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GeschichteBrockhaus 1882

Eutin, Hauptstadt des zum Großherzogtum Oldenburg gehörigen Fürstentums Lübeck, in sehr fruchtbarer, wald⸗ und seenreicher Hügellandschaft zwischen dem Großen und Kleinen Eutinersee, 36 km nördlich von Lübeck, Station der Linie Neumünster-Neustadt der Ostholsteinischen Altona-Kieler) Eisenbahn und der C.⸗Lübecker Bahn, ist Sitz der großherzogl. Regierung des Fürstentums, einer Administration der großherzogl. Fideikommißgüter, der Landeskasse und Güterkasse, eines Amtsgerichts, eines Amts, eines Oberforstmeisters, eines Oberbauinspektors, einer Wegeinspektion, einer evang. Superintendentur, eines Katasterbüreaus, eines Untersteueramts, eines Postamts erster Klasse mit Telegraphie und des Verwaltungsrats der Eutin-Lübecker Bahn, zählt (1880) 4462 (als Gemeinde 4574) E., die Ackerbau, Viehzucht, Fischerei, Kunstgärtnerei mit Baumschulen, städtische Gewerbe und Handel mit landwirtschaftlichen Produkten treiben. Es finden sich hier zwei Maschinenfabriken, eine Wagenbauanstalt, vier Ofenfabriken, eine Flachsreinigungsanstalt nebst Holzschneiderei, eine Lohmühlel eine Dampfmahlmühle, zwei Dampfsägemühlen, zwei Ziegeleien, zwei Lohgerbereien und drei Brauereien. Die vorzüglichsten Bauwerke sind die alte Michaeliskirche mit spitzem Turm (schon vor 1155 erbaut), das 1791 erbaute Rathaus, das 1833 aufgeführte schöne Schulhaus und das geräumige großherzogl. Schloß mit Gemäldesammlung und schönem Park. Letzteres, unmittelbar am Großen See, bereits im 13. Jahrh. erbaut, wurde, nachdem es 1689 zum Teil abgebrannt, vom damaligen Bischof neu aufgeführt und in neuerer Zeit ch wäh verschönert; in demselben residiert alljährlich während einiger Monate der Großherzog. Auf dem Markt ist eine Denksäule an die Kriegsjahre 1870/71 errichtet. Die Stadt hat ein gutes Gymnasium, eine Mittelschule, eine höhn Töchterschule, eine Gewerbeschule, einen Vorchuß⸗ und Sparverein, eine Spar⸗ und Leihkasse, eine Vorschußbank und eine Gasanstalt. Die (seit 1837) öffentliche Bibliothek von etwa 30000 Bänden ist im Schulhause aufgestellt. E. (im Mittelalter Utin, lat. Uthina) wurde zur Zeit der Einführung des Christentums im Wendenlande Wahohet begründet. Anfänglich gehörte die Landesoheit über E. dem Grafen von Holstein; 1155 kam es an das Bistum Oldenburg, dessen Sitz 1163 nach Lübeck verlegt wurde, doch war E. Residenz Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. des Bischofs; 1253 erhielt die Stadt lübisches Recht; 1534 führte sie die Reformation ein; von 1535 bis 1802 war zu E. die Hofhaltung der prot. Fürstbischöfe von Lübeck, die seit 1586 stets aus dem Hause Holstein-Gottorp gewählt wurden; als das Bistum durch den Reichsdeputationshauptschluß säkularisiert wurde, kam dasselbe mit E. an den Herzog von Oldenburg. Ende des 18. o. lebten hier die Dichter doh. Heinr. Voß und Leo⸗ — Graf zu Stolberg, der Maler Joh. Heinr. ischbein und der Philosoph Friedr. Heinr. Jacobi. C. ist Geburtsort des Komponisten Karl Maria von Weber (geb. 18. Dez. 1786; Inschrift an seinem Geburtshause).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 449Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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