FeedErdödy
GeschichteBrockhaus 1882

Erdödy, ungar. Grafengeschlecht, über dessen andercer die Meinungen der Genealogen auseinander gehen. Die einen erblicken in Nikolaus Bakäcs den Stammvater, dessen Söhne von König Matthias I. (Corvinus) 1489 geadelt wurden und das Prädikat ede Erdöde (ihr Geburtsort im Szathmärer Komitat) angenommen haben sollen. Als die Familie später die Besitzung Monyorokerek (d. i. Eberau) im Eisenburger Komitat erhielt, nannte sie sich «Erdödy von Monyorökeréekꝰ. Nach einer andern Version stammt das Geschlecht aus Siebenbürgen und reicht bis ins 13. Jahrh. zurück. Einer dritten Ansicht zufolge verdankt die Familie ihr Emporkommen dem Kardinal-Erzbischof Thomas Bakäcs (s. d.), dessen Bruder Nikolaus (nach andern zalentin) Bakäcs als Stammvater der Familien C. und Pälffy betrachtet wird. Bis auf Peter II. (gest. 1566) führte die Familie den Titel Freiherren von Monyorokerék; Peter II. wurde mit dem Prädikat «„von Monyoßlos in den Grafenstand erhoben. Gegenwärtig blüht das Geschlecht in zwei Linien, von denen die ältere in zwei Stämme zerfällt; eine britte Linie erlosch im . 1824 mit dem Grafen Joseph III., ungar. Hofkanzler. Die Familie E. ist in Ungarn und Slawonien reich begütert; sie besaß vordem auch die Erbobergespanswürde des Warasdiner Komitats und die Erbhauptmannschaft der Stadt und des Schlosses Warasdin und hat sowohl dem Staate wie der Kirche zahlreiche hervorragende Männer gegeben. Die bekanntesten Mitglieder des Geschlechts sind-Alexander E., geb. 10. Aug. 1804, zeichnete sich auf den ungar. Landtagen 1839/40 und 1813/44 als oppositioneller Redner aus; 1848 bot ihm Graf Ludwig Batthyänyi das erledigte Ministerportefeuille um die Person des Monarchen an, das der Graf jedoch ablehnte. Er zog sich von dem Schauplatze der Politik zurück und starb im Jan. 1881 auf Vep bei Steinamanger in Ungarn. — Gabriel Anton E., Bischof von Erlau (gest. 1744), ein Hauptführer der Katholikenpartei, eifriger Beförderer und Gönner der Jesuiten, heftiger Gegner und Bekämpfer der Protestanten. — Georg Leopold E., ungar. Kronhüter und den denkn Magnat, machte sich insbesondere auf dem denkwürdigen ungar. Reichstage von 1741 durch seine entschiedene Loyalität und Opferwilligkeit, sowie danertt bemerkbar, daß er den Trennungsgelüsten seiner roat. Standesgenossen entschieden opponierte, indem er Kroatien kurzweg als einen Bestandteil von Ungarn erklärte. Er starb 1758. — Georg E. (geb. 17. —— 1785, gest. 3. Sept. 1859), k. k. Kämmerer, Beheimrat, erhielt durch seine Gemahlin Maria Otholine Gobertion, Reichsgräfin Aspremont-Linden und Baindt (vermählt 22. Febr. 1807), die Güter dieser reichsgräfl. Familie in Deutschland und damit die deutsche Standesherrenschaft. Aus dieser Ehe stammen drei Töchter und drei Söhne: Stephan (geb. 27. Sept. 1813), Ludwig (geb. 6. Dez. 1814) und Karl (geb. 1816, gest. 1864). — Johann Nepomuk E. (geb. 10. Jan. 1794), k. k. Kämmerer, Erbobergespan von Warasdin, lönigl. Statthaltereirat, im J. 1848 Gouverneur von Fiume, war Anhänger der ungar. Revolution und Gegner der kroat. Ansprüche und als ausgezeichneter lat. Redner bekannt. Er starb 2. Mai 1879. — Niklas (Nikolaus) E., Banus von Kroatien, enthüllte im März 1670 die Verschwörung der Grafen Peter Zrinyi (s. d.) und Frangipani (s. d.), wurde 1687 Banus von Kroatien und erfocht im J. 1691 bei Kostajnitza einen glänzenden Sieg über die Türken. — Simon E., Bischof von Agram (gest. 2. Juni 1543), hervorragender Parteigänger in den Kämpfen zwischen Ferdinand von Ssterreich und Johann Szapolya; erst stand er auf seiten Ferdinands, als dieser jedoch seine persönlichen Ansprüche nicht befriedigte, schlug er sich zur Partei des Gegenkönigs. — Thomas E., Banus von Kroatien und kaiserl. Feldmarschall (geb. 1558, gest. 17. Jan. 1624), kämpfte 1585—95 wiederholt siegreich gegen die Türken, erhielt als Belohnung 1596 die Erbobergespanschaft von Warasdin, wurde später Tavernikus (Oberstschatzmeister) in Ungarn; er erwarb die Herrschaft Monyorökerek (Eberau).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 273Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6