Eulenspiegel (Till oder Tyll) ist der Held eines bis auf den heutigen Tag immer wieder neugedruckten, auch vielfach übersetzten deutschen Volksbuchs, welches in beinahe 100Historien seine oft sehr derben und schmutzigen Späße, Schalkheiten und losen Streiche erzählt. Wahrscheinlich hat es ein niederdeutsches Gedicht über E. vom J. 1483 gegeben, nach welchem dann, vielleicht schon w1500, das hochdeutsche prosaische Volksbuch gearbeitet worden ist. E. soll nach dem Volksbuch in dem Dorf Kneitlingen (im Herzogtum Braunschweig) geboren und 1350 zu Mölln (im Herzogtum Lauenburg) gestorben sein. Diese Angaben werden ganz richtig sein, und E. wird manche der von ihm erzählten Schwänke wirklich ausgeführt haben, aber es sind dann im Laufe der Zeit viele andere Schwänke reisender Handwerksburschen und sonstiger fahrender Leute, ältere und neuere, fremde und einheimische, auf ihn übertragen worden. Schon im 16. Jahrh. ist ein angeblicher Grabstein E.s in Mölln zu sehen gewesen; der jetzt noch vorhandene aber scheint eine Erneuerung jenes alten zu sein und aus dem 17. Jahrh. zu stammen. Ob E. (niederdeutsch Ulenspegel) wirklich Tills Familienname oder ein ihm später gegebener, noch nicht befriedigend erklärter Beiname gewesen, muß dahingestellt bleiben. Den straßburger Druck des E. vom J. 1519, der damals der älteste bekannte war, hat Lappenberg unter dem Titel Dr. Thomas Murners Ulenspiegelo (Lpz. 1854) mit wertvollen litterarischhistor. Abhandlungen und Erläuterungen herausegeben, doch ist die Annahme von Murners Verfaserschaft nicht stichhaltig. Seitdem ist ein älterer straßburger Druck vom J. 1515 im Britischen Museum in London nachgewiesen, leider aber noch nicht wieder abgedruckt worden. Simrock hat 1878 unter dem Titel Ein kurzweilig Lesen von Till E. Nach den ältesten Ausgabenv (Frankf. a. M.) eine gute Erneuerung des E. gegeben, dabei aber von der Ausgabe von 1515 noch nichts gewußt. Mehrere moderne Dichtungen, in deren Titel der Name E. vorkommt, knüpfen zwar irgendwie an E.s Charakter oder Person an, sind sonst aber ganz selbständig und spielen in der Gegenwart, so die Dichtung von Julius Wolff «Till E. Redivivus. Ein Schelmenlied „ (Berl. 1875; 7. Aufl. 1879).