Gravelotte, Kirchdorf mit (1880) 650 E., im Kanton Gorze des Landkreises Metz im Bezirke Lothringen, 10 km westlich von Metz unweit der franz. Grenze auf der Hochfläche zwischen der Mance und dem Gorzefluß dort gelegen, wo sich die über Conflans nach Etain führende Straße von der von Metz nach Verdun führenden abzweigt, ist geschichtlich denkwürdig geworden während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871. Die Schlacht von Gravelotte—St.⸗Privat, die dritte der drei großen Schlachten in der Umgegend von Metz (anfangs oft Schlacht von Rezonville genannt), wurde 18. Aug. 1870 geschlagen. In G. befand sich 16. Aug. während der Schlacht von Vionville-Mars-la-Tour (s. d.) das Hauptquartier der franz. Rheinarmee nebst der Kaisergarde. Marschall Bazaine war mit seinem Stabe schon am 15. abends eingetroffen und erließ von G. aus den Tagesbefehl für den folgenden Tag. Von G. aus verließ 16. Aug., morgens 6 Uhr, Kaiser Napoleon die Rheinarmee und begab sich zu Wagen unter Bedeckung einer Garde-Kavalleriebrigade nach Doncourt und von dort aus, nachdem die Brigade Marguerite die Bedeckung abgelöst hatte, nach Verdun, von wo er mit der Bahn nach Chälons weiter reiste. Am 16. abends erließ Marschall Bazaine von G. aus den Befehl an die Rheinarmee, in die Stellung vor Metz zurückzugehen, um die verbrauchte Munition und Verpflegung zu ergänzen. Diese Bewegung wurde am 17. ausgeführt, und 18. Aug. stand die Rheinarmee, den Rücken gegen Metz und die Mosel gewendet, folgendermaßen: auf dem rechten a M das 6. Korps von Roncourt bis St.⸗Privat-la-Montagne, dann das 4. Korps bei Amanvillers, das 3. Korps in der Linie La Folie, Leipzig, Moscou, das 2. Korps von Point-du-Jour bis Rozerieulles, Brigade Lapasset vom 5. Korps bei Ste.⸗Ruffine. In zweiter Linie standen hinter dem rechten Flügel die Kavallerie des Generals Du Barail östlich von St.⸗Privat-la-Montagne, hinter dem linken Flügel die Kavalleriedivision Forton bei Longeau; als allgemeine Reserve waren die Kaisergarde vor den Westfronten der Forts Plappeville und St.Quentin, dahinter zwischen diesen Forts und der Vorstadt von Metz die Reserveartillerie aufgestellt. König Wilhelm war am 17. auf dem Schlachtfelde von Vionville —Mars-la-Tour eingetroffen und hatte mittags beschlossen, die franz. Rheinarmee am folgenden Tage anzugreifen. Der Vormarsch sollte in aller Frühe beginnen. Die deutschen Vorposten sahen am 17. und am Morgen des 18. starke franz. Streitkräfte auf den Höhen bei Point-du-Jour stehen, hatten aber weiter westlich die Fühlung mit dem Feinde verloren. Der deutsche rechte Flügel und der französische linke standen einander am Gehölz von Vaur auf Gewehrschußweite gegenüber, während die beiden andern Flügel der feindlichen Heere am Morgen des 18. Aug. ein Raum von 18 km trennte. Deshalb gestaltete sich der Vormarsch des deutschen Heeres, welcher 18.Aug. zur Schlacht führte, zu einer großen Rechtsschwenkung, und deshalb konnte die Umfassung des französischen rechten Flügels bei Roncourt und St.⸗ Privat-la-Montagne, durch welche die Entscheidung der Schlacht bewirkt worden ist, erst gegen Abend stattfinden. Die Truppen des deutschen Heeres lagerten am Morgen des 18. Aug. in folgenden Stellungen: Das 7. Armeekorps zwischen G. und Ars a. d. Mosel im Thale der Mance, mit im Moßel im Gehölz von Vaux, eine Brigade deckte im Moselthale die von Ars nach Metz führende Straße; das 8. Armeekorps nordöstlich von Gorze an der Straße nach Rezonville; das 9. Armeekorps auf der Hochfläche westlich des Gehölzes von Vionville; das 3. Armeekorps nebst der 6. Kavalleriedivision bei Vionville und Flavigny, sowie bei Burières und Chambley; das 10. Armeekorps bei Tronville; die 5.Kavalleriedivision hinter Tronville; das 12. Armeekorps südlich von Mars-la-Tour und bei Puxieux; das Gardekorps südlich von Hannonville; das 2. Armeekorps befand sich im Marsche von Pont-à-Mousson nach Buxières. Auf dem rechten Moselufer war das 1. Armeekorps mit Kavallerie zur Beobachtung der Festung Metz stehen geblieben. Um 5½ Uhr morgens traten die in erster Linie stehenden Korps der deutschen Zweiten Armee den Vormarsch gegen die Straße G.⸗Jarny an, und um 6 Uhr rückte das 8. Armeekorps von Gorze nach Villers-aux-Bois vor. Um 8 Uhr hatte man im Großen Hauptquartier erkannt, daß die franz. Rheinarmee westlich von Metz eine Stellung bezogen habe; doch vermutete man deren rechten Flügel bei Amanvillers und beschloß darauf hin, mit der Ersten Armee (7. und 8. Korps) in der Front, mit dem 9. Armeekorps den rechten Flügel anzugreifen und das Gardekorps hinter dem 9. Korps als Reserve folgen zu lassen; die übrigen Korps sollten dort, wo sie ständen, halten. Um 10 Uhr ließ Prinz Friedrichj Karl von Preußen das 9. Armeekorps von Caulre Ferme auf Verneville und La Folie vorrücken und befahl dem Gardekorps, bis Verneville zu folgen, während gleichzeitig Abteilungen des 7. und 8. Armeekorps gegen die Vortruppen des franz. linken Flügels zu plänkeln begannen. Um 10½ Uhr wurde im Großen Hauptquartier beschlossen, die Hochfläche zwischen Point-du-Jour und Montigny-la-Grange durch die Erste Armee vom Gehölze von Vaux und G. her, durch das 9. Armeekorps vom Gehölze von Genivaux und Verneville her und durch die Korps des linken Flügels der Zweiten Armee von Norden her anzugreifen; die Erste Armee sollte erst angreifen, wenn die Zweite neben ihr zum Angriff aufmarschiert sein würde, und der Zweiten Armee wurde empfohlen, das 12. Armeekorps und Gardekorps auf Batilly vorrücken zu lassen. Um 11½ Uhr befahl Prinz. Friedrich Karl, das Gardekorps solle sich mehr nördlich schieben und dann auf Amanvillers marschieren, das 12. Armeekorps solle nach Ste.Marie-aur-Chenes rücken. Das 9. Armeekorps führte bei Verneville den Kampf zunächst durch Artillerie, und das Gardekorps wurde benachrichtigt, daß es bis nach Habonville hin ausgreifen könne, auch wurde dem im Anmarsche befindlichen 2. Armeekorps der Befehl erteilt, nach Rezonville zu rücken. Noch immer nahm das Große Hauptquartier an, der feindliche rechte Flügel stehe bei Amanvillers. Gegen Mittag fielen bei Verneville die ersten Kanonenschüsse von seiten des 9. Armeekorps gegen die noch im Lager bei Amanvillers stehenden franz. Truppen, welche zwar keines Angriffs gewärtig waren, das Feuer jedoch schnell erwiderten und gegen die deutsche Artillerie bald selbst zum Angriffe vorrückten. Auch bei St.⸗Privat-la-Montagne eröffnete franz. Artillerie das Feuer, und man erkannte, daß sich der rechte Flügel der franz. Stellung viel weiter nach Norden hin ausdehne, als bisher angenommen worden war. Auch das 8. Armeekorps ging nunmehr von Villers-aux-Bois und Rezonville her zum Angriff vor, unterstützt durch das Feuer der Artillerie der 14. nfanteriedivision, welche südlich von G. aufmarschiert war. Gegen 200 deutsche Geschütze standen von G. bis Vernéville im Feuer, obschon die Umfassung des franz. rechten Flügels noch nicht hatte stattfinden können. Die deutschen Batterien wurden von der in gedeckter Stellung befindlichen franz. Infanterie mit Gewehrfeuer überschüttet, und die deutsche Infanterie mußte deshalb zum Schutze der Artillerie vorrücken. Auf der ganzen Front entbrannte ein überaus heftiger Kampf, nur der äußerste —.Hei Flügel des deutschen Heeres (7. Armeekorps) beschränkte sich auf die Verteidigung seiner Stellung und zog die bisher im Thale der Mance belassene 25. Infanteriebrigade nach G. heran. Beim 9. Armeekorps hatte der linke Flügel der langen Geschützlinie der örtlichen Verhältnisse ween etwas vorgezogen werden müssen, um wirksam senern zu können, und erlitt dadurch schweren Verlust; die Infanterie dieses Korps nahm in hartem Kampfe die letzten zum Gehölz de la Cusse gehörigen Waldstücke und gegen 3 Uhr nachmittags auch Ferme Champenois, worauf jedoch der Kampf auf diesem Teile des Schlachtfeldes zum Stehen kam. Das Gardekorps war inzwischen bei Habonville und St.⸗Ail aufmarschiert und hatte seine Artillerie zur Unterstützung des 9. Armeekorps ebenfalls gegen die Front der franz. Stellung in Feuer gesetzt, und das 12. Armeekorps marschierte auf dem rechten Ufer der Orne gegen Auboué und gewahrte hierbei, daß sich der rechte Flügel der franz. Stellung bis nach Roncourt ausdehne. Teile des 12. Armeekorps und der 1. Garde-Infanteriedivision mar: welches nach lebhaftem Kampfe um 3½ Uhr nachmittags genommen wurde. Den um das eroberte Dorf vorgehenden Artillerielinien gelang es, die franz. Batterien bei St.⸗Privat-la-Montagne bis gegen 5 Uhr größtenteils zum Schweigen zu bringen, und auch in der Front des 9. Armeekorps unterlag um diese Zeit die franz. Artillerie trotz ihrer vorteilhaften Stellung dem besser geleiteten deutschen Geschützfeuer; doch hatte gegen 4½ Uhr Prinz Friedrich Karl der schwer bedrängten Infanterie des 9. Armeekorps die 3. Garde-Infanteriebrigade zu Hilfe gesendet. Gegen 5 Uhr traten die drei übrigen Garde-Infanteriebrigaden von Habonville und Ste.⸗Marie-aux-Chönes her den Vormarsch gegen St.⸗Privat-la-Montagne an. Dies zur Verteidigung trefflich geeignete Dorf war stark besetzt und noch nicht durch deutsche Artillerie beschossen worden; der Angriff der preuß. Garde-Infanterie erfolgte mit großer Entschlossenheit, mußte jedoch über völlig offenes Gelände stattfinden und kam infolge dessen zum Stehen. Fast das ganze franz. 6. Korps war bei St.⸗Privat zusammengezogen und die preuß. Garde erlitt außerordentlich starke Verluste durch das Gewehrfeuer der hinter Mauern und in Schützengräben liegenden Franzosen, wich indessen nicht zurück, sondern blieb im wirksamsten. Gewehrschuß vor dem Dorfe liegen und erwiderte das feindliche Feuer. — Auf dem rechten Flügel hatte General von Steinmetz gegen 5 Uhr den Versuch gemacht, das 7. Armeekorps durch den Engweg von St.⸗Hubert zum Angriff vorzuführen, obwohl ein Angriff des 8. Armeekorps auf Moscou Ferme um 4 Uhr zurückgewiesen worden war. Einige Batterien des 7. Armeekorps gelangten über den Engweg, doch wurde ein abermaliger Angriff auf Moscou Ferme abgeschlagen; auch scheiterte ein Versuch, dort die 1. Kavalleriedivision zur Attacke vorzuführen, am Feuer der franz. Infanterie. Die im Moselthale belassene Infanteriebrigade des 7. Armeekorps war gleichzeitig von Ars an der Mosel gegen Vaux vorgerückt, und am ——0 von Vaux wogte der Infanteriekampf hin und her. Die Franzosen versuchten Vorstöße gegen die Front des 7. Armeekorps, wurden jedoch mit großem Verlust zurückgewiesen. Das 12. Armeekorps hatte in wischen seinen Marsch zur Umfassung des rechten Flüels der Franzosen fortgesetzt und erstieg mit seinem inken Flügel um 6 Uhr nachmittags den Höhenrand bei Montois-la-Montagne, welches der Gegner bereits geräumt hatte. Auch Roncourt war nur noch schwach besetzt und wurde nach leichtem Gefecht von den Sachsen genommen, welche sich hierauf gegen St.⸗Privat wendeten und dies Dorf zunächst durch ihre Artillerie heftig beschossen. Auch die preuß. Gardeartillerie richtete ihr Feuer gegen St.⸗Privat-la-Montagne, während in der Front bei Amanvillers, Leipzig, Moscou, St.⸗Hubert und dem Gehölz von Vaux noch immer blutig gekämpft wurde, ohne daß eine Entscheidung herbeigeführt werden konnte. Auch die 3. Garde-Infanteriebrigade erlitt hierbei vor Amanvillers schwere Verluste. Gegen 6¼ Uhr abends drangen gleichzeitig die preuß. Garden und Truppen des 12. Armeekorps (Sachsen) stürmend in St.⸗Privat-la-Montagne ein und entschieden durch die Eroberung dieses Stügzpunktes die Schlacht zu Gunsten der deutschen Waffen. Das franz. 6. Korps unter Marschall Canrobert wich an die Ränder des Forstes von Jaumont und des Gehölzes von Feves zurück und riß auf seinem fluchtartigen Rückzuge auch den nördlich von Amanvillers stehenden rechten Flügel des 4. Korps mit fort. Marschall Bazaine hatte zwar der Kaisergarde den Befehl erteilt, zur Unterstützung des 6. Korps vorzurücken, doch vermochte dieselbe nicht mehr rechtzeitig heranzukommen und das Schicksal des Tags zu wenden. Teile des preuß. 10. Armeekorps, dessen Artillerie bereits am Nachmittag zur Unterstützung des 9. Armeekorps vorgegangen war, folgten den Garden nach St.⸗Privat, und das weitere Aufrollen der franz. Schlachtlinie ließ sich nicht mehr hindern, nachdem deren rechter Flügel geschlagen war. König Wilhelm hatte das bei Rezonville nach langem Marsche eingetroffene preuß. 2. Armeekorps durch den Grafen Moltke zur Unterstützung der Ersten Armee auf der großen Heerstraße über G. nach St.⸗Hubert vorführen lassen, und mit Einbruch der Nacht drang dies Korps stürmend gegen Point-du-Jour vor, während gleichzeitig die vordere Linie des 7. und 8. Armeekorps abermals angriffen; doch gelang es nicht, die Franzosen auf dem linken Flügel aus ihren Stellungen zu vertreiben, und die beiderseitigen Linien biwakierten, als die Nacht und die allgemeine Erschöpfung dem Kampfe ein Ende IN hatten, in geringer Entfernung voneinander. Marschall Bazaine hatte auf dem St.⸗Quentinberge der Schlacht beigewohnt und seine Aufmerksamkeit ausschließlich dem Verlaufe der Kämpfe auf dem linken Flügel zugewendet, woraus sich das verspätete Vorrücken der Kaisergarde erklärt. Als die im Moselthale belassene Infanteriebrigade des preuß. 7. Armeekorps um 5 Uhr nachmittags nach Vaux vordrang und darauf Jussy sowie die dortigen Höhen erstürmte, auch auf dem rechten Moselufer die 4. Infanteriebrigade des preuß. 1. Armeekorps sich den vorgeschobenen Werken von Metz näherte, ließ der Marschall einen Teil der franz. Reserveartillerie auf dem St.⸗Quentinberge auffahren und diese Truppen durch mehrere Batterien, sowie die Geschütze des Fort St.⸗Quentin beschießen. Die Nacht machte auch hier dem Kampfe ein Ende, und König Wilhelm verbrachte dieselbe in dem mit Verwundeten erfüllten G. auf einem Trainwagen des Großen Hauptquartiers. Am 19. Aug. früh räumten die Franzosen ohne Kampf die noch während der Nacht besetzt gehaltenen Teile ihrer Stellung und zogen sich hinter die Forts von Metz zurück, wo sie noch im Laufe desselben Tages vollständig eingeschlossen wurden. Hiermit war der Untergang der franz. Rheinarmee besiegelt. (S.“ Deutsch-Französischer Krieg von 1870 und 1871, Bd. V, S. 191, und die Tafel: Die Rämpfe um Metz zu Artikel Metz.) In der Schlacht von Gravelotte—St.⸗Privat 9 die beiden Heere außerordentlich starke Veruste erlitten. Das deutsche Heer war 178818 Mann Infanterie, 24584 Reiter und 726 Geschütze stark und verlor 899 Offiziere und 19260 Mann. Das franz. Heer war, abgesehen von der in Metz stehenden Besatzung, 120000 Mann stark und verlor 595 Offiziere und 12678 Mann. Die Nähe der Festung ermöglichte es dem geschlagenen Heere, alle Geschütze und Fahnen zu retten; nur 2000 Gefangene fielen in deutsche Hand.