verwandelte. Seit dem J. 1421 besitzt die Familie Schloß und Herrschaft Galantha im Preßburger Komitat und führt von daher den Beinamen «Freiherren von Galgnthav». Franz hinterließ vier Söhne: Gabriel (gest. 1628), Daniel (gest. 1654), Paul III. (gest. 1641) und Nikolaus II. (gest. 1645), von denen die drei letztern die Ahnherren der Häuser zu Csesznek im Veßprimer, Altsohl im Sohler und zu Frakno oder Forchtenstein im Odenburger Komitate wurden. Die beiden ersten Linien erlangten 17. Nov. 1684 die gräfl. Würde; von der letztern wurde bereits der Stifter Nikolaus II. von E., einer der berühmtesten des Geschlechts, 10. Aug. 1626 zum Erbgrafen von Forchtenstein erhoben. 1) Die Hauptlinie zu Csesznek ward durch vier Söhne Daniels J., ihres Begründers, fortgeführt, doch nur vom dritten derselben, Michael II. von C., der 1686 als Generalfeldwachtmeister bei Ofen starb, bis auf die Gegenwart verpflanzt. Mit Daniel III. und Ladislaus III., den beiden Söhnen Michaels II., teilte sich die Nachkommenschaft des letztern in zwei Nebenlinien. Nachkommen von Ladislaus III. sind nicht mehr vorhanden. Die erste Nebenlinie hingegen spaltete sich abermals mit Daniel VI. von C. (gest. 1759 als Oberdirektor des Landeskommissariats in Ungarn) und Emmerich VII. von C. (geb. 1726, seit 1763 Feldmarschalllieutenant, seit 1773 General der Kavallerie, gest. 2. Juni 1792) in zwei AÄste, einen ältern und einen jüngern. Repräsentant des ältern Astes ist Graf Georg von E. (geb. 20. Juni 1848), dessen Vater, Graf Georg von E. (geb. 14. Juli 1811), seit 1848 Gesandter am span. Hofe war und 1854 in außerordentlicher Mission nach Berlin ging, 30. April 1855 definitiv zum österr. Gesandten daselbst ernannt wurde, aber schon 24. Juni 1856 starb. Haupt des jüngern Astes ist Graf Emmerich von C., geb. 11. April 1840. 2) Die Hauptlinie zu Altsohl oder Zolyom wurde von Paul III. von E., geb. 1581, gest. 1641 als Hofkriegsrat, königl. Vizegeneral in Ungarn und Kommandant der Festung Neuhäusel, gegründet. Von seinen drei Söhnen setzte der jüngste, Alexander von E., gest. 1629, durch seinen Sohn, Stephan V. von E., den ersten Grafen aus dieser Linie, das Geschlecht fort. Stephan hatte zwei Söhne, von denen jedoch nur der jüngere, Johann von E., einen Sohn hinterließ, den Generalfeldwachtmeister Karl von E. Die drei Söhne des letztern wurden wiederum die Begründer dreier Äste, von welchen aber zwei in neuerer Zeit erloschen sind. Haupt des noch blühenden Astes ist Graf Daniel von E., geb. 4. Juni 1843. 3) Die Hauptlinie von Forchtenstein stiftete der erwähnte Nikolaus von E., geb. 8. lm 1582 zu Galantha. Er kam durch seine Gemahlin Ursula Dersfy in den Besitz der sämtlichen Güter der Familie Dersfy und Magocsi und starb als ungar. Palatin und kaiserl. Feldmarschall 11. Sept. 1645. Graf Nikolaus trat von der prot. zur kath. Kirche über und war einer der eifrigsten Beförderer der kath. Gegenreformation in Ungarn. Von seinen vier Söhnen starben die ältesten, Stephan IV. von C., 1641, und Ladislaus II. von C., Obergespan des Odenburger Komitats, 1652 ohne männliche Nachkommenschaft, während die beiden jüngern Söhne, Paul IV. und Franz V., die Stifter zweier noch blühender Linien, der fürstlichen und der gräflichen, wurden. — Der Stifter der gräsl. Linie, Franz V. von C., geb. 17. Jan. 1641, gest. 16. Okt. 1683 als General der Kavallerie, zeichnete sich in den Feldzügen gegen die Türken vielfach aus. Er hinterließ drei Söhne als Begründer von ebenso vielen Nebenlinien. a) Der älteste Sohn, Anton J. von CE., hielt (1704—11) zu der Partei Räköczys und flüchtete sich nach Frankreich, wo seine Nachkommen über 100 Jahre lebten, bis sie Anfang des 19. Jahrh. nach Osterreich zurückkehrten, wo sie seitdem die Linie Hallewyl des Hauses E. bilden. Letztern Namen erhielt dieselbe infolge der Vermählung des Grafen Nikolaus von E., franz. Husarengenerals, mit Maria Franziska, Gräfin von Hallweil (Hallewyl). Diese Nebenlinie ist in Rußland reich begütert. Graf Valentin Ladislaus Ferdinand von E., geb. 28. Jan. 1814, widmete sich der diplomatischen Laufbahn, war erst außerordentlicher österr. Gesandter und bevollmächtigter Minister zu Stockholm, sodann Juni 1850 bis Dez. 1853 zu München. Während des Orientlriegs wirkte er seit Jan. 1854 als diplomatischer Vertreter Osterreichs in Petersburg. Er starb 2. Nov. 1858 zu Paris. b) Der zweite Sohn Franz V. von C., Joseph von E., geb. 29. Juni 1682 zu Papa, zeichnete sich aus in den Kriegen gegen Räköczy, in den beiden Feldzügen gegen die Türken (1716—18 und 1736 -39) und dann in den schles. Kriegen (1740—45). Seit 1733 war er Grenzkommandant, Feldmarschalllieutenant und Banus von Kroatien, seit 1741 Feldmarschall und Judex curiae; er starb 10. Mai 1748. Sein leichnamiger Sohn starb 1759 ohne männliche Nachkommen. c) Der dritte Sohn mn V. von E., Graf Franz VI. von E. (geb. 19. Juni 1682), starb 1758 als Feldmarschall und hinterließ drei Söhne, von denen der mittlere, Graf Karl von E., geb. 1725, sich dem geistlichen Stande widmete, 1761 letzter Bis hof von Erlau wurde, sich durch zahlreiche Wohlthaten, humanitäre und gemeinnützige Stiftungen und Einrichtungen auszeichnete und am 15. März 1799 starb; der älteste und der jüngste von den Söhnen Franz' VI. begründeten — Nebenzweige, zu Totis (Papa) und Lanschitz. er Stifter der (ältern) Linie zu Totis, Graf Nikolaus von E. (geb. 1711, gest. 27. Juni 1764), ist der Großvater des Grafen Nikolaus von E., eb. 8. Febr. 1804, des jetzigen Hauptes dieses weigs des Hauses, und des Grafen Moritzvon E., eb. 23. Sept. 1807. Letzterer widmete sich der iplomatie, war längere Zeit hindurch bis zum März 1856 österr. Gesandter zu Rom und trat 19. Juli 1861 als Minister ohne Portefeuille in das Kabinett Schmerlings ein. Nach dem Rücktritt des letztern im Rele 1865 behielt er im Ministerium Belcredi dieselbe Stellung. Im J. 1866 verließ er den aktiven Staatsdienst, war aber noch als einflußreicher Diplomat und Staatsmann thätig. E. gilt als Hauptvertreter der streng kath. Richtung in der auswärtigen Politik Österreich-Ungarns. Die (jüngere) Linie zu Lanschitz begründete der jüngste der drei Söhne Franz' VI., Graf Franz VII. von E., gest. 1785 als Obergespan des Wieselburger Komitats und ungar. Hofkanzler. Von seinen Urenkeln ist Graf Anton von E., geb. 3. Okt. 1820, das gegenwärtige Haupt dieses Zweigs des Hauses. Die fürstliche Linie des Forchtensteiner Hauptastes ward durch Paul IV. von E. (geb. 8. Sept. 1635 zu Eisenstadt, gest. 26. März 1713), den dritten Sohn des Palatins Nikolaus von E., begründet. Derselbe vereinigte in sich die Talente des Feldherrn mit denen des Staatsmanns, hatte an allen Schlachten von 1663 bis 1686, besonders an der bei St. Gotthard (1664), an der Entsetzung von Wien (1683) und an der Eroberung Ofens (2. Sept. 1686) teil und wirkte als Palatin von 1681 bis 1713 für sein Vaterland. Seit 1667 General der Kavallerie, ward er in Anerkennung seiner Verdienste um die Annahme der erblichen Succession des Hauses Habsburg in Ungarn in Preßburg 7. Dez. 1687 für seine Person in den Reichsfürsten-Rand erhoben, mit dem Münzrecht und dem großen Palatinat, vererblich nach dem Rechte der Erstgeburt, begnadet. Kurz vor seinem Tode am 23. März 1712 wurde dieser Fürstenstand auf den jedesmaligen Erstgeborenen mit dem Prädikat „Hocheborend ausgedehnt. In den Räköczyschen Unruhen m verhinderte er den allgemeinen Anchluß an diese gefährliche Bewegung. Der Fürst war auch ein Freund und Beförderer der Wissenschaften und Künste, ein Wohlthäter der Armen. Von seinen 25 Kindern sind drei Söhne zu bemerken: 1) Fürst Michael von E., der seinem Vater in dem Fürstentume und in der ödenburger Obergespanswürde folgte und 24. März 1721 ohne männliche Erben starb; 2) Gabriel von Et., Obergespan des Szalader und Sümegher Komitats, der 1704 ebenfalls ohne männliche Erben verstarb, und 3) Joseph Anton von E., gest. 7. Juni 1721, welcher zwei Söhne hinterließ. Der Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. erste derselben, Fürst Paul Anton von E., geb. 22. April 1711, errichtete 1741 auf eigene Kosten im sterreichischen Erbfolgekriege ein Husarenregiment, wurde 1747 Feldmarschalllieutenant, ging 1750 als Botschafter nach Neapel, avancierte 1757 scha General der Kavallerie, 1758 zum Feldmarchall und starb 1762. Sein Bruder, Nikolaus Joseph von E., geb. 18. Dez. 1714, der tapferste der E., stieg bis zur Würde eines Generalfeldmarschalls, erhielt 21. Juli 1783 für alle seine männlichen und weiblichen Nachkommen die reichsfürstl. Würde und starb 28. Sept. 1790 in Wien. Der frst war ein besonderer Freund der Musik, aus einer Kapelle gingen Jos. Haydn und Pleyel hervor; er ist der Erbauer des großartigen Schlosses in Esterhäh. Sein Sohn, Fürst Paul Anton von C. (geb. zu Wien 1738, gest. 22. Jan. 1794 als eldmarschalllieutenant), war Vater der Fürsten Inton von E., gest. 13. Dez. 1796 als Oberstlieutenant an einer kurz vorher bei der Belagerung von Belgrad erhaltenen Wunde, und Nikolaus von E., geb. 12. Dez. 1765. Letzterer bereiste in seiner Jugend fast ganz Europa, hielt sich namentlich längere Zeit in England, Frankreich und Italien auf und trat dann in Militärdienste. Später aber wurde er zu diplomatischen Sendungen gebraucht. Mehrere Zweige der Kunst und Wissenschaft danken ihm ausgezeichnete Bereicherung. Er ist der Begründer der herrlichen Gemäldesammlung in dem vom Fürsten Kaunitz gekauften Gartenpalast in der wiener Vorstadt Mariahilf. Dort legte er auch eine auserwählte Sammlung von Kupferstichen und Zeichnungen an. Beide befinden sich seit 1865 im akademischen Somn in Pest, als Landeseigentum. In seiner Sommerresidenz in Eisenstadt, wo er Haydns Gebeine met großer Pracht beisetzen ließ, pflegte er großartig die Tonkunst und die Botanik. Er war durch die Erwerbung der Herrschaft (ehemaligen Abtei) Edelstetten in Franken und deren Erhebung zur gefürsteten Grafschaft (17. Dez. 1804) in das Reichsfürstenkollegium eingetreten; aber diese Souveränetät dauerte nur bis 1805; damals gelangte das Fürstentum Edelstetten (5,5 alem mit 830 E.) unter bayr. Sberhoheit. Als Navoleon 1809 damit umging, Österreich durch Abtrennung von Ungarn zu scwaäch en, machte dieser dem Fürsten Anträge bezüglich der Krone Ungarns, die derselbe jedoch ausschlug. Er starb 24. Nov. 1833 zu Como in Italien, wohin er sich zurückgezogen hatte. Seine ungeheuern Ausgaben legten den Grund zum materiellen Ruin des Hauses, obgleich dessen jährliche Einkünfte über zwei Millionen Gulden betragen hatten. Sein Sohn, der Fürst Paul Anton von E., geb. 10. März 1786, widmete sich der diplomatischen Laufbahn und ging 1810 als österr. Gesandter nach Dresden, 1830 nach London, wo er bis 1838 blieb. Er kehrte 1842 in sein Vaterland zurück, wo er sich der nationalen Richtung anschloß und als Obergespan des Odenburger Komitats wie als Präses der Naturforschergesellschaft (1847) den polit. wie den litterarischen Fortschritt eifrig förderte. Dies brachte ihn im März 1848⁸ in das Batthyänyi-Ministerium, in dem er als Minister um die Person des Monarchen die Interessen Ungarns am wiener Hofe zu vertreten hatte. Er wirkte für eine Ausgleichung zwischen dem österr. und dem ungar. Ministerium, legte aber, als der Kampf unvermeidlich schien, noch vor Auflösung des Batthyänyi-Ministeriums im Sept. 1848 sein Amt nieder und zog sich vom öffentlichen Schauplatz zurück. Er ging 1856 als Krönungsbotschafter nach Moskau, wo er mit ungewöhnlichem Glanze auftrat. Er starb zu Regensburg 21. Mai 1866. Sein einziger Sohn ist der Fürst Nikolaus von E., geb. 25. Juni 1817, k. k. Major a. D. Das Majorat der fürstl. Linie E. besteht aus 29 Herrschaften mit 21 Schlössern, 60 Marktflecken, 414 Dörfern und 207 Prädien, die von Eisenstadt aus verwaltet werden, gegenwärtig aber sehr herabgekommen sind. Es lastet auf denselben der königl. Sequester, und die Familie bezieht nur eine fixierte Jahresrente bis zur Tilgung der aufgehäuften Schuldenlast.