Zichy von Väsonykeö (spr. Sitschi), eine der ältesten und berühmtesten ungar. Familien, seit 1210 vielfach in der Landesgeschichte genannt und 1679 in den Grafenstand erhoben. Im 18. Jahrh. teilte sich das Haus durch die Brüder Johann II. und Stephan II., beide Söhne Johanns I., in zwei Linien: die zu Palota und die zu Karlburg. Die Linie Palota schied sich durch die drei Söhne des Stifters, Sigismund, Johann (III9 und Nikolaus (gest. 1826), in drei Zweige: 1) den Zweig zu Adony und Szent-Miklos; 2) den Zweig zu Nagy-Long; 3) den Zweig zu Palota. Die Linie Karlburg ward gestiftet durch Graf hinterlleh⸗ geb. 1715, gest. 1760, der drei Sohne hinterließ: 1) Graf Franz 3., geb. 1751, gest. 1812, der Urgroßvater des gegenwärtigen Hauptes dieses Familienzweigs, des Grafen Ladislaus 3. geb. 11. Sept. 1830. Einer der Großoheime des letztern, Graf Eugen Z., geb. 25. Sept. 1809, war Administrator des Weißenburger Komitats, ging während der ungar. Insurrektion mit dem Erzherzog Palatin nach Stuhlweißenburg und blieb nach —— Abzuge in dieser Stadt. Des Einverständnisses mit den anrückenden österr. Truppen und des Versuchs zur Verteilung kaiserl. Proklamationen bezichtigt, wurde er von den Insurgenten gefangen genommen, 30. Sept. 1848 auf der Iusel Esepel vor ein Standgericht gestellt, dem Görgei präsidierte, verurteilt und hingerichtet. Ein Oheim des Familienhaupts, Graf Franz Z., geb. 24. Jan. 1811, fungierte als Sekretär der ungar. Hofkanzlei, war dann Vizestatthalter in Fiume und 1811 Präsident des Wechselgerichts zu Preßburg. Nachdem er 1848 Staatssekretär im Handelsministerium unter Szechenyi gewesen war, trat er bei Beginn der Revolution zurück, war aber 1874 bis 1880 österr.⸗ung. Botschafter in Konstantinopel. Ein Bruder dieses Grafen Freih war der durch seine Beteiligung am ungar. Freiheitskriege 1848/49 bekannte Major Graf Leopold 3., geb. 10. Juli 1805, gest. 9. März 1869. Dessen Sohn Geza Graf 3., geb. 23. H1 1849, ist ein berühmter Klaviervirtuos. Obgleich im Alter von 16 Jahren durch einen Jagdunfall des rechten Arms beraubt, widmete er sich doch nach Vollendung seiner jurist. Studien ganz der Musik, namentlich unter Liszts Leitung. Als Virtuos mit der linken Hand leistet er Außerordentliches und erregte in Wien, Pest und Paris allgemeine Sensation. Auch hat Z. Lieder, Etuden. Chorwerke u. s. w. komponiert. Z. ist Präsident des ungar. Nationalkonservatoriums. 2) Graf Karl Z., ein ausgezeichneter österr. Staatsmann, geb. 4. März 1753 zu Preßburg, wurde 1786 Obergespan im Komitat Raab, Präsident der ungar. Hofkammer, 1788 Judex curiae, in welcher Stellung er sich große Verdienste um die Beruhigung Ungarns erwarb, und erhielt 1802 das Präsidium der allgemeinen Hofkammer und damit zugleich die Leitung der Finanzen. Hierauf wurde er 1808 Staats⸗ und Konferenzminister und 1809 Kriegsminister. Während der Kriegsjahre von 1813 und 1814 war er mit der Leitung der innern Staatsangelegenheiten beauftragt. Auf den ungar. Landtagen galt er als eins der ausgezeichnetsten Mitglieder. Er starb zu Wien 18. Sept. 1826. Sein ältester Sohn, Graf Franz 3.⸗Ferraris, eb. 25. Juni 1777, starb 6. Okt. 1839 als österr. Feldmarschalllieutenant. Dessen jüngerer Bruder, Graf Karl Z., geb. 20. Juni 1778, war ungar. Schatzmeister, Präsident der ungar. Hofkammer und Obergespan des Wieselburger Komitats und starb 15. Dez. 1834, mit Hinterlassung von 14 Söhnen und Töchtern. Ein dritter Bruder, Graf Ferdinand 3., geb. 13. Mai 1783, Feldmarschalllieutenant und Festungskommandant von Venedig, tapitulierte nebst dem Grafen Palffy 22. März 1848 mit den Insurgenten und legte die Civil⸗ und Militärregierung der Stadt in die Hände derselben. Deshalb vor Gericht gestellt, wurde er im Juni 1849 zur Cassation, zum Verlust aller Orden und u zehnjähriger Festungsstrafe verurteilt, aber im Jan. 1851 vom Kaiser begnadigt. Er starb 7. Okt. 1862 zu Preßburg. Gegenwärtiges Haupt dieser Linie ist der Enkel des Grafen Franz, Ludwig, geb. 11. Aug. 1844. 3) Graf Stephan, geb. 14. Juli 1757, starb 30. Juni 1841. Sein Sohn, Graf Stephan 3., geb. 13. April 1780, war eine Zeit lang österr. Botschafter in Petersburg und starb 8. Juni 1853 zu Wien, ohne Söhne zu hinterlassen. MebtandGen s. Seelowitz.