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Sitten & ModeBrockhaus 1882

Eunuchen, im allgemeinen gleichbedeutend mit Castraten (s. Castration), werden besonders die Verschnittenen genannt, welchen im Orient die 6.(0. über die Harems anvertraut ist. Die Sitte, C. (d. h. Betthüter) als Frauenwächter zu halten, ist eine Folge der Vielweiberei; sie wird daher besonders im Orient und Nordafrika angetroffen. In Ländern, wo Monogamie Sitte, kam sie nur vor, wenn asiat. Wollüste und Sitten eindrangen, wie „B. in der röm. Kaiserzeit, insbesondere der der yzant. Kaiser. Die Sitte der Entmannung zu dem wecke, Haremswächter zu gewinnen, ist sehr alt. rien und Kleinasien waren in dieser Beziehung besonders berühmt. In Griechenland gewann die Sitte, E. zu halten und zu machen, weniger Ausbreitung, weil, wenn auch orient. Absonderung der Weiber, doch eigentliche Vielweiberei daselbst nicht heimisch war. Von den spätern Römern wurden E. zwar gehalten, doch die Verschneidung, um solche zu gewinnen, war bei ihnen nicht gebräuchlich. Dagegen herrschte im Byzantinischen Reiche die Gewohnheit, E. zu halten und zu machen, desto mehr. Diese Verschnittenen spielten am oström. Hofe, wo sie namentlich die hohe und einflußreiche Stelle eines Vorgesetzten des heiligen Schlafgemachso zu bekleiden pflegten, eine große Rolle und waren häufig die Günstlinge der Kaiser und Großen. Gegenwärtig ist die Sitte, E. zu halten und zu machen, vorzüglich noch unter den mohammed. Völkern, denen das Gesetz die Polygamie förmlich gestattet, im Schwange. Man findet bei ihnen zweierlei C., weiße, welchen bloß die Hoden, und schwarze, denen alle Geschlechtsteile genommen sind. Letztere bezieht man als Sklaven aus dem Innern Afrikas; ihr Oberhaupt am türk. Hofe ist der Kislar⸗-Aga.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 424Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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