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GeschichteBrockhaus 1882

Görtz (von Schlitz, genannt von Görtz), altes deutsches Rittergeschlecht im Buchenlande (Buchonia) an der Fulda, wo es die Herrschaft Schlitz (Slitese) besitzt. Bereits gegen Anfang des 12. Jahrh. lassen sich urkundlich Otto und Erminold von Slitese nachweisen; die Glieder des Geschlechts führen in Urkunden dieser Zeit die Bezeichnung ingenui und nobiles. Berthous war 1132 ein hochverdienter Abt von Fulda. Die Familie war in mehrere Zweige gespalten, welche jedoch allmählich bis auf die mit dem Beinamen Görtz erloschen. Im J. 1548 war nur ein einziger am Leben, der duuch von Schlitz, genannt von G., gest. 1560, der dur seinen Enkel Wilhelm Balthasar, gest. 1636, der Stammyater der noch blühenden Linien des Hauses wurde. Drei Söhne des Letztgenannten hinterließen Nachkommen. Von diesen begründeten Otto und Joh. Volprecht zwei besondere Linien. Otto Hartmann von G., gest. 1670 als Geheimrat und Statthalter zu Darmstadt, war der Vater von Georg Ludwig Sittig von G., hess.⸗kasselscher Generalmajor, bekannt durch die ruhmvolle Verteidigung von Rheinfels gegen Tallard, 1692, und von Philipp Friedrich von G., gest. 1695 als Domherr zu Halberstadt. Sohn des letztern war Georg Heinrich von G., geb. 1668, der als Geheimrat und Hofmarschall in holstein. Diensten stand, als er 1706 eine Sendung an König Karl XII. von Schweden erhielt, der sich damals in Sachsen befand. Er erwarb sich bei dieser Gelegenheit das Vertrauen des Schwedenkönigs, trat nach Karls Rückkehr von der Türkei (1715) in dessen Dienste und wurde erst Finanz⸗, dann Premierminister. G. wurde zu den schwierigsten diplomatischen Sendungen verwendet, setzte Flotte und Armee in guten Stand, brachte aber Schweden durch seine finaniellen Maßregeln in die größte Münzverwirrung. Von Aland (s. d.) aus, wo er als einer der schwed. Bevollmächtigten mit Rußland um Frieden verhandelt hatte, war er auf der Reise, den König zu treffen, als er dessen vor Friedrichshall erfolgten Tod erfuhr. Auf Befehl des Prinzen Friedrich von Hessen-Kassel verhaftet, wurde G. nach Stocklaeun gebracht, von einer Kommission unter Veretzung aller Rechtsformen verurteilt und 12. März 1719 enthauptet. Die Anklage besagte, er habe den König Karl dem Senat und allen Kollegien verhaßt gemacht, ihn zu verderblichen Unternehmungen verleitet, besonders zu dem Einfall in Norwegen, schlechte Münze eingeführt und die ihm anvertrauten Summen übel verwaltet. Vgl. Moser, Rettung der Ehre und Unschuld des Freiherrn von Schlitz, genannt von G.» (Hamb. 1782). Der obenerwähnte Joh. Volprecht, gest. 1677, ist der Ahnherr der beiden noch b ühenden gräfl. Linien. Von seinen Söhnen ward Johann von G., geb. 1644, gest. 1699, hess.⸗Kasselscher Geheimrat und Kammerpräsident, 1677in den Reichsfreiherrenstand erhoben, während dessen Bruder, Friedrich Wilhelm von G., geb. 4. Juni 1647, gest. 26. Sept. 1728 als kurbraunschw. Premiermummister, Kammer⸗ und Kriegspräsident und Plenipotentiar bei der Krönung Karls VI., 1726 die reichsgräfl. Würde erhielt. Die Nachkommen Johanns starben 1724 aus; die beiden Söhne Friedrich Wilhelms, Johann und Ernst August, sind die Begründer der beiden gräfl. Linien zu Schlitz und zu Rittmarshausen. Der Linie zu Schlitz, die 1804 in das Wetterauische Reichsgrafenkollegium aufgenommen wurde und durch Bundesbeschluß seit 1829 das Prädikat Erlaucht führt, gehörten an: Graf Friedrich Karl Adam von G., geb. 1733, gest. 1797 als preuß. General der Kavallerie, und dessen Bruder, Graf Johann Eustach von Görtz (s. d.). Der Sohn des Familienhauptes Grafen Georg, Graf Karl Heinrich von G., geb. 2. Nov. 1752, gest. 10. Dez. 1826, war sächs. Bundestagsgesandter. Jetziger Chef dieser Linie ist Graf Karl von Schlitz, genannt von G., Enkel des vorigen, geb. 15. Febr. 1822, großherzogl. hess. Generalmajor à la suite und Präsident der hess. Ersten Kammer. Er war roßherzogl. hess. Gesandter am königl. preuß., ächs., hannov. und kurhess. Hofe und schrieb Reise um die Welt in den Jahren 1844—475 (3 Bde., Stuttg. 1852—54). Die jüngere gräfl. Linie, inolge Verheiratung mit der Erbtochter des Hauses risberg seit 1737 Görtz-Wrisberg zubenannt, wird gegenwärtig durch den Grafen Plato von G.⸗Wrisberg, geb. 24. Mai 1816, vertreten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 210Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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