FeedEschwege
ErdkundeBrockhaus 1882

Eschwege, Kreisstadt im Regierungsbezirk Kassel der preuß. Provinz Hessen-Nassau, Landgerichtsbezirk Kassel, in schönem, äußerst fruchtbarem Thale an der Werra in 171 m Höhe über dem Meere und an der Strecke Treysa-⸗Leinefelde (Linie Berlin-Koblenzer Bahn) der Preußischen Staatseisenbahn, 41 km südöstlich von Kassel, besteht aus der Alt- und Neustadt am linken Flußufer und der mit beiden Ufern durch zwei steinerne Brücken verbundenen Inselstadt Brückenhausen, und zählt (1880) 9001 E. (8169 Evangelische, 282 Katholiken, 531 Juden, 19 Andersgläubige). Sie ist der Sitz eines Landratsamts, eines Amtsgerichts, einer Eisenbahnbauinspektion, einer Spezialkommission, eines Untersteueramts, einer Reichsbanknebenstelle, hat ein altes 1380 erbautes, 1581 wiederhergestelltes Schloß (mit den Lokalitäten für verschiedene Behörden und Beamtenwohnungen), zwei evang. Kirchen, eine kath. Kapelle, eine Synagoge, zwei Hospitäler, ein Landkrankenhaus, ein Realgymnasium mit Progymnasium, eine höhere Töchterschule, zwei Bürgerschulen, eine Handwerlerschule, eine kath. und eine israel. Schule, eine Kreissparkasse, einen Vorschußverein, Gasanstalt und Eisenbahnmaschinen-Reparaturwerkstätte. Von dem von Karl d. Gr. gestifteten Cyriakuskloster, einem Nonnenkloster, steht nur noch der sog. Schwarze Turm. Dasselbe wurde mit dem 1278 gegründeten Augustinerkloster, einem Mönchskloster, von Philipp dem Großmütigen 1527 aufgehoben und zu Schulzwecken verwendet. Letzteres ist jetzt eine Bierbrauerei, die sog. Klosterbrauerei. Der Leuchtberg ist mit Anlagen bedeckt und bietet prächtige Aussichten. E. hat Obst⸗ und Tabaksbau und ist eine lebhafte Handels⸗ und Industriestadt, weshalb es auch das chessische Elberfeldo genannt wird. Besonders bedeutend ist die Lederfabrikation (40 Gerbereien; Sohlleder aus südamerik. Rinderhäuten), die Woll⸗ und Haarspinnerei, Wollzeug⸗,„ Flanell- und Leinweberei; auch die Cigarren⸗, Tabaks- und Olfabrikation, die Schlächterei (Handel mit Schinken und Würsten), Leim⸗ und Seifensiederei (Eschweger Seifen), Schuhfabrikation und die Bierbrauerei ist beträchtlich. Der jährliche Umsatz für wollene und baumwollene Waren ist auf 2 Mill. Mark, für Leder auf 2½ Mill. Mark und für Tabak auf 1 Mill. Mark zu veranschlagen. — E. soll angeblich schon zur Zeit Karls d. Gr. oder noch •7 gegründet worden sein, wird jedoch urkundlich zuerst im 10. Jahrh. erwähnt, gehörte damals zum thüring. Gau Eichsfeld, während der Hohenstaufenzeit war es eine Besitzung der Welfen und fiel dann an die Landgrafschaft Hessen, bei der es seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. verblieb. Im Mittelalter erscheint der Ort unter den Namen Eskineweg, Eskinwege, Eschinewage. Im J. 1637 hausten hier zwei Wochen lang die Kroaten. Der Kreis Eschwege, eine Berglandschaft an der Werra, zählt auf 502,47 ꝗkm (1880) 43 107 C. (40 809 Evangelische, 792 Katholiken, 1425 Juden, 59 Sektierer, 22 Andersgläubige), also 86 E. auf 1m; das Areal besteht der Bodenbenutzung nach aus 51 Proz. Acker⸗ und Gartenland, 33,4 Proz. Holzungen, 7 Proz. Wiesen, 4,5 Proz. Weiden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 351Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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