FeedEuler (Leonh.)
ReligionBrockhaus 1882

Euler (Leonh.), einer der ausgezeichnetsten Mathematiker, geb. zu Basel 15. April 1707, erhielt von seinem Vater, Paul E., der seit 1708 Prediger zu Riechen war, den ersten Unterricht in der Mathematik. Auf der Universität zu Basel genoß er den Unterricht Joh. Bernoullis und war mit Dan. und Nik. Bernoulli befreundet. Im 19. Jahre erhielt E. das Accessit des Preises, den die pariser Akademie der Wissenschaften auf die beste bt hatt, lung über das Bemasten der Schiffe belde atte. Durch die Bernoulli, die Katharina I. bei der Stiftung der petersburger Akademie berufen hatte, wurde auch E. veranlaßt, nach Petersburg zu gehen, wo er 1730 die Professur der Physik erhielt, die er 1733, als Daniel Bernoulli nach der Schweiz zurückkehrte, mit einer Stelle bei der Akademie vertauschte. Seitdem arbeitete er mit bewunderungswürdigem Talent und seltener Fruchtbarkeit im Fache der Mathematik. Mehr als die Hälfte der mathem. Abhandlungen in den 46 Quartbänden, welche die petersburger Akademie von 1727—83 erausgab, sind von ihm, und bei seinem Tode interließ er noch über 200 ungedruckte Abhandungen, welche die Akademie nach und nach erscheinen ließ. Von der Akademie der Wissenschaften zu Paris, die ihn 1755 zu einem ihrer auswärtigen Mitglieder ernannte, wurde ihm zehnmal der Preis zuerkannt; so z. B. 1740 für die Schrift Inquisitio physica in causam fluxus ac refluxus marisv. Er folgte 1741 einem Rufe Friedrichs d. Gr. an die Akademie der Wissenschaften zu Berlin als Lehrer der mathem. Wissenschaften, kehrte aber 1766 nach Petersburg zurück und starb daselbst 18. Sept. 1783 als Direktor der mathem. E der Akademie, nachdem er bald nach seiner Rückkehr nach Petersburg völlig erblindet war. Sein Aufenthalt zu Petersburg bestimmte ihn, die Mathematik auch auf die Erbauung und Lenkung der Schiffe anzuwenden, und so entstand seine Théorie complète de la construction et de la manœuvre des vaisseauxo (Petersb. 1773). Die wichtigen Fragen über das Weltsystem, welche Newton seinen Nachfolgern aufzulösen hinterlassen heer und physik. Fragen waren Hauptgegenstand einer Forschungen. In seinen Lettres à une princesse d'Allemagne sur quelques sujets de physique et de philosophies (3 Bde., Berl. 1768 —72; neue Ausg. von Labey, 2 Bde., Par. 1812; deutsch von Kries, 3 Bde., Lpz. 1792—94; mit Zusätzen von Müller, 3 Bde., Stuttg. 1846—48) hat er ein Muster von populärer Darstellung wissenschaftlicher Gegenstände gegeben. Unter seinen zahlreichen mathem. Schriften sind zu nennen: Theoria motuum planetarum et cometarumo (Berl. 1744; deutsch von Pacassi, Wien 1781), Introductio in analysin infinitorum (2 Bde., Lausanne 1748; deutsch von Michelsen, 3 Bde. Berl. 1788 91; neue Aufl. 1836), die für E.s Hauptwerk geltenden Institutiones calculi differentialiss (2 Bde., Berl. 1755; neue Aufl., 2 Bde., Petersb. 1804; deutsch von Michelsen, 2 Bde., Berl. 1790—-98), (Mechanica sive motus scientia analytice expositay (2 Bde., Petersb. 1736—42; deutsch bearbeitet von Wolfers, 2 Bde., Greifsw. 1850), «Institutiones calculi integraliso (3 Bde., Petersb. 1768—70; 3. Aufl. 4 Bde., 1824—47; deutsch von Salomon, 4 Bde. Wien 1828—30), die „Anleitung zur Algebraz (2 Bde., Petersb. 1771; neue Aufl. von Ebert, Berl. 1801), die Dioptricas (3 Bde., Petersb. 1769—71) und die Opuscula analytica (2 Bde., Petersb. 1783—85). C.s „Correspondance (2 Bde., Petersb. 1843) gab P. H. Fuß, eine Sammlung der Commentationes arithmeticae (2 Bde., Petersb. 1849) derselbe mit N. Fuß heraus. Vgl. Fuß, Eloge de M. Léonard E. (Petersb. 1783; deutsch, Basel 1786). Von den 13 Kindern E.s verdient Erwähnung: Johann Albert E., geb. 8. Dez. 1734 zu Petersburg, est. 18. Sept. 1800 daselbst als Professor und Aufeher der Militärakademie, der sich als Astronom, Mathematiker und 4—17 bekannt gemacht hat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 421Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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