FeedEuménes
GeschichteBrockhaus 1882

Euménes, ein Grieche aus Kardia im thrazischen Chersonesos, aus guter Familie (geb. um 363 v. Chr.), wurde, noch nicht 20 J. alt, von Philipp von Macedonien zum Geheimschreiber ernannt und genoß ebenso sehr das Vertrauen Philipps als seines Sohnes Alexander. Nach dem Tode des letztern 323 v. Chr. setzte ihn (322) Perdikkas, der Reichsverweser, dem er sich treu angeschlossen hatte, mit Waffengewalt in die ihm bei der Verteilung der Provinzen zugefallene Statthalterschaft von Kappadocien (und Paphlagonien) ein. E., dessen große militärische Begabung in Alexanders Stabe ausgezeichnet geschult worden war, Perd über Krateros, als dieser mit Antipater gegen erdikkas zog, 321 in einer Schlacht, in der Krateros selbst und sein Verbündeter, Neoptolemos don Armenien, fielen. Antigonos, dem nach des d Berdikkas Ermordung Antipater den Krieg gegen i C. aufgetragen hatte, wußte den größten Teil der macedon. Soldaten (320) dem Griechen abtrünnig zu machen, vermochte aber die Bergfeste Nora ink Kataonien, in der E. sich über ein Jahr hielt, nicht zu erobern. Nach Antipaters Tod 319 versuchte d Antigonos den E. für sich gegen Polysperchon, der r jenem als Reichsverweser gefolgt war, und gegen t das macedon. Königshaus zu gewinnen, aber ver-k geblich. E. entkam aus Nora, war siegreich in Ci-f licien und Phönizien und wandte 107 als Antigonos selbst 317 gegen ihn zog, nach Susiana, dann i nach Parätakene und Gabiene. Hier wurde er, ohne besiegt zu sein, von seinen macedon. Soldaten verräterisch 316 dem Feinde ausgeliefert und von diesem getötet. Biographien des E. sind überliefert von Plutarch und Cornelius Nepos. Den Namen E. führen auch zwei Regenten von Pergamon, von denen (neben C. I., 262—241 v. Chr., dem zweiten pergamenischen Herrscher) namentlich E. II., der älteste Sohn und seit 197 v. Chr. der Nachfolger des Königs Attalos I., bekannt ist. Wie sein Vater war er den Römern ergeben. Zum Dank für die Hilfe, die er ihnen im Kriege gegen Antiochos d. Gr. von Syrien geliefert hatte, erhielt er von ihnen nach dem Siege 188 v. Chr. den thrazischen Chersones und fast ganz Asien diesseit des Taurus; auch die Streitigkeiten, in die er mit Prusias von Bithynien und mit Pharnaces von Pontus, sowie mit den + geriet, die über seine Bedrückungen 172 vergeblich in Rom Beschwerde führten, wurden durch die Römer zu seinem Vorteil entschieden. Als aber Macedonien 167 v. Chr. niedergeworfen und E. so den Römern diesem 1 entbehrlich geworden war, änderte sich oms Politik gegen ihn; es hieß, daß in dem Kriege gegen Perseus von Macedonien, zu dem er vornehmlich durch seine Klagen den Römern erwünschten Anlaß gegeben, Iam Treue sich schwankend gezeigt Keut und Rom begünstigte nunmehr die asiat. Kelten (Galater), mit denen er in Krieg geraten war, indem es sie für unabhängig erklärte. Rom suchte, wiewohl vergeblich, seinen Bruder Attalos gegen ihn aufzuwiegeln und nahm die Klagen, die der König von Bithynien, sowie mehrere asiat. Städte über ihn führten, bereitwillig an. Bevor es zu einer Entscheidung kam, starb E. 159 v. Chr. Die pergamenische Bibliothek, die sein Vater gegründet, vermehrte E. ansehnlich, wie er sich überhaupt als Freund der Wissenschaften und Bildung auszeichnete.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 422Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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